Die neue Saison in der National League steht vor der Tür und die Ausgangslage ist an verschiedenen Stellen der Tabelle äusserst ausgeglichen. In der vergangenen Saison trennten neun Punkte fünf Teams und machten den Unterschied, ob diese in den Playouts oder in den Play-Ins spielen. Entsprechend schwierig ist es, die Tabelle der kommenden Spielzeit vorherzusagen. Wir haben den Versuch dennoch gewagt.
Lange konnten sich die Rapperswil-Jona Lakers in der Tabellenmitte festkrallen. Seit dem Aufstieg im Jahr 2018 gelang den Rosenstädtern immer wieder eine Überraschung, mal war es überraschend, mal war es verdient. In der Saison 2022/23 schlossen sie die Regular Season auf dem starken dritten Rang ab und qualifizierten sich für die Champions Hockey League. Auch in der letzten Spielzeit durften die St. Galler dank erfolgreicher Play-Ins wieder bei den Playoffs mitreden, auch wenn für sie im Viertelfinal schliesslich Schluss war. Zwar hatte der SCRJ mit Malte Strömwall, Jonas Taibel und Julius Honka drei schmerzhafte Abgänge, diese aber mit starken Transfers wieder ausgeglichen. Dennoch lässt ein Blick auf die Vorbereitungsphase das Schlimmste erahnen: Gegen die Ligakonkurrenten verlor Rappi mit jeweils über sieben Gegentoren.
Die Jurassier können endlich die rote Laterne abgeben. Seit dem Aufstieg 2021 taumelt der HC Ajoie immer im Tabellenkeller herum. Auch letztes Jahr war der Verein mit 42 Zählern auf dem 14. Platz und musste sich einmal mehr im Playoutfinal geschlagen geben. Weil der Swiss-League-Meister nicht aufsteigen wollte, hatten die Jurassier einmal mehr Glück. In dieser Saison soll es aber anders sein. Schon vor dem Ende der Saison gab der Club bekannt, dass er mehrere Verträge nicht verlängern würde. Einige Spieler beendeten die Karriere, andere fanden oder suchen noch immer eine neue Bleibe. Mit Daniel Carr und Kristian Tanus, um nur zwei Beispiele zu nennen, gelangen Sportchef Julien Vauclair gute Transfers. Auch der neue Trainer Ville Peltonen soll für neue Akzente sorgen. Dass sie mit ihm gleich einen Weltmeister engagiert haben, zeigt, auf welchem Weg die Jurassier sind.
Wenn wir schon bei den Weltmeistern sind, passt da Ville Peltonens Kollege Jussi Tapola. Die beiden Finnen holten als Assistenztrainer WM-Gold mit Finnland und sind nun beide Headcoaches in der National League. Anders als Peltonen hat Tapola wohl in Ambri noch die grössere Herausforderung. Denn da das Budget in der Leventina bekanntlich eines der kleinsten der Liga ist, spielen in dieser Saison auch vermehrt Junge beim HCAP. Gleichzeitig will Ambri einen grösseren Fokus auf die Ausbildung dieser jungen Spieler setzen. Dennoch gelang es dem neuen Sportchef Lars Weibel, einige spannende Namen zu verpflichten. Ob Järventie, Schnarr, Kodytek und Co. die Leventiner vor den Playouts bewahren, werden wir bald sehen.
Schon wieder endet die Saison für die SCL Tigers nach der Meisterschaft in den Ferien. Die Emmentaler haben sich nach der Enttäuschung in der letzten Saison zwar verstärkt, doch erneut kommen sie nicht über einen elften Platz hinaus. Mit dem Torschützen-Duo Emil Pettersson und Jonathan Dahlén vom schwedischen SHL-Verein Timrå dürfte es in der kommenden Saison wieder einige Tore im Emmental geben. Mit 140 Treffern in der Regular Season waren die Tigers in der letzten Spielzeit im Durchschnitt. Mit diesem Duo könnten die Emmentaler aber bald wieder über den Durchschnitt springen und damit wichtige Punkte gutmachen. Ob es für die Play-Ins reichen wird, zeigt sich spätestens kurz vor Schluss. Dass es knapp wird, zeigten bereits die letzten Jahre.
Auch der EHC Kloten musste in der letzten Saison gemeinsam mit Langnau in die verfrühten Ferien. Dieses Mal sieht es aber anders aus. Sie werden zwar keine grossen Sprünge nach vorn machen, aber die Flughafenstädter werden sich verbessern. Dies wird wohl auch der Verdienst des neuen, torhungrigen Verteidigers Simon Johansson und des Meistergoalies Reto Berra sein. In der letzten Saison verpasste der EHC Kloten die Play-In-Plätze nur wegen weniger Punkte. Es waren einzelne Spiele, die sie in der Verlängerung nicht für sich entscheiden konnten. Mal fehlte der Torhunger, mal das Glück. Mit Johansson und Rückkehrer Arttu Ruotsalainen dürften diese Probleme endgültig gelöst sein und damit auch das Play-In-Ticket gesichert werden.
Nach dem Final 2023 konnte der EHC Biel-Bienne nicht mehr so gute Leistungen auf das Eis bringen. 2024 schaffte man es zuletzt in die Playoffs, in den letzten zwei Jahren konnten die Seeländer aber nie mehr dabei mitspielen. Die direkten Playoff-Plätze werden die Bieler erneut verpassen, dafür können sie sich bei den Play-Ins durchsetzen und dieses Mal wieder um den Meistertitel mitkämpfen. Die Verpflichtung von Jeff Skinner wird dem EHCB die nötigen Punkte bringen und wohl die eine oder andere enge Partie für die Bieler entscheiden. Auch die beiden neu verpflichteten Dominic Zwerger und Joel Vermin werden frischen Wind ins Team bringen. Dank ihrer Schweizer Lizenz, sprich des Schweizer Passes, werden sie keine Ausländerposition in Anspruch nehmen.
Die letzten Monate waren für den EV Zug turbulent. Zuerst gab es stagnierende Resultate der ersten Mannschaft und man konnte dank den Play-Ins doch noch die Playoffs erreichen. Dann wurden Sportchef Reto Kläy und CEO Patrick Lengwiler entlassen und ein turbulenter Sommer stand bevor. Nun scheint ein wenig Ruhe in die Kolinstadt eingetroffen zu sein. Dennoch müssen die Zuger in den ersten acht Meisterschaftsspielen auswärts spielen. Das wird kein leichter Start in die neue Saison werden. Dennoch wird sich das Team spätestens beim ersten Heimspiel fangen und dann so richtig Punkte sammeln. Es reicht zwar immer noch nicht für einen Spitzenplatz, trotzdem können sie sich knapp für die Playoffs qualifizieren.
Der HCL wartet seit 2006 auf den Meistertitel und würde zu gerne wieder um die Meisterschaft kämpfen. Mit dem Kader haben die Bianconeri sicherlich keine Probleme, die Playoffs zu erreichen. Nur schon die Neuzugänge Olle Lycksell, Lassi Thomson und Jere Innala versprechen im Südtessin viel. Nach der Katastrophen-Saison 2023/24, in der man in den Playouts landete, schien sich Lugano im letzten Jahr wieder gefangen zu haben. Ein fünfter Platz war mehr als nur eine Reaktion, auch wenn im Viertelfinal bereits wieder Schluss war. Dieses Jahr dürften sich die Bianconeri weniger gut klassieren, dafür haben sie in den Playoffs dieser Saison wieder einmal das nötige Glück.
Der Vizemeister zeigte letztes Jahr eine starke Saison. Mit 117 Punkten in 52 Spielen lagen die Bündner nach Ende der regulären Saison an der Tabellenspitze. Mit 2,25 Punkten pro Spiel war es in der letzten Saison ein Spitzenwert. Auch in den Playoffs war der HCD eine Macht für sich. Nur im Final musste sich der Rekordmeister gegen den HC Fribourg-Gotteron geschlagen geben und musste sich mit dem Vizemeistertitel begnügen. Einen grossen Anteil an diesem Erfolg hatte Matej Stransky. Der Tscheche steuerte 51 Scorerpunkte zum Erfolg in der Regular Season bei und war nicht nur Davoser Topscorer, sondern auch der zweitbeste Scorer der ganzen Liga hinter Markus Granlund. Sein Abgang schmerzt in Davos besonders, deshalb werden die Bündner in dieser Saison auch nicht mehr so erfolgreich sein.

Mit acht Ausländern hat der SC Bern momentan die meisten Importlizenzen gelöst. Dennoch wollen die Mutzen bekanntlich den Schweden Hardy Häman Aktell loswerden. Auch mit sieben Importspielern wird der SCB noch gefährlich sein. Da reicht es, einen torgefährlichen Sonny Milano im Kader zu haben oder einen Rodrigo Abols, der künftig die schmutzige Arbeit um das Tor der Berner erledigt. Doch auch mit Rodwin Dionicio haben die Berner eine gute Verpflichtung gemacht. Wenn Serge Aubin den jungen Verteidiger im Griff hat, dann gehört er bald zu den grossen Namen bei den Mutzen. Noch bleibt offen, wer das Team als Captain anführt, doch der SCB hat auch ohne Captain mehrere Anführer im Team, die den Club nach einer verkorksten Saison wieder zum Erfolg bringen.
Der Meisterblues setzt beim HC Fribourg-Gotteron schnell ein. Zwar gab es kaum Veränderungen für die kommende Saison, doch die Abgänge von Attilio Biasca und Lucas Wallmark schmerzen enorm beim Schweizer Meister. Wallmark war nicht nur ein fleissiger Scorer, sondern vor allem auch ein enger Freund von Marcus Sörensen. Sein Abgang schmerzt also doppelt. Deshalb wird der HCFG zu beissen haben, wenn er den Meistertitel verteidigen will. Dennoch bleiben sie ein klarer Kandidat für die Playoffs und klassieren sich auf dem vierten Platz. Vielleicht hat sich Gotteron bis zu den Playoffs ja gefangen und kann sich neben der Champions Hockey League auf das Wesentliche konzentrieren.
Die ZSC Lions haben sich nach einer durchzogenen Saison wieder gefangen. Platz vier und das Aus im Halbfinale waren eine Enttäuschung für die Zürcher, denn mit ihrem Kader liegt deutlich mehr drin. Dennoch passte letzte Saison für den grossen Erfolg einiges nicht. Dies soll in diesem Jahr anders sein. Zwar können die Lions noch immer nicht an die Tabellenspitze, weil dort zwei andere Westschweizer Clubs liegen, dafür klassieren sie sich um einen Rang besser als letztes Jahr. Mit der Heimkehr von Tim Berni und Simon Knak erhält der ZSC wieder zwei Eigengewächse zurück, die mit den Lions den Pokal in die Höhe stemmen wollen. Zudem haben sie mit Claude Julien eine Koryphäe als Trainer verpflichtet. Am Trainer soll der nächste Meistertitel also nicht scheitern.

Die Westschweizer sind in dieser Saison stark. Der Genève-Servette HC hat mit Abstand die stärkste Ausländerfraktion. Von Spielern wie Jesse Puljujärvi, Markus Granlund oder Vili Saarijärvi können andere Teams nur träumen. Am Genfersee ist dies Alltag. Schon in der letzten Saison gehörte Servette zu den besten Teams der Liga und beendete die reguläre Meisterschaft auf dem dritten Platz. Nur in den Playoffs musste man sich im Halbfinal geschlagen geben. Dank nur weniger Änderungen werden die Genfer wieder ähnlich wie letztes Jahr spielen und einmal mehr zum Schreck der Liga werden. Ein Meistertitel ist dem Team nämlich noch nicht genug.
Dass der Lausanne HC Schweizer Meister werden möchte, liegt auf der Hand. Nur schon, wenn man sieht, welchen Weg die Waadtländer gehen. Mit Colin Miller aus der NHL, Romain Loeffel als Tauschgeschäft für Connor Hughes und Michael Fora, der vom HC Davos kommt und einen langfristigen Vertrag unterschrieben hat, gibt es vor allem in der Defensive viel Stabilität. Die offensiven Kräfte bleiben bis auf ein paar Abgänge mehrheitlich gleich. Besonders der Wechsel von Ken Jäger dürfte Lausanne schmerzen, mit Axel Simic haben sie aber den perfekten Ersatz. Mit den bestehenden Imports könnten die Waadtländer nach den Sternen greifen und damit nach zwei Vizemeistertiteln endlich den Kübel selbst holen.
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