Auf den Saisonstart hin haben wir zuletzt alle 14 Kader der National League unter die Lupe genommen und jeden Mannschaftsteil mit Punkten von 1 bis maximal 6 bewertet. Nachfolgend ist das komplette Schlussresultat in einem Gesamtvergleich aufgeführt.
Torhüter: 4.0 / Verteidigung 4.5 / Sturm 4.5
Der HC Ajoie hat seinen Kader nach einer weiteren Saison am Tabellenende umfassend erneuert. Kristian Tanus bringt als Liiga-Topscorer viel Kreativität in den Angriff, Daniel Carr zusätzliche Abschlussstärke und die Honka-Brüder sollen aus der Defensive heraus für Gefahr sorgen. Gerade offensiv wirken die Jurassier spannender und variabler als zuletzt. Die tiefste Bewertung der Liga kommt dennoch nicht von ungefähr: Im Tor fehlt ein ausgewiesener Spitzengoalie, die defensive Balance muss sich erst finden und zahlreiche Neuzugänge müssen rasch zu einer Einheit werden. Ajoie dürfte den Abstand zur Konkurrenz verkleinern, bleibt auf dem Papier aber der Aussenseiter.
Torhüter: 4.5 / Verteidigung 4.5 / Sturm 4.5
Nach einer chaotischen Saison mit grossen Veränderungen neben und auf dem Eis sehnt sich Ambri vor allem nach Stabilität. Jussi Tapola soll gemeinsam mit dem neuen Sportchef Lars Weibel für einen Neustart sorgen. Die Leventiner setzen auf eine Mischung aus erfahrenen Imports und vielen jungen Spielern, besitzen jedoch in keinem Mannschaftsteil einen klaren Vorteil gegenüber der Konkurrenz. Besonders die offensiven Leistungsträger aus Skandinavien werden viel Verantwortung übernehmen müssen. Gelingt es, die Talente schnell zu integrieren und die ausländischen Schlüsselspieler zu entlasten, ist der Kampf um die Play-Ins realistisch. Für deutlich höhere Ziele fehlt dem Kader aber die Breite.
Torhüter: 5.0 / Verteidigung 4.5 / Sturm 5.0
Nur drei Punkte fehlten den SCL Tigers in der vergangenen Saison zur Teilnahme an den Play-Ins. Nun soll vor allem mehr Durchschlagskraft im Angriff den Unterschied machen. Der Abschied des langjährigen Captains Harri Pesonen schmerzt, mit den neuen skandinavischen Offensivkräften ist aber zusätzliche Torgefahr ins Emmental gekommen. Im Tor sind die Langnauer gut aufgestellt, während die junge Defensive neben viel Potenzial auch gewisse Schwankungen verspricht. Der zwölfte Rang täuscht deshalb etwas: Die Tigers liegen nur einen halben Punkt hinter drei Teams auf Platz neun und dürften erneut mitten im engen Kampf um die Play-Ins stecken.
Torhüter: 5.0 / Verteidigung 5.0 / Sturm 5.0
Der EHC Biel ist in allen drei Mannschaftsteilen solide besetzt und kommt dadurch auf eine ausgesprochen ausgeglichene Bewertung. Der grosse Star heisst inzwischen Jeff Skinner. Der langjährige NHL-Stürmer verleiht der Offensive zusätzliche Klasse und macht die Seeländer deutlich unberechenbarer. Victor Söderström soll derweil das Spiel aus der Defensive antreiben, während Harri Säteri im Tor weiterhin der wichtigste Stabilitätsfaktor bleibt. Hinter den Führungsspielern setzt Biel konsequent auf Entwicklungspotenzial und den eigenen Nachwuchs. Genau darin liegen Chance und Risiko zugleich. Machen mehrere junge Spieler den nächsten Schritt, kann der EHCB die Einstufung im hinteren Mittelfeld übertreffen.
Torhüter: 5.5 / Verteidigung 5.0 / Sturm 4.5
Mit Reto Berra ist Kloten einer der spektakulärsten Transfers des Sommers gelungen. Der Meistergoalie und Playoff-MVP gibt den Flughafenstädtern auf Anhieb Sicherheit und kann seinem Team an zahlreichen Abenden Punkte festhalten. Vor ihm ist das Bild weniger eindeutig. Die Defensive besitzt Qualität, ist aber nicht besonders tief besetzt. Im Sturm setzt Kloten nach nur 117 Toren in der vergangenen Qualifikation verstärkt auf junge Spieler und hofft auf einen sofortigen Effekt der Neuzugänge. Das Goalie-Paket genügt für höhere Ansprüche, die fehlende offensive Breite verhindert jedoch eine bessere Platzierung in der Kader-Rangliste.
Torhüter: 5.5 / Verteidigung 4.5 / Sturm 5.0
Die Lakers bleiben ihrer Linie treu und setzen auf Kontinuität, Erfahrung und ein bewährtes Schweizer Goalie-Duo. Melvin Nyffeler und Ivars Punnenovs ermöglichen es dem SCRJ, sämtliche Importplätze auf dem Feld einzusetzen. Ein wertvoller Vorteil im Kampf um die Play-Ins. Die Abgänge von Malte Strömwall und Jonas Taibel wiegen schwer, mit Kevin Labanc wurde für den Angriff aber ein hochkarätiger Ersatz verpflichtet. Das grösste Fragezeichen steht hinter der Defensive, die stark von der Gesundheit ihrer Leistungsträger abhängt. Insgesamt besitzt Rapperswil genügend Qualität für die Play-Ins, aber nur wenig Spielraum für längere Ausfälle.
Torhüter: 5.5 / Verteidigung 5.0 / Sturm 5.0
Der SC Bern hat seine grösste Schwachstelle mit der Verpflichtung von Connor Hughes entschärft. Der Schweizer Goalie schafft gleichzeitig einen zusätzlichen Importplatz auf dem Feld und hebt die Qualität auf der wichtigsten Einzelposition deutlich an. In der Verteidigung beginnt nach den Abgängen von Ramon Untersander und Romain Loeffel eine neue Zeitrechnung. Ian Mitchell, Rodwin Dionicio und mehrere junge Kräfte müssen rasch Verantwortung übernehmen. Im Angriff blieb der angekündigte Umbruch dagegen teilweise aus. Die Mischung ist gut genug für eine klare Steigerung gegenüber der Vorsaison, für die absolute Ligaspitze fehlt der Offensive auf dem Papier aber noch etwas zusätzliche Klasse.
Torhüter: 5.0 / Verteidigung 5.5 / Sturm 5.0
Der amtierende Meister ist die auffälligste Mannschaft im Mittelfeld dieser Rangliste. Fribourg besitzt weiterhin eine herausragend eingespielte Defensive, musste nach dem historischen Titelgewinn aber zentrale Meisterfiguren abgeben. Reto Berra, Lucas Wallmark und Clubikone Julien Sprunger hinterlassen sportlich und emotional grosse Lücken. Ludovic Waeber übernimmt die Verantwortung im Tor, während Anthony Richard dem Angriff Tempo und Abschlussqualität verleihen soll. Die Qualität für eine weitere starke Saison ist vorhanden, doch die neue Hierarchie muss sich erst bilden. Dass Gotteron trotz Meistertitel nur auf Rang sieben landet, ist deshalb weniger ein Misstrauensvotum als ein Ausdruck der enorm starken Konkurrenz.
Torhüter: 5.0 / Verteidigung 5.5 / Sturm 5.5
Das grösste Argument der Grenats ist die meisterwürdige Importfraktion um Markus Granlund, Jesse Puljujärvi, Jimmy Vesey und Sakari Manninen. Johnny Kneubuehler verbessert zusätzlich die Schweizer Tiefe im Angriff, während Stephane Charlin im Tor längst zu den interessantesten einheimischen Goalies gehört. Auch die prominent besetzte Defensive kann gewichtige Abgänge auffangen. Einzelne Fragezeichen bleiben beim Leistungsgefälle im Goalie-Duo und hinter den offensiven Führungsspielern. Rufen die Genfer ihr Potenzial konstant ab, ist die Rückkehr in den Kreis der ernsthaften Titelanwärter aber absolut realistisch.
Torhüter: 5.5 / Verteidigung 6.0 / Sturm 5.0
Lausanne stellt auf dem Papier die spektakulärste Defensive der National League. Erik Brännström und Sami Niku erhalten mit Colin Miller, Michael Fora und Romain Loeffel zusätzliche Unterstützung. Ein besserer Spielaufbau, mehr Schussstärke und internationale Erfahrung können Titel wert sein. Auch das junge Goalie-Duo um Kevin Pasche und Ewan Huet besitzt grosses Potenzial. Der kleine Rückstand auf die Spitze entsteht im Sturm. Die ausländischen Leistungsträger sind hochklassig, doch nach dem Abgang von Theo Rochette und weiteren erfahrenen Kräften fehlt es hinter den ersten Linien an Tiefe. Bleibt die Offensive gesund, gehört der LHC dennoch zum engsten Kreis der Titelkandidaten.
Torhüter: 5.5 / Verteidigung 5.5 / Sturm 5.5
Nach einem turbulenten Sommer mit Veränderungen auf den wichtigsten Führungspositionen steht der EV Zug vor einer richtungsweisenden Saison. Der Kader besitzt weiterhin sehr viel Qualität, erhält in unserer Analyse aber in keinem Mannschaftsteil die Maximalnote. Leonardo Genoni bleibt ein Ausnahmekönner, muss nach wechselhaften Playoffs jedoch erneut beweisen, dass er über eine komplette Saison sein höchstes Niveau erreicht. Im Sturm stehen mit Dominik Kubalik, Tomas Tatar und Jan Kovar grosse Namen bereit, hinzu kommt Vinzenz Rohrer als hochinteressante Verstärkung. Entscheidend wird sein, ob der neue Trainer Lauri Marjamäki das vorhandene Potenzial besser ausschöpft als sein Vorgänger.
Torhüter: 5.5 / Verteidigung 5.5 / Sturm 5.5
Beim HC Lugano fällt vor allem die Ausgeglichenheit auf. Das Duo Niklas Schlegel und Joren van Pottelberghe bietet im Tor zwei verlässliche Optionen, die Schweizer Defensive gehört zu den besten der Liga und im Angriff wurde die Importfraktion gezielt erneuert. Jere Innala, Olle Lycksell und Nick Shore bringen frische Ideen und zusätzliche Produktion, während Rasmus Kupari und Zach Sanford bereits gezeigt haben, dass sie in diesem Umfeld funktionieren. Dem Kader fehlt vielleicht der eine unbestrittene Ligaprimus, eine echte Schwachstelle besitzt er aber ebenfalls nicht. Nach der direkten Playoff-Qualifikation soll nun der nächste Entwicklungsschritt folgen.
Torhüter: 6.0 / Verteidigung 6.0 / Sturm 5.5
Die ZSC Lions reagieren auf das Halbfinal-Aus mit gezielten Verstärkungen eines ohnehin hochkarätigen Kaders. Simon Hrubec war in der vergangenen Saison der beste Goalie der Liga, Tim Berni macht eine Luxusabwehr noch kompletter und Malte Strömwall sowie Simon Knak vergrössern die Auswahl im Angriff. Dazu bleiben mit Sven Andrighetto, Denis Malgin, Dean Kukan und Mikko Lehtonen zahlreiche Unterschiedsspieler. Die grösste Herausforderung ist das Management des Überangebots. Trainer Claude Julien muss sieben ausländische Leistungsträger auf sechs Importplätze verteilen. Auf dem Papier gibt es dennoch kaum einen kompletteren Kader.
Torhüter: 6.0 / Verteidigung 6.0 / Sturm 5.5
Der HC Davos teilt sich die Spitze mit den ZSC Lions. Sandro Aeschlimann und Luca Hollenstein bilden das stärkste Goalie-Duo der Liga, die Defensive ist tief, spielstark und hervorragend eingespielt. Im Sturm fallen die Abgänge von Captain Matej Stransky, Simon Knak, Rico Gredig und Chris Egli zwar ins Gewicht. Mit Ken Jäger kehrt aber ein neuer Captain nach Davos zurück, während der starke Importkern und bewährte Schweizer Leistungsträger für Kontinuität sorgen. Nach dem Triumph am Spengler Cup, Rang eins in der Qualifikation und der hauchdünnen Finalniederlage besitzt der HCD erneut den Kader, um auf jeder Bühne um den Titel mitzuspielen.
Dennis Rogge EHC Biel-Bienne EHC Kloten Eishockey EV Zug Genève-Servette HC HC Ajoie HC Ambri-Piotta HC Davos HC Fribourg-Gottéron HC Lugano Lausanne HC National League SC Bern SC Rapperswil-Jona Lakers SCL Tigers ZSC Lions