Nach 46 Jahren in der höchsten Spielklasse hat sich der HC Fribourg-Gottéron erstmals zum Schweizer Meister gekrönt. Der historische Triumph leitet nun einen Umbruch ein: Meistergoalie Reto Berra, Finalheld Lucas Wallmark und Captain Julien Sprunger sind weg. Kann der neue Hoffnungsträger Anthony Richard die entstandene Lücke schliessen?
52 Qualifikationsspiele, 172 erzielte Tore, Rang zwei und am Ende der erste Meistertitel der Clubgeschichte: Roger Rönnbergs erste Saison in Fribourg hätte kaum erfolgreicher verlaufen können. Gotteron war offensiv gefährlich, defensiv stabil und in den entscheidenden Momenten nervenstark. Im siebten Finalspiel gegen Davos erzielte Lucas Wallmark in der Verlängerung das Meistertor.
Nur wenige Monate später ist dieser Triumph bereits der Ausgangspunkt für eine neue Herausforderung. Fribourg hat zentrale Figuren der Meistermannschaft verloren und muss erneut ein konkurrenzfähiges Team stellen. Während das defensive Gerüst fast unverändert bleibt, müssen im Tor und vor allem im Sturm gewichtige Rollen neu verteilt werden:
Zuzüge:
🇨🇭Ludovic Waeber (1996) - EHC Kloten
Abgänge:
🇨🇭Reto Berra (1987) - EHC Kloten
Der Wechsel von Reto Berra zu Ludovic Waeber ist zukunftsorientiert. Berra war zwar eine stützende Säule im Fundament des Meisterteams, aber er ist auch schon 39 Jahre alt. In der Qualifikation 2025/26 kam er in 37 Partien auf eine Fangquote von 92,0 Prozent und lediglich 1,99 Gegentore pro Spiel. Auch in den Playoffs blieb der Routinier ein sicherer Rückhalt.
Waeber ist ein guter National-League-Goalie und kennt den Saanestädter Eishockeymarkt bestens, hat er für die Drachen doch sein NL-Debüt gegeben. Seine letzte Saison in Kloten war mit 90,8 Prozent gehaltenen Schüssen und 2,48 Gegentoren pro Partie jedoch deutlich weniger dominant als Berras Meisterjahr. Der 29-Jährige bringt genügend Erfahrung für die Nummer eins mit, muss aber beweisen, dass er ein Spitzenteam auch über eine komplette Saison tragen kann.
Loïc Galley und Elijah Neuenschwander geben Gottéron zusätzliche Optionen im Kasten und wenn Waeber den Leistungsabfall gegenüber Berra klein halten kann, wäre die Besetzung solide. Somit erreicht man auf dem Papier ein ähnliches Niveau wie in der letzten Saison.
Fazit: 5/6 Punkte
Zuzüge:
-
Abgänge:
🇫🇮 Juuso Arola (1999) - JYP/FIN
In der Verteidigung herrscht beinahe vollständige Kontinuität. Mit Juuso Arola geht der einzige offiziell aufgeführte Abgang. Der Finne absolvierte über Qualifikation und Playoffs lediglich neun NL-Partien. Einen externen Zugang gibt es nicht, und der ist angesichts der vorhandenen Qualität auch nicht zwingend nötig.
Michael Kapla und Yannick Rathgeb gehören zu den offensiv stärksten Verteidigern der Liga. Kapla sammelte in 70 NL-Partien inklusive Playoffs 39 Punkte, Rathgeb kam in ebenso vielen Einsätzen auf 36 Scorer. Damit sorgte das Duo neben einem sauberen Spielaufbau, auch für Tore und lieferte offensive Leistungen auf dem Niveau guter Stürmer. Patrik Nemeth bringt Härte und sorgt unter anderem mit Andrea Glauser, Benoit Jecker und Simon Seiler für defensive Verlässlichkeit.
Hinzu kommen die jungen Ludvig Johnson und Maximilian Streule. Besonders Streule hat sich längst vom Perspektivspieler zu einer festen Grösse entwickelt und steuerte im Meisterjahr in 69 NL-Partien 19 Punkte bei. Weil der komplette Kern zusammenbleibt, ist die Defensive weiterhin der stärkste Mannschaftsteil.
Fazit: 5.5/6 Punkte
Zuzüge:
🇨🇦 Anthony Richard (C/LW - 1996) - Philadelphia Flyers/NHL
🇨🇭🇦🇹 Jonas Taibel (C/LW - 2004) - SC Rapperswil-Jona Lakers
Abgänge:
🇨🇦 Ty Rattie (RW - 1993) - ?
🇺🇸Kyle Rau (C - 1992) - ?
🇸🇪 Lucas Wallmark (C - 1995) - IF Björklöven/SWE
🇨🇭 Julien Sprunger (RW - 1986) - Rücktritt
🇨🇭 Jeremi Gerber (RW/LW - 2000) - HC Ajoie
🇨🇭 Attilio Biasca (C/LW - 2003) - Boston Bruins/NHL
🇨🇭 Kevin Etter (C - 2003) - HC Thurgau
🇨🇭 Julien Rod (LW/RW - 2004) - ?
Im Angriff verlieren die Saanestädter einen beträchtlichen Teil ihrer Meisteridentität. Lucas Wallmark war mit 14 Punkten der beste Scorer der gesamten Playoffs und erzielte im siebten Finalspiel das goldene Tor. Julien Sprunger steuerte über die komplette NL-Saison inklusive Playoffs noch einmal 32 Punkte bei, Attilio Biasca deren 31. Dazu verliert die Mannschaft mit den Abgängen von Jeremi Gerber, Kevin Etter und Julien Rod schweizerische Tiefe sowie mit Kyle Rau und Ty Rattie zwei kurzfristig verpflichtete Verstärkungen des Meisterlaufs.
Vor allem die Abschiede von Wallmark und Sprunger lassen sich nicht allein in Punkten messen. Der eine war der intelligente Zweiwegcenter und Playoff-Matchwinner, der andere Captain, Identifikationsfigur und über zwei Jahrzehnte das Gesicht des Clubs. Ihre Verantwortung muss nun auf neue Schultern verteilt werden. Auch der Abgang von Nati-Spieler Biasca in die NHL wiegt schwer, auch weil man den Stürmer noch nicht ersetzen konnte.

Anthony Richard ist deshalb der Königstransfer der Saanestädter. Der Kanadier erzielte 25/26 für die Lehigh Valley Phantoms in 66 AHL-Partien 18 Tore und 27 Assists. Er kann das Spiel mit seinem Tempo öffnen, bringt Abschlussqualität mit und sollte in der National League sofort eine offensive Hauptrolle übernehmen. Ein positionsgetreuer Ersatz für Wallmark ist er dennoch nicht. Richard ist weniger Spielmacher als der Schwede.
Jonas Taibel ist der zweite Zugang. Der 21-jährige Schweizer verbuchte für Rapperswil-Jona in 38 Qualifikationsspielen sechs Tore und 14 Punkte. Er ist ein spannender Transfer mit Entwicklungspotenzial, sollte aber nicht schon in seiner ersten Saison dafür verantwortlich sein müssen, die Produktion mehrerer Meisterstürmer aufzufangen.
Die vorhandene Spitze bleibt trotzdem hochklassig. Henrik Borgström führte Gottéron mit 51 Punkten in 66 NL-Partien inklusive Playoffs an. Christoph Bertschy kam auf 46 Punkte, Marcus Sörensen trotz einer verkürzten Saison auf 38 und Sandro Schmid ebenfalls auf 38. Dazu geben Jacob de la Rose, Samuel Walser und Nathan Marchon dem Team Qualität und Stabilität in der Tiefe.
Das Problem liegt weniger in der ersten Reihe als in der Breite dahinter. Junge Spieler wie Jamiro Reber, Jan Dorthe, Lucas Hedlund und Kevin Nicolet müssen grössere Rollen übernehmen. Gleichzeitig sind die sechs Ausländerplätze im vorgesehenen Gerüst bereits mit Kapla, Nemeth, Borgström, de la Rose, Sörensen und Richard besetzt. Ein ausländischer Nachtransfer würde deshalb zwangsläufig neue Konkurrenz um die verfügbaren Plätze schaffen.
Fribourgs Offensive besitzt weiterhin genügend Qualität für die Spitzengruppe. Im Vergleich zur Meistermannschaft fehlen aber erwiesene Produktion, Tiefe und sehr viel Führung. Richard muss einschlagen und mindestens zwei der jungen Schweizer müssen den nächsten Schritt machen.
Fazit: 5/6 Punkte
Der HC Fribourg-Gottéron geht nicht als unveränderter Titelverteidiger in die neue Saison. Die nahezu identische Defensive ist herausragend und bietet Roger Rönnberg weiterhin ein stabiles Fundament. Im Tor ist Ludovic Waeber eine plausible Lösung, nach Berras starker Meistersaison aber zunächst ein kleiner Rückschritt auf dem Papier. Im Sturm bleibt die Spitze gefährlich, doch die Verluste von Wallmark, Sprunger, Biasca und mehreren weiteren Spielern sind beträchtlich.
Gottéron verfügt weiterhin über die Qualität und die Erfahrung für einen Platz in der Spitzengruppe. Für eine erfolgreiche Titelverteidigung muss jedoch vieles von Beginn weg klappen. Waeber muss sofort funktionieren, Richard seine AHL-Produktion übertragen und der junge Schweizer Block mehr Verantwortung übernehmen. Der Meister bleibt ein ernstzunehmender Kandidat, startet aber nicht mit dem tiefsten und komplettesten Kader der Liga.
Gesamtfazit: 15.5/18 Punkte
Andrea Glauser Anthony Richard Benoit Jecker Christoph Bertschy Dennis Rogge Eishockey Elijah Neuenschwander HC Fribourg-Gottéron Henrik Borgström Jacob de la Rose Jamiro Reber Jan Dorthe Jonas Taibel Kevin Nicolet Loïc Galley Lucas Hedlund Ludovic Waeber Ludvig Johnson Marcus Sörensen Maximilian Streule Michael Kapla Nathan Marchon National League Patrik Nemeth Roger Rönnberg Samuel Walser Sandro Schmid Simon Seiler Yannick Rathgeb