Seit die National League zur Saison 2022/23 auf 14 Teams aufgestockt wurde, ist das Eishockey-Oberhaus nicht nur grösser, sondern auch unberechenbarer geworden. Der Konkurrenzkampf ist gnadenlos: Während die Plätze an der Sonne hart umkämpft sind, sorgt die Angst vor dem Playout-Gespenst für nervöse Zeigefinger in den Teppichetagen. Eine Analyse der letzten vier Jahre zeigt ein deutliches Gefälle zwischen stoischer Ruhe und chronischer Unruhe.
In einer Liga, in der seit Sommer 2022 bereits 44 verschiedene Trainerkonstellationen an der Bande zu sehen waren (und ab der neuen Saison mindestens sechs neue Headcoaches installiert werden), wirkt die Situation bei den SCL Tigers fast schon wie ein Anachronismus. Thierry Paterlini ist der "Last Man Standing." Er ist der einzige Coach, der seit der Einführung des 14er-Modus ununterbrochen im Amt ist.
In Langnau hat man die Flucht nach vorn durch Beständigkeit gewählt. Während andere Klubs bei der ersten Niederlagenserie den Panikknopf drücken, setzt man bei den Tigers auf eine klare Hierarchie und langfristige Entwicklung - ein Modell, das in einer derart volatilen Liga Seltenheitswert hat.
Am anderen Ende des Spektrums finden wir den SC Bern, den EHC Kloten und den HC Ajoie. Diese drei Klubs bilden die "Verschleiss-Spitze" mit jeweils fünf verschiedenen Übungsleitern in nur vier Jahren.
SC Bern: Der einstige Branchenprimus kämpft immer noch damit, die passende Identität für die Post-Jalonen-Ära zu finden. Die Bandbreite von skandinavischer Schule bis hin zu Schweizer Übergangslösungen zeigt, dass die strategische Windrose in der Bundesstadt oft neu ausgerichtet wird. Nun erhofft man sich, mit Serge Aubin endlich die richtige Lösung gefunden zu haben. Er soll die dringend benötigte Kontinuität und Stabilität in den einst erfolgsverwöhnten Verein zurückbringen.

Kloten: Bei den Flughafenstädtern gab es in den jüngsten Jahren mit Jeff Tomlinson und Lauri Marjamäki gleich zwei Trainer, die tolle Arbeit leisteten und definitiv nicht aus sportlichen Gründen den Club verlassen haben. Bei Tomlinson waren es gesundheitliche Gründe, während die Arbeit von Marjamäki von Ligakonkurrent Zug registriert wurde, die ihn letztlich aus der Flughafenstadt weglotsen konnten. Deutlich weniger erfolgreich verliefen die Engagements von Fleming und Mair.
Ajoie: Hier ist die hohe Fluktuation ein direktes Resultat des sportlichen Überlebenskampfes. Bei Teams mit geringeren Budgets ist der Trainer oft die einzige Stellschraube, an der kurzfristig gedreht werden kann - oft mit mässigem Erfolg, wie die Statistik belegt.
Ein spannender Side-Fact dieser Ära ist der massive Nationalitäten-Mix und der damit einhergehende Trend zum "Nordic Drive". Weg von den klassischen nordamerikanischen "Hardlinern", hin zu den taktisch hochversierten Skandinaviern.
Namen wie Jussi Tapola (Bern/Ambrì), Roger Rönnberg (Fribourg), Martin Filander (Biel) oder Lauri Marjamäki (Kloten/Zug) unterstreichen diesen Trend. Finnland und Schweden exportieren derzeit das Know-how, das in der Schweiz den Erfolg bringen soll: modernes, systemorientiertes Eishockey statt purer Emotion.
Interessanterweise finden sich auch Top-Adressen wie der EV Zug, der ZSC oder Fribourg-Gottéron mit vier Trainern im oberen Mittelfeld der Statistik wieder. Doch Vorsicht: Hier bedeutet Wechsel nicht gleich Krise.
Oft handelt es sich um strategische Rochaden oder das Ende langer Ären (z.B. Christian Dubé in Fribourg oder Dan Tangnes in Zug). Beim EVZ verlief die Nachfolgeregelung von Tangnes nicht nach Wunsch, schlitterte der EVZ unter Michael Liniger in eine Krise und musste deswegen die Reissleine ziehen. Benoit Groulx übernahm bis Saisonende, führte das Team noch in die Playoffs und scheiterte dann im Viertelfinale. Ab der nächsten Spielzeit übernimmt Lauri Marjamäki, der in Kloten hervorragende Arbeit geleistet hat.
Bei den ZSC Lions musste nur Rikard Grönborg wegen mangelnden Erfolgs gehen, während Marc Crawford aus gesundheitlichen Gründen sein Amt niederlegte. Marco Bayer eroberte als sein Nachfolger den Schweizer Meistertitel und die Champions-Hockey-League-Trophäe. In dieser Saison lief es ihm dann deutlich weniger gut, weswegen die Zürcher ab der kommenden Saison auf einen neuen Headcoach setzen werden.

Dass der Lausanne HC mit nur zwei Hauptverantwortlichen (John Fust und Geoff Ward) durch die letzten vier Jahre kam, grenzt für die Verhältnisse am Genfersee an ein Wunder. Früher als "Trainer-Friedhof" verschrien, hat die neue Besonnenheit die Waadtländer bis in den Playoff-Final katapultiert. Konstanz korreliert hier direkt mit der sportlichen Ernte.
In Rapperswil wurde in den vergangenen Jahren ebenfalls sehr erfolgreich gearbeitet. Stefan Hedlund hat den Verein gleich zweimal in die Playoffs geführt, ehe er dann doch noch Opfer des gängigen Trainermechanismus wurde. Aufgrund einer sportlichen Talfahrt wurde er im Dezember 2024 durch Johan Lundskog ersetzt. Der Schwede schaffte es, die Rapperswiler zweimal in die Playoffs zu bringen, was definitiv für seine Arbeit spricht.
Mit dem EV Zug (Lauri Marjamäki), dem EHC Kloten (Michael Liniger) und dem SC Bern (Serge Aubin) haben kürzlich gleich drei NL-Teams einen neuen Headcoach für die Saison 2026/27 verpflichten können. Bei Genève-Servette HC ist schon länger bekannt, dass Sam Hallam ab der nächsten Spielzeit das Zepter übernimmt.
Mit dem HC Ajoie und den ZSC Lions gibt es noch zwei Teams aus der höchsten Schweizer Spielklasse, deren Sportchefs auf der Suche nach einem neuen Trainer sind. In der nachfolgenden Liste fungiert bei den beiden Mannschaften darum Mister X als Platzhalter.
Christian Dubé Damian Möschinger EHC Biel-Bienne EHC Kloten Eishockey EV Zug Genève-Servette HC Geoff Ward HC Ajoie HC Ambri-Piotta HC Davos HC Fribourg-Gottéron HC Lugano Johan Lundskog Josh Holden Jussi Tapola Lauri Marjamäki Lausanne HC Michael Liniger National League Roger Rönnberg Sam Hallam SC Bern SC Rapperswil-Jona Lakers SCL Tigers Serge Aubin Thierry Paterlini Tomas Mitell ZSC Lions