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'Über Schadenfreude muss sich Roger Rönnberg im Misserfolgsfall sicher nicht beklagen'

Roost mit einer Analyse vor dem Playoff-Final

Am Samstagabend steht der erste Puckdrop im diesjährigen Playoff-Finale an. Der HC Davos empfängt den HC Fribourg-Gotteron zum ersten von sieben möglichen Tänzen. NHL-Scout Thomas Roost schätzt ein, was für die beiden Teams spricht, äussert sich zu Rönnberg und spricht die Ausfälle der Finalisten an.

Es ist ein Final, den es so im Schweizer Eishockey noch nie gegeben hat. Davos stand letztmals 2015 in einem Playoff-Final, bei Fribourg-Gottéron war es 2013. Was erwartest du für eine Serie?

Thomas Roost: Ich erwarte eine hochklassige Serie, weil die beiden besten Teams aus der Regular Season im Finale stehen. Okay, es gibt auf beiden Seiten gewichtige Absenzen, trotzdem glaube ich, dass die Spiele auf gutem Niveau ausgetragen werden.

Was spricht deiner Meinung nach für einen Meistertitel des HC Davos?

Der mit grossem Abstand erreichte Titel "Regular Season Champion" spricht für die grundsätzliche Qualität des HCD. Das von allen - auch von mir - gewünschte Spektakel "Playoff" ausgeklammert, müsste der HCD den Pokal erhalten, denn ein erster Platz über eine ganze Saison hinweg ist sachlich beurteilt sportlich wertvoller als ein erfolgreicher Playoff-Run in nur wenigen Wochen. Zurück zum HCD, zum Gewinner der Regular Season. Dies zeigt, dass der HCD besser ist als Fribourg Gottéron. Ein weiteres Plus ist für mich Goalie Aeschlimann. Er ist bis jetzt der überragende Goalie in diesen Playoffs, und was er im Spiel 5 gegen die ZSC Lions gezeigt hat, war schlicht Weltklasse. Falls er diese Form in der Finalserie konservieren kann, dann ist dies ein klares Plus für den HCD. Ob all dies in der Finalserie auch so sein wird, das wissen aber nur die Playoff-Götter.

Was spricht deiner Meinung nach für einen Meistertitel des HC Fribourg-Gottéron?

Für Fribourg spricht ebenfalls einiges. Sie haben sich aus einer unglaublich misslichen Situation befreit: Im Viertelfinal gegen die Lakers fehlten die vier wichtigsten Spieler, dies war unglaubliches Pech, und sie haben trotzdem am Schluss einen Weg gefunden, um diese Serie zu kehren. Ja, da war auch etwas Glück mit dabei, aber eine derartige Auferstehung bringt viel Vertrauen, mentale Stärke, Momentum und gegenseitige Wertschätzung ins Team. Unter den geschilderten Umständen ist der Sieg gegen die Lakers für mich die noch etwas grössere Leistung, als wenn sie Davos im Finale bezwingen würden. Weiter spricht für Gottéron, dass immerhin zwei der Top-4-Spieler wieder zurück sind, und sobald sie den Rost abgeschüttelt haben, werden sie - mindestens theoretisch - das Zünglein an der Waage sein können, denn die Verletzungspausen haben auch dazu geführt, dass sie noch nicht ausgebrannt sind und viel Energie in diesen Playoff-Final mitbringen. Fribourg ist tendenzieller Aussenseiter in dieser Finalserie und dies ist in aller Regel mental auch ein Vorteil. Auf Davos liegt mehr Druck.

Und was wird deiner Meinung nach die Serie entscheiden?

Ich denke, falls Davos die ersten beiden Heimspiele gewinnen kann, dann werden sie die Serie für sich entscheiden. Davos hat aber gewichtige Absenzen zu verzeichnen und ich weiss nicht, wer allenfalls noch zurückkehrt. Im Spiel 5 gegen die Lions schienen mir die Davoser etwas auf dem Zahnfleisch zu laufen. Zum Glück für den HCD hat Aeschlimann mit zum Teil Weltklasseaktionen dichtgehalten. Bei Fribourg fehlen noch immer Glauser und Schmid, aber der HCD muss vermutlich auf Corvi, Nussbaumer, Fora und Gredig verzichten. Falls beide Teams gesund sind, wäre mein Tipp 60 Prozent zu 40 Prozent für den HCD. Unter den aktuellen Umständen gebe ich dem HCD noch 55 Prozent Gewinnchancen und Fribourg 45 Prozent.

Roger Rönnberg ist nach Fribourg gekommen und hat bereits vor dem ersten Spiel gesagt, dass er mit dem Team Meister werden will. Eine Aussage, die sehr viel Selbstvertrauen ausstrahlt, ihm aber auch um die Ohren geworfen werden kann, wenn es nicht so gut läuft. Wie siehst du das?

Roger Rönnberg ist nicht nur ein Avantgardist in der Hockeytrainerbranche, er ist auch seit jeher bekannt für seine grossspurigen Aussagen. Legendär: seine Kommentare als Trainer der schwedischen U-20-Nationalmannschaft, in denen er jeweils die Kanadier vor den Duellen gegen Schweden virtuos und vollmundig kleingeredet hat. Seine Art kann durchaus auch als Arroganz empfunden werden. Über Schadenfreude muss sich Roger Rönnberg im Misserfolgsfall sicher nicht beklagen…

Du predigst immer wieder, wie wichtig Konstanz auf der Trainerposition ist. Holden steht in der dritten Saison in Davos und konnte kontinuierlich diese Schritte nach vorn gehen. Ist der Playoff-Final die logische Folge?

Ja, ich denke, Josh Holden leistet sehr gute Arbeit in Davos und auch die Kontinuität und Qualität auf der Sportchefposition sind wichtige Puzzleteile. Der HCD ist auf sehr vielen Positionen extrem stark besetzt, auch die Assistenzcoaches, die Goaliecoaches und der CEO leisten ganze Arbeit. Diese Konstanz auf hohem Niveau trägt irgendwann Früchte, vielleicht schon jetzt in den kommenden Tagen. Auf der anderen Seite bei Fribourg bewundere ich den Mut von Gerd Zehnhäusern: Er hat auch gegen grosse Widerstände den unpopulären Entscheid pro Rönnberg und gegen Dubé durchgesetzt. Nicht zu vergessen die grossen Emotionen, die ein Meistertitel beim Gottéron-Monument Julien Sprunger auslösen würde. Den Titel mag ich darum beiden Organisationen von Herzen gönnen.

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2026-04-17 21:58:43