Die Regular Season ist Geschichte und die Play-Ins haben die letzten beiden Playoff-Teilnehmer ans Licht gebracht. Nun beginnt endlich die ganz heisse Phase der Saison. In den Viertelfinals der National League lastet der Druck oft auf wenigen Schultern. Wir haben für jedes Team den Spieler herausgepickt, der in den kommenden Wochen den Unterschied zwischen Triumph und Tränen ausmachen wird.
Auf dem Papier hat der EVZ alles, was ein ernstzunehmender Titelkandidat benötigt. Doch Theorie gewinnt keine Titel. In der Praxis benötigt Zug einen Leonardo Genoni in absoluter "Olympia-Form". Der Routinier hat schon oft bewiesen, dass er in den Playoffs eine Mauer errichten kann, die psychologisch ganze Gegnerreihen zermürbt. Sollten wir im Duell gegen Davos einen Genoni in Topform sehen, kann er seine Farben ins Halbfinale hexen.
Die Defensive der Lakers steht wie ein Bollwerk, doch in der Offensive fehlte zuletzt oft der entscheidende Punch. Hier kommt Tyler Moy ins Spiel. Er verfügt über die spielerische Eleganz und den Abschluss, um den nötigen "Schub" zu geben. Wenn Moy heissläuft, kann Rapperswil auch die ganz grossen Teams, im Viertelfinale etwa den HC Fribourg-Gottéron, knacken. Der 30-Jährige muss aber sicherlich noch etwas kaltblütiger sein als in der Regular Season, wo ihm "nur" zwölf Tore gelungen sind.
Wenn man über den besten Offensivverteidiger der Liga spricht, fällt zwangsläufig sein Name. Brännströms Fähigkeit, die Scheibe kontrolliert aus dem eigenen Drittel zu tragen, ist elitär. Gegen die physisch starken Genfer wird seine Ruhe an der blauen Linie und seine Übersicht im Powerplay der entscheidende Faktor für den LHC sein. Seine Offensivstärke wird auch durch seine Zahlen in der Regular Season bestätigt, wo er beeindruckende 43 Scorerpunkte einheimsen konnte.
Will Lugano die Lions stürzen, müssen sie dem amtierenden Meister "unter die Haut" gehen. Niemand verkörpert diesen Spielstil besser als Captain Calvin Thürkauf. Er vereint Physis mit defensiver Disziplin und offensiver Kaltschnäuzigkeit. Er ist der Typ Spieler, der in einer Playoff-Serie den gegnerischen Top-Linien den Nerv rauben und vorn die dreckigen Tore erzielen kann. Der 28-Jährige muss eine entscheidende Rolle einnehmen, wenn die Bianconeri ins Halbfinale weiterziehen wollen.
Der amtierende Meister startete träge in die Mission Titelverteidigung - man munkelte bereits über einen "Erfolgs-Blues" in Zürich. Doch wenn die Sirene zu den Playoffs ertönt, schlägt die Stunde der Leader. Sven Andrighetto muss jetzt vorangehen. Findet er seine unwiderstehliche Playoff-Form der letzten Saison, ist der "Zett" aufgrund seiner Tiefe kaum zu stoppen. Er ist der Motor, der das Zürcher Starensemble auf Betriebstemperatur bringen muss. Zusammen mit seinem kongenialen Partner Denis Malgin besitzt Andrighetto die Fähigkeit, wie ein Tornado über die gegnerischen Verteidiger hinwegfegen zu können.
Die Offensive der Grenats ist furchteinflössend, besitzen die Genfer mit Markus Granlund, Jesse Puljujärvi und Sakari Manninen unglaubliche Sturmwucht. Letztlich gewinnt aber die Defensive Meisterschaften, wie es so schön heisst, weswegen besonders Stéphane Charlin im Fokus sein wird. Sein Start in Genf war holprig und er benötigte Zeit, um seinen Rhythmus im Genfer System zu finden. Aber: Seine Formkurve zeigte zuletzt steil nach oben. In den Playoffs ist ein Torhüter in Bestform die halbe Miete. Wenn Charlin die Konstanz hält, die er gegen Ende der Qualifikation zeigte, wird Genf nicht nur für Lausanne zur grossen Knacknuss.
Der Schock in Fribourg sitzt tief: Sandro Schmid, der beste Schweizer Scorer der Drachen, fällt für den Rest der Saison aus. Dieser Ausfall wiegt tonnenschwer. Nun liegt es an Christoph Bertschy, dieses Vakuum zu füllen. Er ist nicht nur als Scorer gefordert, sondern auch als emotionaler Leader, der das Team durch diese schwierige personelle Phase manövrieren muss. In der Regular Season war der schnelle Nati-Spieler der zweitbeste Schweizer Scorer im Team des HCFG und es ist wohl ein Bertschy in Bestform nötig, damit der Traum des ersten Meistertitels der Vereinshistorie auch nach dem Viertelfinale gegen die Lakers weitergelebt werden darf.
In den Bündner Bergen ist er der Mann der Stunde. Stransky hat die Regular Season als Topscorer abgeschlossen, sammelte beeindruckende 53 Scorerpunkte (28 Tore und 25 Assists) aus 46 Partien. Über seinem Spiel schwebt inzwischen eine besondere Note: Sein Abschied Richtung Tschechien nach dieser Saison ist beschlossene Sache. Jeder Check, jeder Schuss wird jetzt doppelt genau beobachtet. Kann er sich mit einem Titel aus Davos verabschieden? Der HCD benötigt seine Tore, am besten bereits im Viertelfinale gegen Zug, mehr denn je.
Calvin Thürkauf Christoph Bertschy Damian Möschinger Eishockey Erik Brännström EV Zug Genève-Servette HC HC Davos HC Fribourg-Gottéron HC Lugano Lausanne HC Leonardo Genoni Matej Stransky National League SC Rapperswil-Jona Lakers Stéphane Charlin Sven Andrighetto Tyler Moy ZSC Lions