Noch selten waren in einer Saison die Trainerstühle so früh schon derart wacklig. Das grosse Beben begann schon Anfang Oktober, zog nachher aber quer durch die Schweiz: Jussi Tapola in Bern, Yorick Treille in Genf und Luca Cereda in Ambri. Ein Blick auf die Form der Teams zeigt: die Arbeit der neuen Übungsleiter trägt Früchte.
Nach dem Knall am 1. Oktober übernahm der bisherige Assistenztrainer Patrick Schöb die Führung der ersten Mannschaft. Im ersten Spiel gegen die ZSC Lions war sofort neuer Schwung zu erkennen, nach nur sechs Minuten führten die Berner bereits mit 2:0. Dass die Mannschaft aber noch immer mit Unsicherheit kämpft, machte sich schon kurz vor der ersten Drittelspause bemerkbar. Ein Doppelschlag innert 33 Sekunden machte die schöne Führung zunichte. Die Zürcher spielten sich anschliessend in einen Rausch, die Berner konnten einzig noch mit dem 3:6 reagieren, verloren schlussendlich mit 3:7.
Mit vier Pleiten in Serie gingen die Mutzen dann am 4. Oktober ins Tatzenderby gegen die SCL Tigers. Schöb reagierte im Vergleich zur Niederlage gegen Zürich und liess den formschwachen Marco Lehmann, der noch immer auf seinen ersten Punkt in dieser Saison wartet, zu Hause. Einige Umstellungen in den Linien und die Leistung war gleich um einiges besser. Im Duell der Bären gegen die Tigers gab es einen 2:1-Erfolg, die Welt sah zumindest für einen Moment wieder fröhlicher aus.

Reagiert wurde in der Führungsetage trotzdem und mit Heinz Ehlers wurde ein neuer Headcoach vorgestellt. Dieser hätte sich seinen Einstand wohl nicht besser vorstellen können, auch wenn der Gegner ehrlicherweise nicht der grosse Gradmesser gewesen ist. Gegen die Belfast Giants schoss sich der SC Bern den Frust von der Seele, 7:0 und die Qualifikation für die Achtelfinals der Lohn dafür.
Es folgte das erste Spiel mit Ehlers in der National League und der Gegner war kein Geringerer als der EV Zug, vor der Saison von vielen als Mit-, wenn nicht sogar Top-Favorit auf den Titel gehandelt. Mit Sandro Zurkirchen im Tor lief dann alles nach Plan. Benjamin Baumgartner traf per Doppelschlag im zweiten Drittel, konnte Sekunden vor Schluss per Empty Netter gar noch sein drittes Tor zum 3:0-Schlussresultat erzielen. Am Tag darauf gab es im Bündnerland zwar die erste Niederlage unter Ehlers, gegen die Davoser in der aktuellen Form ist allerdings eine Niederlage kein Grund zur weiteren Sorge.
Wie geht es nun weiter? Als einziges Schweizer Team kann der SCB die letzte Runde der Ligaphase der Champions Hockey League gemütlich angehen, ist nicht zu einem Sieg verpflichtet, da die Achtelfinal-Qualifikation bereits fix ist. Am Wochenende warten dann die Romands. Zuerst ist am Freitagabend der Lausanne HC zu Besuch, am Samstag geht die Reise zum Genève-Servette HC. Gegen Lausanne, das zuletzt vier NL-Spiele in Folge verloren hat, ist durchaus etwas möglich, die Genfer ihrerseits haben selbst noch einiges gutzumachen, sind sicherlich zusätzlich motiviert.
Mehr zur Situation beim SCB
Einige Tage nach Jussi Tapola erwischte es auch Yorick Treille in der Westschweiz. Ihm wurde das 0:8 gegen den EHC Biel-Bienne zum Verhängnis, es war bereits die zweite Kanterniederlage der Saison. Dass die Calvinstädter in der Tabelle trotz der meisten Gegentore in der Tabelle noch akzeptabel klassiert waren, liegt einzig und allein an der Qualität der Spieler, nicht aber an der Führung des Franzosen. Es schien, als wäre Treille von Beginn weg überfordert gewesen mit der starken Mannschaft.
Übernommen hat kurzfristig Ville Peltonen, der zuvor als Assistenztrainer von Treille amtete. Wie bei Bern war auch für den GSHC der EV Zug der erste Gegner. Die Aigles brauchten einen Moment, um ihr Spiel zu finden, konnten dann aber im zweiten Drittel entscheidend mit 2:0 in Führung gehen. Das 3:0 kurz nach der zweiten Drittelspause war dann die endgültige Entscheidung. Die Zuger schöpften zwar durch das 1:3 zehn Minuten vor Schluss noch einmal Hoffnung, Tim Bozon machte diese allerdings mit dem 4:1 nur vier Minuten später wieder zunichte.
Mehr zum Genève-Servette HC
Dass sich in Genf in nur wenigen Tagen einiges ändern kann, zeigte dann die Partie vom Sonntag im Leman-Derby. Zweimal ging das Team von Ville Peltonen in Führung, zweimal glich Theo Rochette die Partie aus und brachte Lausanne mit seinem dritten Treffer kurz vor Spielhälfte in Führung. Noch vor zwei Wochen wäre der GSHC nach dem dritten Gegentor wohl zerbrochen, doch nicht so an diesem Sonntag. Das Spiel konnte erneut gedreht werden und weil der 17-jährige Simas Ignatavicius mit seinem ersten NL-Treffer das Game-Winning-Goal erzielen konnte, macht den Sieg noch etwas süsser.
Wie geht es nun weiter? Vorläufig mit Peltonen an der Bande. Am Montag präsentierte Servette zwar einen neuen Trainer, der Schwede Sam Hallam wird allerdings erst ab nächster Saison das Zepter übernehmen. So reist die Mannschaft mit Ville Peltonen am Freitag zum HC Fribourg-Gottéron, am Samstag steht dann wie oben schon angekündigt das Heimspiel gegen den SC Bern an. Beide Spiele werden nicht einfach, obwohl die Saanestädter zuletzt etwas verunsichert wirkten.
Es war der Trainerwechsel, der mit Abstand am meisten diskutiert wurde. Nachdem Präsident Filippo Lombardi ein Geheimtreffen mit Christian Dubé organisiert hat, wurde die Reissleine gezogen. Sportchef Paolo Duca und Luca Cereda traten nach dem "Verrat" zurück, Lombardi hat seinen Fehler eingesehen und sein Amt seinerseits ebenfalls zur Verfügung gestellt. Die Aktion schlug hohe Wellen in der Leventina, die Donatoren drehen sogar den Geldhahn zu.
Übernommen hat den Trainerposten interimistisch René Matte, auch er war zuvor Assistenztrainer. Ein Urteil über die Wirkung des Trainerwechsels zu fällen, fiel nach dem ersten Spiel am Freitag noch schwierig aus. Gegen Schlusslicht Ajoie hatten die Leventiner lange Mühe, hatten über das Spiel gesehen weniger Schüsse, konnten aber dank eines starken Mitteldrittels mit zwei Toren doch noch die drei Punkte zu Hause behalten.

Von einer Wirkung war dann im Spiel gegen die ZSC Lions zuerst gar nichts zu sehen. Ambri wurde im ersten Drittel teilweise an die Wand gespielt, 8 zu 15 Schüsse standen am Schluss in der Statistik, das Spiel war mit 1:1 allerdings weiterhin ausgeglichen. Im zweiten Drittel reagierte das Team von Matte, hatte seinerseits ein klares Übergewicht an Schüssen, konnte den Führungstreffer allerdings nicht erzielen. Im dritten Drittel erlöste dann Lukas Landry seine Mannschaft und bescherte Matte einen perfekten Einstand als Ambri-Trainer.
Wie geht es nun weiter? Beim HC Ambri-Piotta geht man zurzeit behutsam mit der Kommunikation nach aussen um, ein neuer Trainer wurde bisher nicht vorgestellt. So ist davon auszugehen, dass Matte auch am Freitag gegen die SCL Tigers und am Samstag gegen den EHC Kloten an der Bande stehen wird. Es werden zwei Spiele von enormer Bedeutung werden, gegen Teams, die zuletzt zwei Gesichter gezeigt haben. Die Tigers zeigen abwechslungsweise starke Leistungen, die Flughafenstädter sind immer nah dran, konnten aber auch dreimal in Folge nicht gewinnen.
So kam es in der Leventina zum Knall
Dominic Hodel Eishockey Genève-Servette HC HC Ambri-Piotta Heinz Ehlers Jussi Tapola Luca Cereda National League René Matte SC Bern Ville Peltonen Yorick Treille