Trainerentlassungen gehören in der National League zum Business, wie in jeder anderen Eishockeyliga auch. In der letzten Saison wurden insgesamt fünf Trainer freigestellt. Aber wie fest sitzen die aktuellen Coaches im Sattel? Diese Frage haben wir uns ebenfalls gestellt und versucht abzuschätzen, wie hoch die jeweiligen Entlassungswahrscheinlichkeiten sind.
Hinweis zu den Porzenten: In unseren Thesen zur neuen National-League-Saison gehen wir "nur" von drei Trainerentlassungen aus. Zusammengezählt kommen im nachfolgenden Artikel 300 Prozentpunkte an Entlassungswahrscheinlichkeit zusammen. So gehen wir exakt pro 100 Prozent Wahrscheinlichkeit von einer Trainerentlassung aus.
Die tiefste Entlassungswahrscheinlichkeit hat wenig überraschend Luca Cereda. Der 44-Jährige steht seit 2017 bei den Leventinern hinter der Bande und hat das Team bereits in die Champions Hockey League geführt. Das Vertrauen in seine Fähigkeiten ist bei den Biancoblù riesig und es müsste schon sehr viel passieren, damit eine Entlassung überhaupt erst infrage käme. Eine Baisse alleine reicht da nicht aus. Das zeigten in der Vergangenheit die Situationen von Kevin Schläpfer beim EHC Biel oder Arno Del Curto beim HC Davos.
Im Sommer 2022 stiess Thierry Paterlini als Headcoach zu den SCL Tigers. Seither hat sich das Team unter ihm hervorragend entwickelt. In der letzten Saison forderten die Emmentaler im Playoff-Viertelfinal den Lausanne HC über sieben Spiele. Entsprechend fest sitzt der 50-Jährige bei den Tigers im Sattel. Mit dem neuen Trainingszentrum, inklusive zweitem Eisfeld, verfügt das Team von Paterlini nun auch über eine herausragende infrastrukturielle Basis. Die Abgänge von Vili Saarijärvi, Stéphane Charlin und Aleksi Saarela schmerzen, aber im Emmental wird man die Geduld wahren und keine voreiligen Schlüsse ziehen.
In seine dritte Saison als Headcoach des HC Davos geht Josh Holden. Der ehemalige Bad-Boy der National League hat sich bei den Bündnern etabliert und das Team in den letzten beiden Spielzeiten weiterentwickelt. Im Hinblick auf die kommende Saison gibt es kaum Veränderungen und damit optimale Bedingungen, den nächsten Schritt nach vorne zu machen. Holden sitzt in Davos fest im Sattel.
Was für eine Saison die ZSC Lions hinter sich haben: Zuerst der Gewinn der Champions Hockey League und dann die Titelverteidigung in der National League. Marco Bayer stand bei beiden Titeln an der Bande. Er übernahm kurz vor dem Jahreswechsel den Job von Marc Crawford, der krankheitsbedingt zurücktreten musste. Die sportliche Leitung um Sven Leuenberger liess sich nach dem wiederholten Gewinn der Meisterschaft dennoch neun Tage Zeit, bis der Vertrag von Bayer verlängert wurde. Der 52-Jährige steht also vor der schwierigen Saison der Bestätigung und in Zürich ist der Druck bekanntlich immer gross. Aber Bayer dürfte auch einiges an Vertrauen geniessen.
Die Flughafenstädter waren in der letzten Saison das Überraschungsteam der Liga. Das Erreichen des Playoff-Viertelfinals war überzeugend, genauso, wie konsequent die Doping-Geschichte um Miro Aaltonen abgehakt wurde. Lauri Marjamäki hat sicherlich einen grossen Anteil an den Erfolgen. Er hat es geschafft, das Beste aus der Mannschaft herauszuholen und die jungen Spieler, die in Kloten eine wichtige Rolle spielen, zu entwickeln. Kürzlich wurde zudem sein Vertrag um ein Jahr bis Ende Saison 2026/27 verlängert. Es stellt sich einzig die Frage, wie viel Geduld vorhanden sein wird, wenn es nicht laufen sollte? Die Saison der Bestätigung ist bekanntlich die schwierigste.
Bei den Seeländern fing mit der Ankunft von Trainer Martin Filander der grosse Umbruch an. Auf die letzte Saison hin verliessen zahlreiche Schweizer Teamstützen den Verein. Verjüngung war angesagt und am Ende schaute der elfte Rang heraus. Auf die neue Spielzeit hin folgte nun der Umbruch bei den Importspielern. Oskari Laaksonen, Linus Hultström und Marcus Sylvegård sind neu zum Team gestossen. Diese Verpflichtungen erhöhen auch die Erwartungen, aber in Biel ist man generell sehr geduldig, was Trainerentlassungen anbelangt. Das konnte zuletzt in der Saison 2023/24 bei Petri Matikainen beobachtet werden. Zudem wurde der Vertrag von Filander kürzlich um ein Jahr bis Ende Saison 2026/27 verlängert. Der Schweden geniesst also grosses Vertrauen.
Eine neue Situation entstand in Zug während der letzten Saison. Michael Liniger übernahm die Position von Dan Tangnes. Diese Position an der Bande hat der Schweizer weiterhin inne und soll den EVZ zurück an die Spitze führen. Die entsprechenden Transfers wurden getätigt: Mit Dominik Kubalik und Tomas Tatar stiessen zwei absolute Top-Imports zu den Zentralschweizern. Das erhöht den Leistungsdruck auf Michael Liniger, der ohnehin die grossen Fussstapfen von Tangnes zu füllen hat. Hält der Schweizer dem Druck stand?
Bei den Waadtländern haben wir uns für eine verhältnismässig hohe Entlassungswahrscheinlichkeit von Coach Geoff Ward entschieden. Der Lausanne HC kann auf zwei absolute Top-Saisons zurückblicken. Zweimal scheiterte das Team im Playoff-Final nur knapp an den ZSC Lions. Die Erwartungen sind durch tolle Import-Transfers nicht kleiner geworden, dafür hat aber die Defensive an Qualität verloren, gerade was die Spieler mit Schweizer Lizenz betrifft. Fällt Lausanne also in eine Baisse, die Ward den Job kosten wird? Die Wahrscheinlichkeit ist unserer Meinung nach höher, als man aufs Erste denken dürfte.
Kommen wir zu den SCRJ Lakers und Johan Lundskog. Der Schwede startete als Assistenztrainer bei den St.Gallern in die letzte Saison. Im Dezember wurde er zum Headcoach befördert und führte die Rosenstädter dank eines starken Schlussspurts in die Play-Ins. Der Anfang ist dem 40-Jährigen also geglückt. Dennoch ist Lundskog ein eher unerfahrener Headcoach und mit Claudio Cadonau ist nun ein neuer Sportchef am Obersee. Das muss nichts heissen, kann aber ein Faktor sein, der schon in diversen Fällen zum Vertrauensbruch geführt hatte. Schliesslich hat Cadonau Lundskog nicht selbst eingestellt. Zudem möchte der Schwede mit den Lakers sicher einen Schritt vorwärtsmachen, was in dieser ausgeglichenen Liga ein schwieriges Unterfangen darstellt.
In der Saanestadt geht man mit einem neuen Coach in die Saison 2025/26. Roger Rönnberg stand in den letzten zwölf Saisons in Frölunda hinter der Bande und führte das Team zu vier Champions-Hockey-League-Triumphen und zwei Meistertiteln in Schweden. Er bringt also viel Erfahrung und Erwartungen mit nach Fribourg. Diese Erwartungen hat er in einem Interview mit dem Slapshot-Magazin bereits klar dargelegt: "Ich jedenfalls werde nicht gehen, bevor wir ein paar Titel geholt haben, sofern mich der Verein nicht vorher hinauswirft." Er würde auch nie zu einem Verein wechseln, der nicht ambitioniert ist, sagte der Schwede. Holt er mit Fribourg den ersten Meistertitel der Klubgeschichte, wird Rönnberg zum grossen Helden avancieren, läuft es aber nicht nach Wunsch, könnten ihm die Aussagen schon bald um die Ohren fliegen.
Beim HC Lugano hat sich im Hinblick auf die neue Saison so einiges verändert. Diverse neue Importspieler sind zum Team gestossen, mit Janick Steinmann haben die Bianconeri einen neuen Sportchef und Tomas Mitell ist der neue starke Mann hinter der Bande. Ein weiterer schwedischer Coach, der bereits grosse Erfolge feiern konnte. 2022 gewann er mit Färjestad die schwedische Meisterschaft und zwei Jahre später wurde er zum Trainer des Jahres gewählt. Er ist zudem ehemaliger Assistenztrainer der Chicago Blackhawks und bringt viel Erfahrung mit. Der HC Lugano hat sich mit dem 44-Jährigen also einen Top-Coach gesichert und Steinmann gilt aus seiner Zeit bei den Lakers als geduldiger Sportchef. Jetzt ist er allerdings in Lugano und im Südtessin gehörte das Chaos in den letzten Saisons zum Alltag. Kehrt endlich Ruhe und Erfolg ein oder geht das Chaos weiter?
Seit 2023 steht Jussi Tapola beim SC Bern hinter der Bande. In der letzten Saison führte der Finne die Mutzen auf den dritten Rang der Regular Season und sorgte damit für die Qualifikation zur Champions Hockey League. Nach der Niederlage im siebten Spiel des Playoff-Viertelfinals konnte man in Bern nach der letzten Saison dennoch nicht vollends glücklich sein. Dazu sorgte der späte Abgang von Dominik Kahun für Verwunderung, der das Heu mit Tapola offenbar nicht auf derselben Bühne hatte. Mit Diego Piceci haben die Berner einen neuen Sportchef, womit wir wieder beim Argument sind, dass Tapola nicht von ihm unter Vertrag genommen wurde. Zudem ist in Bern der Erfolgsdruck immer ein Stück grösser, was Tapola, dem bislang jeder Wunsch erfüllt worden ist, zum Verhängnis werden könnte.
Eine spezielle Situation herrscht in der Calvinstadt. Der Genève-Servette HC feierte 2023 und 2024 die grössten Erfolge der Klubgeschichte. Unter Jan Cadieux holten die Grenats erst den Meistertitel und triumphierten dann in der Champions Hockey League. Die letzten beiden Saisons liefen in der National League aber nicht nach Wunsch und Cadieux musste seinen Posten räumen. Er wurde durch den noch unerfahrenen Yorick Treille ersetzt. Der Franzose verhinderte in der letzten Saison nur knapp den Gang in die Playouts und muss jetzt mit seinem Team angreifen. Der GSHC hat aufgestockt, der Kader macht einen sehr guten Eindruck und jetzt muss geliefert werden. Klappt das nicht, dürfte sich Treille nicht lange auf seinem Sessel halten.
Im Jura kämpft man seit dem Aufstieg erfolglos um den Anschluss in der Liga. 48 Punkte aus der zweiten Saison sind der Höchstwert. Greg Ireland führt die Ajoulots hinter der Bande an und ersetzte während der letzten Spielzeit Christian Wohlwend. Dabei konnte der Kanadier zumindest das Powerplay klar verbessern. Wohlwend ist der einzige Coach der Jurassier, der mehr als eine komplette Saison in seinem Sessel sass. Das ist in vier Spielzeiten kaum eine ruhmreiche Bilanz. Verliert Ajoie unter Ireland ebenfalls schnell den Anschluss, muss er sich wohl bald auf Jobsuche begeben.
EHC Biel-Bienne EHC Kloten Eishockey EV Zug Genève-Servette HC Geoff Ward Greg Ireland HC Ajoie HC Ambri-Piotta HC Davos HC Fribourg-Gottéron HC Lugano Johan Lundskog Josh Holden Jussi Tapola Lauri Marjamäki Lausanne HC Luca Cereda Maic Frieden Marco Bayer Martin Filander Michael Liniger National League Roger Rönnberg SC Bern SC Rapperswil-Jona Lakers SCL Tigers Thierry Paterlini Tomas Mitell Yorick Treille ZSC Lions