Die neue National League Saison steht vor der Tür. Nach einem Transfer-Sommer voller Bewegung haben sich die Rollen in vielen Teams verschoben. Wir haben uns angeschaut, welche Spieler bei den einzelnen NL Klubs die Topscorer werden könnten, von etablierten Stars über neue Gesichter bis hin zu Schweizer Talenten, die in dieser Saison für Tore und Punkte sorgen könnten.
Beim Lausanne HC wird sich die Topscorer-Frage wohl zwischen Erik Brännström und Austin Czarnik entscheiden. Brännström hat in den ersten CHL-Partien bereits seine Klasse aufblitzen lassen, jung, spritzig und technisch auf höchstem Niveau. Aber: Zehn NL-Spiele vor fünf Jahren sind halt kein wirklicher Erfahrungswert. Czarnik hingegen kennt die Liga, kennt die Stadien, kennt die Gegner. Schon in seiner ersten Saison hat er bewiesen, dass er mit seiner Spielübersicht und Konstanz eine absolute Stütze ist.
Während Brännström noch beweisen muss, dass er über eine ganze Saison auf diesem Level liefern kann, dürfte Czarnik die verlässlichere Scoring-Maschine sein. Er fühlt sich in Lausanne sichtlich wohl, ist eingespielt und wird in der National League wieder regelmässig abliefern. Vieles spricht dafür, dass Czarnik in der Meisterschaft die Nase vorn haben und die Topscorerkrone beim LHC holen wird. Auch wenn die CHL-Zwischenstände momentan etwas anderes zeigen.
Bei den Lakers blieb in der Offensive alles beim Alten und genau das macht die Topscorer-Frage spannend. Im Fokus stehen erneut Malte Strömwall und Tyler Moy. Strömwall schnappte sich letzte Saison die Krone, vier Punkte vor Moy. Doch der Nati-Stürmer ist längst nicht abgeschrieben, im Gegenteil. Moy ist seit Jahren ein fester Bestandteil der Lakers und hat vergangene Saison vor allem in der zweiten Saisonhälfte einen grossen Schritt nach vorne gemacht. Seine starken Auftritte an der WM in Kopenhagen, zwölf Punkte in zehn Spielen, haben zusätzlich gezeigt, dass er auch auf die kommende Saison nochmals einen Zahn zulegen wird.
Der 30-Jährige ist in Topform, hat seit seinem Wechsel an den Obersee kein einziges Spiel verpasst und wirkt fitter denn je. Strömwall mag der spektakulärere Scorer sein, aber Moy ist der Dauerläufer, der Spiel für Spiel liefert. Gut möglich, dass er in dieser Saison den Spiess umdreht und sich erstmals die interne Topscorer-Krone schnappt.

Bei den Zentralschweizern ist die Offensive ein echtes Luxusproblem, fast jeder Angreifer könnte sich den gelben Helm schnappen. Mit Tomas Tatar hat der EVZ einen prominenten Neuzugang an Land gezogen, doch die beste Ausgangslage hat ganz klar Dominik Kubalik. Der Tscheche kennt die Liga bereits aus, fühlt sich in Zug pudelwohl und hat in seinen bisherigen beiden NL-Saisons konstant über 50 Punkte geliefert, eine Marke, die in dieser Liga nur wenige knacken. Dazu kommt: Kubalik ist extrem zuverlässig, verpasst praktisch keine Spiele und ist sowohl im Powerplay als auch bei Fünf-gegen-Fünf brandgefährlich. Auch in der CHL hat er sofort wieder abgeliefert: Nach zwei Spielen steht er bereits bei einem Tor und zwei Assists.
Bei den Meistern aus Zürich ist die Auswahl an potenziellen Topscorern fast schon absurd. Ob die Schweizer Stars Denis Malgin und Sven Andrighetto oder die Importkräfte Jesper Fröden und Derek Grant – jeder könnte sich den gelben Helm sichern. Doch vieles deutet auf Andrighetto hin. Der 32-Jährige ist seit seiner Rückkehr in Zürich wie entfesselt. In den Playoffs war er kaum zu bremsen und glänzte mit 22 Scorerpunkten. Auch an der WM untermauerte er seine Klasse mit sieben Toren und einem Assist. Dass er seine Form mit in die neue Saison nimmt, zeigt die CHL: Nach zwei Spielen stehen bereits drei Punkte auf dem Konto.
Malgin wird ihm mit Sicherheit im Nacken sitzen, aber Andrighetto wirkt aktuell wie der Mann für die grossen Momente. Wenn er dieses Niveau über die gesamte Saison halten kann, führt am Zürcher Publikumsliebling im Kampf um den gelben Helm kaum ein Weg vorbei.
Beim HCD kristallisieren sich drei klare Kandidaten für den gelben Helm heraus: Adam Tambellini, Matej Stransky und Filip Zadina. Vergangene Saison war es Tambellini, der am Ende ganz oben stand und alles spricht dafür, dass er diesen Titel verteidigen wird. Der Kanadier hat in seiner ersten NL-Saison gleich voll eingeschlagen und bewiesen, dass er sowohl in der Quali als auch in den Playoffs liefert. Dort netzte er siebenmal ein und war einer der offensiven Schlüsselspieler der Bündner. Auch in der Vorbereitung zeigt sich der 29-Jährige treffsicher: Drei Tore in den bisherigen Tests unterstreichen, dass seine Form stimmt.
Stransky bleibt zwar ein starker Herausforderer und ist seinem Teamkollegen dicht auf den Fersen, doch Tambellini wirkt aktuell wie der komplettere Spieler. Wenn er an seine Premierensaison anknüpft, dürfte er auch 25/26 der Mann mit dem gelben Helm in Davos sein.
Auch bei Gottéron wimmelt es nur so von Offensivtalenten, die den gelben Helm ins Visier nehmen. Letzte Saison war es Lucas Wallmark, der sich die Krone schnappte. Doch diesmal spricht vieles für Marcus Sörensen. Der 32-jährige Schwede verpasste in der Regular Season zwar sieben Spiele, sammelte aber dennoch 43 Punkte, nur zwei weniger als Wallmark. In den Playoffs drehte er dann richtig auf und glänzte mit 14 Punkten in ebenso vielen Partien.
Mit Henrik Borgström stösst zwar ein neuer Konkurrent dazu, der in der SHL als Torjäger bekannt war. Doch alles deutet darauf hin, dass Sörensen in der kommenden Saison die konstante Go-to-Waffe im Fribourg-Angriff bleibt.
Beim SCB hat sich mit dem Abgang von Austin Czarnik die Ausgangslage verändert. Der Finne Waltteri Merelä, letzte Saison bereits dichtester Verfolger von Czarnik, rückt nun automatisch in die Favoritenrolle. In seiner ersten NL-Saison sammelte Merelä satte 51 Punkte und war damit der zweitbeste Scorer der Mutzen. Neuzugang Emil Bemström dürfte mit dem Finnen sicherlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen führen. Bemström wird aber den Saisonstart verpassen, da er sich noch von einer Verletzung erholt. Miro Aaltonen darf man ebenfalls nicht ganz vergessen.
Merelä ist in der CHL zudem bereits stark gestartet: Zwei Tore aus den ersten beiden Spielen zeigen, dass der 26-Jährige sofort bereit ist. Für die Berner ist er aktuell die verlässlichste Waffe und wird daher mit grosser Wahrscheinlichkeit den gelben Helm bei den Mutzen tragen.
Beim EHC Kloten fehlte letzte Saison ein klarer Topscorer, dazu haben die Flughafenstädter ihre besten Punktesammler verloren. Dadurch öffnet sich die Tür für neue Gesichter – allen voran Neuzugang Petteri Puhakka.
Der 24-jährige Finne hat in der Vorbereitung mit drei Toren bereits sein Potenzial angedeutet. Jung, dynamisch und mit viel Zug zum Tor könnte er sich schnell zum Go-to-Spieler im Angriff entwickeln. Doch er wird die Krone nicht kampflos erhalten. Mischa Ramel hat vergangene Saison grosse Fortschritte gemacht und scheint bereit für den nächsten Schritt. Zudem bringt mit Robert Leino ein weiterer finnischer Neuzugang reichlich Klasse und Erfahrung mit. Nicht zu vergessen ist zudem Max Lindroth, der in der letzten Saison in Finnland als Offensivverteidiger über 50 Scorerpunkte sammelte. Kloten hat also mehrere Optionen, doch die Ausgangslage spricht dafür, dass Puhakka gute Chancen hat, sich in seiner ersten NL-Saison gleich ins Rampenlicht zu spielen.
Letzte Saison sorgte Dario Rohrbach bei den Tigers für eine kleine Überraschung und sicherte sich mit 32 Punkten die interne Topscorer-Krone. Das zeigt zweierlei: Zum einen waren die Scorerpunkte im Team breit verteilt, zum anderen fehlte es den Langnauern insgesamt an offensiver Durchschlagskraft.
Mit Hannes Björninen hat der Club nun einen spannenden Neuzugang aus der SHL geholt, der genau in diese Lücke stossen könnte. Der 29-jährige Finne bringt internationale Erfahrung mit, verpasste in Schweden kaum ein Spiel und hat in den Testpartien mit vier Treffern bereits angedeutet, dass er für Tore sorgen kann. Ganz allein wird er die Rolle aber nicht beanspruchen können, Landsmann Harri Pesonen bleibt eine ernsthafte Konkurrenz. Für die Tigers dürfte es damit ein Zweikampf zwischen Björninen und Pesonen geben, wer am Ende den gelben Helm trägt.
Mit dem Abgang von Dominik Kubalik hat sich bei Ambri-Piotta die Ausgangslage in der Offensive deutlich verändert. Chris DiDomenico könnte nun die Rolle des Topscorers übernehmen. Letzte Saison war er bereits auf gutem Kurs, verpasste aber durch den Saisonstart bei Gottéron eine volle NL-Saison. Der Kanadier bringt Erfahrung aus elf NL-Spielzeiten mit und zeigte schon früh, dass er die Klasse für die Liga hat. Der Wechsel in die Leventina tat ihm sichtlich gut: Gleich 45 Punkte konnte er in seiner ersten Saison für Ambri sammeln.
Doch Konkurrenz gibt es: Chris Tierney und Manix Landry haben ihre Qualität bereits in den Testspielen angedeutet. Dennoch spricht vieles dafür, dass DiDomenico seine Rolle als Tormaschine auch in dieser Saison weiter ausbauen wird.
Letzte Saison hatte Biel keinen dominanten Offensivspieler, dennoch setzte sich Toni Rajala mit 36 Punkten als bester Scorer durch. Sein Landsmann Jere Sallinen war ihm dicht auf den Fersen, musste aber einige Spiele pausieren und kam am Ende auf 23 Punkte. Der 34-jährige Rajala startete auch in die Testspiele vielversprechend: Dreimal netzte er bereits ein. Die Konstanz spricht für ihn, denn vergangene Saison war zwar nicht seine stärkste, trotzdem blieb er über weite Strecken fit und verpasste kaum Partien. Es deutet vieles darauf hin, dass Rajala erneut die zentrale Rolle im Angriff übernehmen und die meisten Scorerpunkte sammeln könnte.

Trotz einiger Abgänge verfügt Genève-Servette weiterhin über eine starke Offensive. Das Rennen um den gelben Helm könnte zwischen den beiden Finnen Markus Granlund, Jesse Puljujärvi und Jimmy Vesey entschieden werden. Granlund hat den Vorteil der Erfahrung: Mehrere Jahre in der National League, konstante Leistungen und vergangene Saison 47 Punkte in 39 Spielen. Die Hauptfrage bleibt seine Verletzungsanfälligkeit, sollte er fit bleiben, ist er ein klarer Anwärter auf die Scorerkrone. Puljujärvi und Vesey haben allerdings ebenfalls in den Testspielen ihre Klasse gezeigt, weshalb das Duell offen bleibt. Granlund dürfte aber aufgrund seiner Erfahrung und Konstanz die besten Chancen haben, sich in der Offensive der Calvinstädter durchzusetzen.
Mit den zahlreichen Neuzugängen verfügt Lugano weiterhin über eine starke Offensive. Mike Sgarbossa und Brendan Perlini haben in den Testspielen bereits auf sich aufmerksam gemacht, doch auch die etablierten Kräfte im Kader bleiben wichtige Anker. Luca Fazzini mag spielerisch nicht ganz an die Top-Importe heranreichen, doch seine langjährige Erfahrung im Team und seine Verletzungsresistenz verschaffen ihm Vorteile. Der 30-Jährige hat sich in den letzten Jahren konstant gesteigert und kennt die Abläufe in Lugano wie kaum ein anderer. Sicher ist, dass beim HCL die Rolle als Goalgetter nicht auf nur einen Spieler beschränkt sein wird. Dennoch könnte Fazzinis Erfahrung ihm helfen, sich unter den offensiven Leistungsträgern hervorzutun und zu den zentralen Scoring-Kräften zu zählen.
Beim HC Ajoie läuft das Rennen um den Topscorer-Helm vor allem zwischen zwei Finnen: Julius Nättinen und Jerry Turkulainen. Nättinen war letzte Saison bereits der interne Topscorer und startet auch in dieser Saison voll durch: In den Testspielen traf der 28-Jährige bereits zweimal. Turkulainen war vergangene Saison zwar knapp dahinter, musste aber nach 30 Spielen die Saison vorzeitig beenden. Rein statistisch hatte er bis dahin 38 Punkte auf dem Konto. Beim Saisonauftakt plant er es etwas ruhiger an, wie er selbst in einem Interview erklärte. Somit scheint Nättinen aktuell die konstantere Option zu sein, doch Turkulainen bleibt ein ernstzunehmender Konkurrent im Kampf um die Scorerkrone bei Ajoie.
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