Genève-Servette hat nach dem Abgang von Sami Vatanen und der Suche nach Stabilität in der Defensive einen echten Coup gelandet: Mit Jan Rutta wechselt ein zweifacher Stanley-Cup-Sieger an den Genfersee. Nach acht Jahren und über 400 Spielen in der besten Liga der Welt wagt der 35-Jährige den Schritt in die National League. Zeit, den NHL-Routinier mit Sieger-Gen genauer unter die Lupe zu nehmen.
Jan Rutta spielte schon früh über seiner Altersklasse. Mit 15 Jahren lief er für die U18 des HC Plzeň auf, mit 17 folgte das Debüt in der U20. Dort spielte er unter anderem an der Seite von Jan Kovář, der später beim EV Zug zu einer echten Tormaschine reifte. Während Kovář die Juniorenliga mit 79 Punkten dominierte, blieb Rutta noch im Hintergrund, sammelte aber in seiner zweiten Saison bei Plzeň solide 27 Scorerpunkte.
2008 wechselte der Verteidiger zu KLH Chomutov. In der U20 überzeugte er sofort und verbuchte in 41 Spielen 26 Punkte. Gegen Ende der Saison erhielt er erste Einsätze im Herrenteam und sammelte zusätzlich Spielpraxis auf Leihbasis beim SK Kadaň in der 1. Liga sowie beim IHC Písek in seiner Heimatstadt. Auch international durfte er erstmals für die tschechische U20 auflaufen.
Der nächste Karriereschritt folgte 2011/12: Rutta etablierte sich bei den inzwischen in Piráti Chomutov umbenannten Club in der ersten Mannschaft und stieg mit dem Team in die Extraliga auf. Doch der Verteidiger brauchte Geduld, zwei Jahre lang pendelte er weiterhin zwischen Einsätzen in der höchsten Liga und Leihstationen.
Nach dem Abstieg 2014 gelang mit den Piráti der direkte Wiederaufstieg, und spätestens in der Saison 2016/17 war Rutta endgültig angekommen: Mit 32 Punkten aus 46 Spielen spielte er die beste Saison seiner Karriere und führte sein Team bis ins Playoff-Halbfinale. Dort bewies er mit 13 Punkten in 17 Partien, dass er auch auf höchstem Niveau ein Leistungsträger sein kann.
Krönung dieser Spielzeit war sein Debüt im tschechischen Nationalteam bei der Weltmeisterschaft 2017, wo er in acht Spielen sogar sein erstes WM-Tor erzielte. Die Saison 2016/17 markierte den endgültigen Durchbruch.

Seine Leistungen blieben auch in Übersee nicht unbemerkt: Im Sommer 2017 unterschrieb Rutta als Free Agent bei den Chicago Blackhawks und feierte im Oktober desselben Jahres sein NHL-Debüt.
Jan Rutta war eine kleine Ausnahmeerscheinung. In der tschechischen Extraliga hatte er lange gebraucht, um sich zu etablieren, doch in Nordamerika schlug er sofort ein. In seiner ersten Saison bei den Chicago Blackhawks stand der Verteidiger gleich 57 Mal auf dem Eis und verbuchte starke 20 Scorerpunkte. Damit war er auf Anhieb drittbester Verteidiger-Scorer im Team. Und das in einem Kader, der mit Namen wie Patrick Kane, Alex DeBrincat und Duncan Keith mehr als prominent besetzt war.

Die zweite Saison verlief jedoch schwieriger. Rutta konnte seine starken Leistungen nicht bestätigen und wurde zwischenzeitlich ins Team nach Rockford in die AHL geschickt. Nach nur acht Spielen dort ergab sich jedoch die nächste Chance: Ein Trade brachte ihn zu den Tampa Bay Lightning. Für die Bolts kam er in der Regular Season 18 Mal zum Einsatz und sammelte vier Punkte, ehe er den Rest des Jahres in der AHL bei den Syracuse Crunch verbrachte.
Zum Saisonende durfte er erneut das Nationaltrikot überstreifen. An der Weltmeisterschaft 2019 absolvierte Rutta zehn Partien für Tschechien, erzielte ein Tor und steuerte zwei Assists bei. Damit unterstrich er einmal mehr, dass er auch auf internationalem Eis seine Qualitäten einbringen konnte.
Seine Zeit bei den Tampa Bay Lightning war die erfolgreichste seiner Karriere – weniger wegen der persönlichen Statistik, sondern wegen der Titel. In der Saison 2020/21 kam Jan Rutta in der Regular Season auf 35 Einsätze, doch in den Playoffs war er gesetzt: Der Tscheche stand in allen Partien auf dem Eis, erzielte dabei zwei Tore und krönte sich mit dem Stanley Cup. Es ist ein Erfolg, von dem selbst viele Stars nur träumen können.
Ab der darauffolgenden Spielzeit war Rutta endgültig Stammspieler im hochkarätig besetzten Kader der Bolts. In der Regular Season verpasste er lediglich sechs Spiele, sammelte 18 Scorerpunkte und war auch in den Playoffs eine feste Grösse. Am Ende stemmte er den Stanley Cup ein zweites Mal in Folge, ein Meilenstein, den nur wenige Profis in ihrer Laufbahn erreichen.
Nach seinen Titeljahren in Tampa folgten Stationen bei den Pittsburgh Penguins und zuletzt bei den San Jose Sharks. Auch dort kam Rutta regelmässig zum Einsatz, doch die grossen Erfolge blieben aus.

Auf Genève-Servette wartet ein NHL-Routinier, der den Stanley Cup gleich zweimal gewann und bereits Seite an Seite mit den grössten Stars der Liga spielte.
In der vergangenen Saison stand Jan Rutta 54-mal für die San Jose Sharks auf dem Eis und verbuchte dabei drei Tore und sechs Assists. Nach acht Jahren in der NHL zieht es den zweifachen Stanley-Cup-Sieger nun zu den Grenats, wo er auf Titeljagd gehen will. Insgesamt absolvierte der Tscheche 434 Spiele in der besten Liga der Welt und teilte sich das Eis mit Superstars wie Patrick Kane, Nikita Kucherov oder Steven Stamkos. Mit 35 Jahren bringt Rutta enorme Erfahrung mit – und soll in Genf nicht nur die Defensive stabilisieren, sondern auch als Leader sein Sieger-Gen ins Team tragen.
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