Die National League befindet sich in der langen Sommerpause. Es bleibt damit viel Zeit, um auf die nächste Saison vorauszuschauen und auf die letzte Spielzeit zurückzublicken. In diesem Artikel geht der Blick zurück auf die wichtigsten Spieler der 14 NL-Clubs in der Spielzeit 2024/25. Das sind unsere MVPs der Saison.
Mit Julius Nättinen hat ein Spieler des Tabellenschlusslichts die Regular Season auf dem zweiten Rang der Scorerrangliste der Liga abgeschlossen, dennoch fiel die Entscheidung zugunsten eines Teamkollegen und Landsmanns aus. Hinter Oula Palve wurde Jerry Turkulainen in der finnischen Liiga 2023/24 der zweitbeste Scorer, in der National League funktionierte der Flügelspieler aber deutlich besser. Mit neun Toren und 29 Assists war Turkulainen auf bestem Weg, sich die Topscorerkrone der National League zu sichern. Vielleicht wäre für die Jurassier gar mehr möglich gewesen, hätte sich der 26-Jährige nicht verletzt. Bis zu jener bitteren Unterkörperverletzung war Turkulainen gar noch besser unterwegs als Nättinen, deshalb geht die MVP-Auszeichnung bei Ajoie an den Neuzugang, gekommen vom JYP.
Es war eine ausgesprochen schwierige Saison für den HC Lugano. Die Bianconeri erreichten zu keinem Zeitpunkt die Flughöhe, die ihnen eigentlich zuzutrauen wäre. Mit einem neuen Sportchef und einem neuen Trainer geht es für die Luganesi in die nächste Saison. Einen dürfte Tomas Mitell gerne in der Form der Spielzeit 2024/25 in seinem Team haben. Luca Fazzini war trotz der sportlichen Krise seines Teams eine verlässliche Teamstütze. Mit 22 Toren und 17 Assists war der Schweizer Flügelstürmer gar der beste Scorer des HCL. Damit konnte sich der 30-Jährige im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Spielzeiten deutlich steigern, ohne ihn hätte sich die Situation noch prekärer präsentiert.
Erneut bekam der Genève-Servette HC die Doppelbelastung nicht gehandelt. Die Saison der Aigles hat bereits nach der Regular Season geendet, ein grösserer Umbruch in diesem Sommer ist die Folge davon. Ein Leistungsträger, den man auch in der kommenden Spielzeit nicht missen möchte, ist Markus Granlund. Der vom HC Lugano übernommene Stürmer verpasste zwar einige Spiele verletzungsbedingt, drehte aber, sobald er sich ins Team einfügen konnte, richtig auf. Mit 47 Scorerpunkten war es trotz nur 39 Einsätzen seine bislang beste Saison in der National League. Der Punkteschnitt von 1.21 wurde einzig vom ebenfalls als MVP aufgeführten Jerry Turkulainen übertroffen.
Der EHC Biel befindet sich mitten in einer Phase des Neuaufbaus. Trotz des elften Tabellenrangs konnte sich zumindest die defensive Leistung der Mannschaft sehen lassen. Mit 133 Gegentoren liessen die Bieler in dieser Statistik den einen oder anderen Playoff-Teilnehmer hinter sich. Zu einem grossen Teil ist das einem enorm sicheren Rückhalt zwischen den Pfosten zuzuschreiben. Harri Säteri ist das Rückgrat des Teams von Martin Filander. 92.44 Prozent ist die drittstärkste Fangquote aller Stammtorhüter während der Regular Season und das ohne viele Pausen. Säteri bestritt 42 Spiele, statistisch war es seine persönlich beste Regular Season in den drei Jahren beim EHCB.
Der Topscorer des Schweizer WM-Teams darf in dieser Auflistung nicht fehlen. Erstmals überstand Tyler Moy alle Kadercuts im Nationalteam und reiste deshalb an die Weltmeisterschaft. Der schussgewaltige Stürmer belohnte sich dadurch für eine ohnehin schon ausgesprochen starke Saison. Die SCRJ Lakers starteten mit grossem Respekt in die Saison nach der Ära von Roman Cervenka. Die Rosenstädter schafften es dennoch in extremis zumindest in die Play-Ins. In der Offensive waren der Schwede Malte Strömwall und eben Tyler Moy die beiden grossen Leistungsträger. Die MVP-Entscheidung fiel dann knapp zugunsten von Moy aus. Ein Schweizer mit diesen Qualitäten wäre bei allen NL-Teams ein Gamechanger.
Es war eine Rückkehr, die grosse Erwartungen schürte. Nach fünf Jahren in der NHL kehrte Dominik Kubalik in die Leventina zurück und machte beim HC Ambri-Piotta dort weiter, wo er vor seinem Wechsel zu den Chicago Blackhawks aufgehört hatte. Mit 27 Toren war Kubalik der beste Torjäger der gesamten Liga und dennoch reichte es den Biancoblù nicht in die Playoffs. Dass die MVP-Auszeichnung bei Ambri-Piotta an den 29-jährgien Tschechen geht, ist wohl unumstritten. Nur ein Jahr nach der Rückkehr in die Schweiz hat Kubalik kürzlich schon wieder mit einem Transfer für Schlagzeilen gesorgt, nächste Saison wird er für den EVZ stürmen.
Und es folgt gleich noch ein MVP, der auf die nächste Saison hin ligaintern einen Wechsel vollziehen wird. Stéphane Charlin kehrt als gestandener Stammtorhüter nach drei Jahren in Langnau zum Genève-Servette HC zurück. Der 24-Jährige war der beste Torhüter der Regular Season, er führte unter den Stammgoalies sowohl das Ranking der Fangquote als auch jenes der Gegentore pro Spiel an. Charlins zwischenzeitlicher Ausfall brachte die Tigers in Bedrängnis, es reichte dennoch für die Playoffs. In den entscheidenden Spielen der Viertelfinal-Serie gab Charlin sein Comeback und lies beinahe den Qualifikationssieger verzweifeln. Das erste WM-Aufgebot war der Lohn für eine bärenstarke Saison.
Ein absoluter Top-Transfer gelang dem EHC Kloten mit der Verpflichtung von Sami Niku. Der finnische Verteidiger übernahm in der Flughafenstadt sofort eine Leaderrolle in der Hintermannschaft. Mit 30 Scorerpunkten leistete er auch in der Offensive einen wichtigen Beitrag in der überraschend starken Mannschaft von Lauri Marijamäki. In beiden Special-Teams der Klotener stand Niku jeweils auf dem Eis. Vor allem scheute er keine unangenehme Situation, er stellte sich in die Schüsse, wie kein anderer im Team des EHCK, stolze 95 geblockte Schüsse belegen das statistisch. Ligaweit ist er damit hinter Tim Heed mit 106 und Kevin Fey mit 105 Blocks die Nummer drei. Dass Niku nach nur einem Jahr bereits wieder weiterzieht, ist für Kloten ein herber Schlag.
43, 41, 44 - das ist die Anzahl an Scorerpunkten von Lino Martschini und es unterstreicht die beeindruckende Konstanz über mehrere Jahre. Der 32-jährige Flügelstürmer stach 2024/25 noch etwas mehr aus dem Zuger Kollektiv heraus. In den Playoffs gelang ihm dann, wie dem ganzen Team, wenig. Dass sich Martschini in einem prominent besetzten Kader aber deutlich als bester Scorer der Mannschaft hervortut, macht ihn definitiv zum Zuger MVP der Saison. Mit 169 Schüssen auf den gegnerischen Kasten forderte Martschini die Torhüter deutlich am meisten heraus, hinter ihm folgt im Ranking der Zuger Mannschaft Grégory Hofmann mit 118 Abschlüssen. Eine weitere Zahl, die den einstigen EVZ-Junior als Aktivposten in der Offensive ausweist.
Neben Sami Niku hat sich der Lausanne HC im Hinblick auf die kommende Saison hin gleich noch einen zweiten MVP geschnappt. Dass der Ligatopscorer diese Auszeichnung erhält, ist schon fast ein Muss. Seine Explosivität auf dem Eis ist für die Teamkollegen förmlich ansteckend und stellt jede Defensive vor gewaltige Probleme. Zwanzig Tore und 36 Assists waren die Folge davon. Der SCB hat mit Austin Czarnik einen absoluten Glücksgriff gelandet, aber dabei den Fehler gemacht, den 32-Jährigen nur für eine Saison zu binden. Der US-Amerikaner wird auch nächste Saison wieder ein ganz heisser Kandidat im Rennen um die Topscorerkrone sein.
Wäre einfach die Schlüsselfigur der vergangenen Saison gefragt, Trainer Lars Leuenberger wäre der Mann, den es beim HCFG zu prämieren gilt. Während der grossen Aufholjagd der Saanestädter stachen auf dem Eis mehrere Leistungsträger heraus. Um aus solch schwierigen Situationen, wie jene, in der die Fribourger vor dem Jahreswechsel gesteckt haben, herauszufinden, sind vor allem die Routiniers gefragt. Der Routinier schlechthin ist der Captain von Fribourg-Gottéron. Julien Sprunger zeigte auch mit 39 Jahren abermals eine bemerkenswerte Spielzeit. Im Vergleich zur Vorsaison konnte er nochmals eine Schippe draufpacken und war vor allem auch in den Playoffs ein Unterschiedsspieler. Damit hat sich Sprunger die Aufnahme in diese Liste verdient.
Beim HC Davos standen gleich vier Importspieler am Ende der Regular Season an der Spitze der Scorerliste. Nur beim HC Ajoie war der Anteil der durch Importspieler erzielten Toren noch höher. Es überrascht daher auch nicht, dass der MVP aus der Ausländerfraktion stammt. Als bester Davoser Scorer der Regular Season und als doppelter Hattricktorschütze der Playoffs hat sich Adam Tambellini als unverzichtbare Teamstütze etabliert. Nach vier Jahren bei Rögle hat der Kanadier in seiner ersten Spielzeit in der National League sogleich die Marke von 40 Scorerpunkten geknackt. Seine Abschlüsse sind definitiv eine Waffe. Die Entscheidung beim HCD fiel aber ziemlich knapp aus, es hätte wohl Matej Stransky die Erwähnung ebenso verdient.
In der letzten Saison war er noch der bewunderte Shootingstar, 2024/25 gehörte Théo Rochette beim Lausanne HC definitiv zu den grossen Leistungsträgern. Obschon er in der Regular Season nur 38 Einsätze abspulen konnte, übertraf er die in der Vorsaison vorgelegten 30 Scorerpunkten um einen Zähler. Als bester Torschütze der Playoffs stellte er seinen Wert eindrücklich unter Beweis. Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis Rochette den Absprung in die NHL wagen wird, obschon er ein ungedrafteter Spieler ist. Der schweizerische-kanadische Center sticht aber mit seinem Spielwitz aus der ohnehin stark besetzten Lausanner Offensive heraus, deshalb geht die MVP-Auszeichnung an den 23-Jährigen.
Was war das für eine unglaublich starke Saison von Sven Andrighetto! Wettbewerbsübergreifend hat der mittlerweile dreifache WM-Silbermedaillengewinner für den Zett in 73 Spielen 39 Tore erzielt und sich 44 Assists gutschreiben lassen. Der MVP der Champions Hockey League und Playoff-Topscorer der National League hat sich die Auszeichnung als wichtigster Spieler in der Meistermannschaft der Zürcher eindeutig verdient. Als siebenfacher Torschütze konnte er den Schwung auch an die Weltmeisterschaft mitnehmen. Womöglich hat sich der einstige 3rd-Round-Pick sogar nochmals den Weg in die NHL geebnet, abgeneigt wäre Andrighetto auf jeden Fall nicht.
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