Die National-League-Saison 2024/25 hat mit dem Playoff-Finale zwischen den ZSC Lions und dem Lausanne HC ihr Ende gefunden. In dieser Saison gab es aber viel mehr als nur diese beiden Teams, es war von A bis Z eine Saison gefüllt mit eigenen Geschichten.
Sie prägten eine Ära in der "Stadt der Alpen". Andres Ambühl und Marc Wieser verkörperten in den letzten Jahren, ja gar Jahrzehnten den HC Davos. Wieser war seit jeher im Verein, verliess diesen nur in wenigen Leihabenteuern und einen dreijährigen Abstecher nach Biel. Ambühl hatte ebenfalls drei Jahre Absenz, kann aber trotzdem auf über 20 Jahre Davos zurückblicken.
Endlich war Ruhe eingekehrt beim lange so stolzen SC Bern. Dies änderte sich in dieser Saison aber wieder, mit gleich mehreren Transfers. Philip Wüthrich, Patrik Nemeth und Austin Czarnik werden alle den Verein verlassen, auch Thierry Bader hat einen Vertrag in Zürich unterschrieben und Yanick Sablatnig wird ebenfalls wegziehen. Trotz gleich mehreren Abgängen bleiben die Verantwortlichen bisher aber ruhig.
Wir bleiben gleich in Bern, denn da spielte in dieser Saison noch der Ligatopscorer. Austin Czarnik war die Lebensversicherung der Berner auf dem Weg zu Platz drei, er steuerte 56 Scorerpunkte zu diesem Erfolg bei. In den Playoffs kam er dann allerdings nur noch in zwei Spielen zum Einsatz, bis heute ist unklar, ob es sich dabei tatsächlich um eine Verletzung handelte. Auf jeden Fall wird er die 'Mutzen' verlassen, am Donnerstag wurde er beim Lausanne HC als Neuzugang präsentiert.
Es war die Blockbuster-Meldung Ende Oktober. Chris DiDomenico verliess die Drachen nach etwas mehr als einem Jahr wieder und schloss sich dem HC Ambri-Piotta an. Im Gegenzug wechselte Jakob Lilja an die Saane und hatte dort die nicht ganz einfache Aufgabe, den Kanadier zu ersetzen. Schlussendlich war es allerdings eine Win-win-Situation, denn Ambri hatte einen neuen Offensivstar, Fribourg stattdessen einen etwas ruhigeren Spieler, der teamintern nicht für Unruhe sorgte.
Der EV Zug war in der Regular Season noch das Team, welches am meisten Tore erzielen konnte. Auch gegen den HC Davos gingen sie als leichter Favorit in den Playoff-Viertelfinal. Dort lief dann allerdings gar nichts mehr zusammen, sodass es vier Niederlagen am Stück absetzte und die Saison beim Abschied des langjährigen Erfolgscoaches Dan Tangnes mit einem 'Sweep' endete.
Die Playoffs packen die Fans jeweils noch etwas mehr als die Regular Season bereits. Es sind die Spiele, die jeweils ausverkauft sind und die Fans mit tollen Choreos auf sich aufmerksam machen. So war dies auch dieses Jahr und man hatte schon fast das Gefühl, die Fanlager wollten sich gegenseitig übertrumpfen, was die Kreativität betrifft.
Die Saison 2024/25 brachte zwei fast unüberwindbare Helden hervor. Einer davon war Stéphane Charlin, der in der Regular Season eine Abwehrquote von 94.6 Prozent vorzuweisen hatte. Der andere ist Simon Hrubec, der nach einer soliden Regular Season in den Playoffs über sich hinauswachsen konnte und die Lions so zum Titel hexte.
Als einziges Team der National League hat Fribourg-Gottéron sein Stadion in jedem der 26 Heimspiele voll ausgelastet. An dieser Zahl hat sich natürlich auch in den Playoffs nicht geändert. Der Ansturm auf die Tickets in freiem Verkauf war riesig, sodass Fans bereits nach nur zwei Minute in die Röhre guckten.
Einen Wermutstropfen aus Freiburger Sicht gab es allerdings. Die wohl meist diskutierte Fanaktion war jene in der Tissot Arena Ende Januar, als die Freiburger Kurve im Stadion Pyros zündeten und so für eine Verzögerung des Spielbeginns sorgte.
Dass ohne Imports nicht ganz so viel geht, ist allgemein bekannt. Enorm fällt dies allerdings in Davos und in Ajoie auf. Während Ajoie die grösste Prozentzahl an Importtoren hat, nämlich über 75 Prozent, hat Davos insgesamt gar noch mehr Tore von Importspielern erzielen lassen. Mit 89 Toren haben die Davoser "Ausländer" vier Tore mehr geschossen als jene des Tabellenletzten.
Als Andres Ambühl seinen vierten Meistertitel feiern durfte, war Jonah Neuenschwander noch ein Säugling. Am 10. März 2009 wurde der Bieler Junior geboren, am 26. November 2024 gab er sein Debüt in der National League und konnte sich sogleich mit einem Assist vorstellen. Mit 15 Jahren sein erstes Spiel absolviert, konnte er noch vor seinem 16. Geburtstag weitere 14 Spiele absolvieren, er sammelte dabei auch noch zwei weitere Assists.

Wenn der EV Zug im September in die neue Saison startet, muss er dies ohne Mike Künzle tun. Der 31-Jährige bekam nach einem Cross-Check gegen Davos' Adam Tambellini nämlich eine Sperre für sieben Spiele und zusätzlich eine Busse von 9'650 Franken. Ein Spiel hat Künzle bereits beim Untergang des EVZ im vierten Viertelfinalspiel abgesessen, sechs weitere Partien auf der Tribüne werden also in der neuen Saison folgen.
Es lief so gar nicht nach Wunsch für den HC Fribourg-Gottéron zu Beginn der Saison. Dann übernahm Lars Leuenberger kurz vor Weihnachten die Mannschaft und führte sie sogleich zum Erfolg. Mit dem Triumph am Spengler Cup heimsten die Drachen ihren ersten Titel der Vereinsgeschichte ein, in der "Leuenberger-Tabelle" ist der HCFG klarer Leader.
Die beiden nationalen Titel in dieser Saison gingen übrigens beide an die Leuenbergers. Sven Leuenberger formte als Sportchef die ZSC-Meistermannschaft, hatte also auch allen Grund zum Jubeln.
Kein Spieler holte in der Regular Season mehr Strafminuten als der Lausanne-Akteur Aurelién Marti. Satte 84 Strafminuten gab es für ihn, 50 davon kamen allerdings aus 5'+Spieldauerdisziplinarstrafen. Mit Abstand am meisten kleine Strafen hat übrigens der Zuger Daniel Vozenilek mit 29 Zwei-Minuten-Strafen. In den Playoffs hat Derek Grant am meisten Strafminuten gesammelt. Neben stolzen sechs 2'-Strafen kam natürlich noch die 10'+SPD nach seinem Ausraster hinzu. Am meisten kleine Strafen in den Playoffs hat sich Andrea Glauser mit 13 eingebrockt.
Die National League ist in der abgelaufenen Saison nur knapp einer Sensation entgangen. Mit Julius Nättinen hätte beinahe ein Spieler des Tabellenletzten die Ligatopscorer-Krone aufgesetzt bekommen. 52 Punkte hat der Finne für die Pruntruter Mannschaft gesammelt, war somit an rund 46 Prozent aller Ajoie-Tore beteiligt. Auf Austin Czarnik fehlten ihm schlussendlich nur vier Punkte, dieser war allerdings "nur" an rund 34 Prozent der Berner Tore beteiligt.
An die fünf längsten Spiele der National-League-Geschichte kam in diesem Jahr niemand heran, allerdings verpassten Ajoie und Visp die Top-Fünf im ersten Spiel der Ligaqualifikation mit 100:53 Minuten nur um 99 Sekunden. Es war aber nicht die einzige lange Partie, die nach der Regular Season stattgefunden hat. So reihte sich beispielsweise Spiel 1 der Viertelfinal-Paarung zwischen Bern und dem siegreichen Fribourg-Gottéron (88:38 Minuten) auf Rang zwölf der ewigen Bestenliste ein.
Die Regular Season von Sven Andrighetto war mit 39 Punkten sehr solide. Die Playoffs waren dann gewaltig. 22 Punkte konnte der 32-Jährige in 16 Spielen zum Titel beitragen und überragte damit Teamkollege Denis Malgin um zwei Punkte. Allgemein scheint 'Ghetto' der Mann für die wichtigen Spiele zu sein, schliesslich hat er auch in der Champions Hockey League entscheidend zum Zürcher Titel beigetragen und wurde zum MVP gewählt.
Lausanne war in dieser Ligaqualifikation überragend und das konstanteste Team. Obwohl nur mit der viertbesten Tordifferenz, konnten die Waadtländer gleich 97 Punkte sammeln. Wer in die Vaudoise Arena reisen muss, sollte ohnehin mit dem nötigen Respekt anreisen, dieses Jahr waren die Löwen aber so stark, dass es beinahe sinnlos war, dahin zu reisen. Dies zeigt auch die Heimtabelle, welche ebenfalls vom LHC angeführt wird.
Ja, ein Rekordspieler ist er ohnehin, bereits vor der Saison hatte Ambühl unzählige Bestmarken inne. In dieser Saison hat er allerdings eine der wichtigsten seiner Karriere geknackt. Beim Spiel gegen den SC Bern im Oktober absolvierte Ambühl sein 1270. Spiel in der National League und hat damit Beat Gerber mit den meisten Einsätze aller Spieler der Geschichte überholt.
Der HC Lugano nicht in den Playoffs, es war für lange Zeit undenkbar. Seit der Saison 2011/12 waren die Tessiner durchgehend unter den besten Teams der Regular Season, die Playoffs fanden nie ohne sie statt. In diesem Jahr war allerdings alles anders, die Playoffs wurden schlussendlich doch relativ klar verpasst. Schlimmer noch, der HCL musste gar in den Playouts gegen Ajoie antreten.
Seine Saisonstatistik liest sich relativ ähnlich wie jene von Sven Andrighetto. Mit 41 Punkten aus der Regular Season war er immer wieder gut, allerdings nie überragend. Dies änderte sich in den Playoffs schlagartig, vor allem in den Viertelfinals gegen den EV Zug. Sieben Tore erzielte der Kanadier in den Playoffs, zweimal schoss er den EVZ gar mit einem Hattrick ab.
Die SCL Tigers haben in dieser Saison alle überrascht und via Play-Ins die Playoffs erreicht. Dort brachten sie den Qualisieger an den Rand eines vorzeitigen Ausscheidens, verloren erst in Spiel 7. Gut möglich, dass die guten Leistungen an der disziplinierten Leistung in Unterzahl liegen. In 87.5 Prozent aller Untersituation blieben die Emmentaler unbezwungen. Bei den Shorthander-Toren sind sie mit einem allerdings weit hinter den Spitzenreiter aus Biel und Lugano mit sechs.
Zu Beginn der Saison war der Name von Daniel Vozenilek in aller Munde. Der Tscheche polarisierte mit harten Checks und viel Kampfgeist, vor allem aber mit Toren. In elf aufeinanderfolgenden Spielen traf er, bevor die Nati-Pause seinen Lauf jäh beendete. Trotzdem stellte er einen Vereinsrekord auf, was früh auf 22 Punkten und Leader der Topscorerwertung. Nach 22 Punkten in den ersten 21 Spielen ist sein Schlusswert von 35 Punkten in 48 Spielen aber doch eher den Erwartungen hinterher hinkend.
Der Schwede macht einfach Spass. Ähnlich wie sein Landsmann Marcus Sörensen bei Fribourg, ist auch er ein Spieler, für den der neutrale Zuschauer einfach gerne ins Stadion geht. In der vergangenen Saison war Frödén Torschütze des meisterschaftsentscheidenden Tores und wiederholte dieses Kunststück als Final-Gamewinner erneut.
Miro Aaltonen war fester Bestandteil des starken Saisonstart des EHC Kloten, ehe seine Saison einen schweren Cut erlitt. Kurz vor Weihnachten gab es bei ihm einen positiven Dopingtest als 'Geschenk', Kokain wurde bei ihm gefunden. Da es als nicht leistungssteigernd und ausserhalb des Wettkampfgeschehens eingenommen wurde, galt die Sperre schlussendlich "nur" für einen Monat. Nutzniesser war der SC Bern, der ihn bereits früher in die Bundesstadt holte, dort brillierte er weiter.

Der EV Zug ist eigentlich für seine gute Jugendarbeit bekannt, vor allem natürlich durch Leon Muggli, der wohl bald den Schritt nach Nordamerika machen wird. Ebenfalls noch jung ist beispielsweise Attilio Biasca, noch etwas jünger gar Ludvig Johnson. Die beiden werden die neue Saison aber nicht etwa in der BOSSARD-Arena starten, sondern in der BCF-Arena. In Zug haben sie das Vertrauen bekommen, weiterentwickeln werden sie sich allerdings von jetzt an in Fribourg.
Obwohl die ZSC Lions nicht Qualisieger geworden waren, wurde in den Playoffs relativ schnell klar, dass der Titel nur über den 'Zett' führen kann. So kam es dann auch, die Zürcher waren, vor allem zuhause, eine Macht. Sie können aber eben nicht nur mit dem "hässlichen Schirmständer" jubeln, sie haben zudem auch die Champions Hockey League für sich entschieden. Somit ist die CHL-Trophäe nach dem Triumph des Genève-Servette HC 2024 gleich in der Schweiz geblieben.
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