sport.ch

Körperbetontes Spiel trägt Früchte

Die Bündner sind mit Physis in der Serie angekommen

Nach der 1:6-Niederlage in Zürich forderte HCD-Trainer Josh Holden mehr, in jedem Einsatz müsse sein Team das "ultimative Level" erreichen, liess sich der kanadisch-schweizerische Coach zitieren. Seine Schützlinge haben geliefert. Mit einem 4:3-Sieg glichen die Bündner die definitiv lancierte Halbfinal-Serie aus. 

40 Minuten gehörten dem HCD, auch wegen dezenter Lions

Physischer und schneller wollten die Davoser am Dienstagabend auftreten. Personell konnte dies eigentlich nur eines bedeuten: Der nordamerikanische Heisssporn Brendan Lemieux rückte für den finnischen Verteidiger Julius Honka in die Mannschaft. Die Umsetzung der vorgenommenen Ziele ist dem HCD gelungen, das schätzte nach dem Spiel auch MySports-Experte Timo Helbling so ein.  

"Ich glaube, es ist ihnen gut gelungen, aber nicht während des ganzen Matches. Aber zum Beispiel auch Lemieux, der heute seine Duftmarke gesetzt hat, der Checks gebracht hat. Ein Knak, ein Egli - ich glaube schon, das heute eine Reaktion gekommen ist von Davos. Auf Zürcher Seite muss man sagen, haben sie es in der eigenen Hand. Sie können sicher nocheinmal einen Gang hochschalten. Die Serie ist jetzt lanciert. Es ist sicherlich eine super spannende Serie, mit sehr hochstehenden Matches, mit Chancen auf beiden Seiten. Es hätte auch auf die andere Seite kippen können. Zürich mit einer super Reaktion im letzten Drittel, da hat man gemerkt, die haben einfach die Qualität, um jedes Spiel zu drehen."

Timo Helbling, MySports, 01. April 2025

Ein etwas enttäuschter Yannick Zehnder rechnete dem HCD nach dem Spiel an, mehr gekämpft zu haben. Es sei ein super Playoff-Match gewesen und habe entsprechend Spass gemacht, meinte der Stürmer weiter. In der Tat war auf dem Eis der zondacrypto-Arena deutlich mehr Playoff-Fight zu sehen, als noch im ersten Spiel. Die Spieler überliessen dem Gegner kaum freies Eis und warfen sich fleissig in die Schüsse. Speziell in dieser Statistik war ein deutlicher Unterschied zur Partie vom Samstag festzustellen. Sechs geblockte Schüsse verzeichneten die Lions im ersten Spiel, im Landwassertal stellte sich derweil gleich deren 19-mal ein Zürcher in die Schussbahn. Auch der HC Davos steigerte die gleiche Kennzahl minimal von acht auf zehn. 

Die Bündner sorgten für zusätzliche Beschäftigung ihrer Gegner, vor allem während der ersten 40 Minuten. Gleichzeitig müssen sich die Lions auch den Vorwurf gefallen lassen, die Aufgabe wohl etwas zu wenig konsequent angegangen zu sein. Erst im Schlussdrittel erreichte der Meister jene Kadenz, mit der er im ersten Spiel das Geschehen innerhalb von knapp drei Minuten zu den eigenen Gunsten lenken konnte. Reto Suri stellte sich im MySports-Studio allerdings etwas schützend vor die Zürcher, als er mit der Behauptung konfrontiert wurde, dass sich die Zürcher in einer falschen Sicherheit gewogen hätten. 

"Nach Spiel zwei sind wir natürlich schlauer, vielleicht ist es in die Tendenz gegangen, dass es eine falsche Sicherheit war. Nichtsdestotrotz hatten die Zürcher auch nicht viel nach Spiel eins, vor dem sie Angst haben oder besorgt sein mussten, dass da etwas kommt. Sie haben das Spiel ja dominiert. Jetzt war es heute etwas verhalten, etwas zu wenig konsequent - jetzt haben sie die Quittung erhalten."

Reto Suri, MySports, 01. April 2025

Das körperbetonte Spiel trägt Früchte

Wirklich gelungen sind den Davoser allerdings nur die ersten beiden Drittel. Etwas zurückhaltender, mit einem Zwei-Tore-Vorsprung, gab die Mannschaft von Josh Holden die Zügel im Schlussabschnitt aus der Hand. Das ging natürlich einher damit, dass die Zürcher deutlich zulegen konnten. Mit der Strafe gegen Andres Ambühl in der 56. Minute hätte das Spiel gar ganz in die Richtung der Gäste kippen können. Dieses Boxplay zu überstehen war ein Schlüsselmoment, ehe dann Simon Knak die Halle in Ekstase versetzte. Die Entstehung des Tors war aber sinnbildlich für die veränderte Einstellung der Bündner. Durch konsequentes Nachsetzen bereitete Matej Stransky das 4:3 vor. Stellvertretend für diese Einstellung steht der viel gescholtene Brendan Lemieux, der mit seiner Spielweise gewissermassen als Vorbild vorangehen kann. 

Die Umverteilung der Importlizenzen und die angestrebte körperliche Spielweise sorgte auch für eine etwas andere Verteilung der Eiszeit in der HCD-Hintermannschaft. Das Abwehr-Duo bestehend aus Klas Dahlbeck und Michael Fora wurde deutlich mehr forciert, beide steigerten ihre Eiszeit um über drei Minuten. In eine ähnliche Richtung bewegte sich die Eiszeit von Calle Andersson. Dafür spielte Sven Jung beinahe zwei Minuten weniger, obschon er zum ersten Davoser Abwehr-Duo gehörte. Auch die Eiszeit von Nico Gross, der ohne Abwehrpartner Julius Honka auskommen musste, ging um knapp zwei Minuten zurück. Es sind die drei grossgewachsen Verteidiger mit mehr Wasserverdrängung, die das vom Trainer geforderte körperliche Spiel aufs Eis brachten. 

Damit sind die Davoser nach zwei Spielen definitiv im Playoff-Halbfinale angekommen. Es wird entscheidend sein, wie rasch der Zett gegen das schnelle und physische Spiel des HCD die richtigen Ansätze findet. Zudem werden auch Sandro Aeschlimann oder allfällig Luca Hollenstein im HCD-Tor in Topform gefragt sein, nur mit Fangquoten deutlich über der Marke von 90 Prozent können sie ihren Vorderleuten ausreichend Zeit gewähren, um sich selbst zu entfalten. Von diesem 4:3-Sieg wird der HCD viel Positives mitnehmen, so abschliessend die Aussage von Experte Reto Suri. 

"Sie können sicher den Start wieder mitnehmen. Der Start aus Spiel eins, die zehn Minuten, als sie in Zürich gut gestartet haben und heute haben sie 40 Minuten sehr gut gespielt. Am Schluss haben sie von sechs Dritteln drei oder zweieinhalb gute Drittel gehabt. Diese positiven Sachen, jetzt kann man mehr mitnehmen. Nach Spiel eins haben wir noch gesagt, jetzt sei Zürich 50 Minuten klar besser gewesen. Davos ist jetzt in dieser Serie drin. Wenn du übermorgen nach Zürich gehst, ist sicherlich wichtig, einen guten, soliden Start zu haben. Damit du so in den Match hineinwachsen kannst und du dir eine Chance gibst, es möglichst lange offen zu halten. Das Powerplay hat heute auch funktioniert und hat ein Tor geschossen. Das sind dann die kleinen Momente, die den Unterschied ausmachen werden."

Reto Suri, MySports, 01. April 2025

Brendan Lemieux Calle Andersson Eishockey HC Davos Josh Holden Julius Honka Klas Dahlbeck Michael Fora National League Nico Gross Raphael Dort Reto Suri Timo Helbling ZSC Lions

2025-04-03 14:20:33

Event

03.04.2025 20:00
ZSC Lions 5:1 HC Davos

Liveticker

Spieler