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Visp will das Unmögliche möglich machen, doch ein Blick in die Vergangenheit bereitet Sorgen

Vor 2007 kam es jährlich zu einem Aufsteiger, in der Neuzeit ein "Ding der Unmöglichkeit"

In den letzten Jahren wurde die Ligaqualifikation, also die Serie um den Auf-/Abstieg in der National League, immer mehr zur Farce. Seit sieben Jahren konnte kein Aufsteiger mehr über den sportlichen Weg ermittelt werden. Wir gehen der Ligaquali-Historie auf den Grund, stehen sich doch bald der HC Ajoie und der EHC Visp gegenüber.

Die Ligaqualifikation stellt das letzte Kräftemessen der Saison zwischen dem Playout-Final-Verlierer der National League und dem Playoff-Final-Sieger der Swiss League dar. In einer Best-of-Seven-Serie kämpft das Schlusslicht der National League gegen den Abstieg, derweilen versucht der Swiss-League-Schweizermeister sich ins Oberhaus zu kämpfen.

Das letzte Mal, dass ein Unterklassiger jedoch auf dem sportlichen Weg eine Ligaqualifikation gewinnen konnte, liegt schon sieben Jahre zurück. In der Saison 2017/18 bezwangen die SC Rapperswil-Jona Lakers den EHC Kloten im packenden finalen Spiel sieben in der Overtime.

In den Folgejahren verlor die Ligaqualifikation an Bedeutung, denn zahlreiche Änderungen der Regularien und des Modus erschwerten zunehmend die Aufstiegschancen der Teams aus der Swiss League. Zusätzlich profitierte der HC Ajoie in der Saison 2020/21 und der EHC Kloten in der Saison 2021/22 von der Aufstockung der National League auf 13, bzw. 14 Teams. Sie konnten, ohne eine Ligaqualifikation zu spielen, den Gang in die höchste Schweizer Spielklasse antreten.

Ein Aufstieg ist in der Neuzeit praktisch unmöglich

Betrachten wir zuerst den Zeitraum seit der Ligareform und der Umbenennung der Nationalliga A zur National League A (später nur noch National League) von der Saison 2007/08 bis heute. In den 17 Spielzeiten wurde nur elfmal eine Ligaqualifikation überhaupt bestritten. Aus den elf Begegnungen konnte der Unterklassige nur viermal siegreich ins Oberhaus aufsteigen.

Dies gelang dem EHC Biel (2007/08), dem Lausanne HC (2012/13), den SCL Tigers (2014/25) und den eben genannten SCRJ Lakers (2017/18). Als Absteiger erwiesen sich in chronologischer Reihenfolge der EHC Basel, die SCL Tigers, die SCRJ Lakers und der EHC Kloten. 

Die letzte Ligaqualifikation, welche gespielt wurde, fand in der Saison 2022/23 statt. Damals gewann der HC Ajoie gegen den Aufstiegs-ambitionierten HC La Chaux-de-Fonds und verteidigte seinen Platz in der höchsten Schweizer Spielklasse. Die letzte siegreiche Ligaquali für einen Vertreter aus der Swiss League liegt mit der Saison 2017/18 nun schon sieben Jahre zurück.

Die Lakers waren vor sieben Jahren das letzte Team, dass in der Ligaqualifikation ein National-League-Team bezwingen konnte.

Seit der Aufstockung auf 14 Teams und der damit verbundenen Kontingenterhöhung der Ausländer auf sechs Matchkaderplätze, wurde die sportliche Kluft zwischen der National League und der Swiss League nochmals deutlich grösser. Zusätzlich zur sportlichen Hürde müssen die unterklassigen Teams, die den Aufstieg anstreben, noch reglementarische Bestimmungen bezüglich Infrastruktur, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit vollumfänglich erfüllen. Einen Aufstieg auf dem sportlichen Weg zu bewerkstelligen, ist in der Neuzeit also praktisch ein Ding der Unmöglichkeit.

Vor 2007 gab es einen regelmässigen Austausch der Teams

Wir analysierten die Situation von der Saison 2006/07 bis zur Saison 1989/90 zurück. Das Ergebnis: In praktisch jeder Saison wurde eine Ligaqualifikation bestritten, mit Ausnahme der Saisons 1996/97 und 2002/03 (Aufstockung der Liga). Damals hiessen die Ligen noch Nationalliga A und Nationalliga B.

Zwölfmal konnte ein Unterligist in der Ligaqualifikation den Aufstieg feiern und lediglich fünfmal konnte der Oberligist den Abstieg verhindern. Zwischen 1990 und 1996 kam es gar zu einer Serie von sieben Auf- und Absteigern in Folge.

In der Saison 1999/2000 kam es zu einem seltsamen Fall, die Ligaqualifikation fiel zwischen den SCRJ Lakers und dem EHC Chur zugunsten des Oberligisten aus. Da die Nationalliga A jedoch um zwei Plätze erweitert wurde, stiegen sowohl Chur als auch der zweitplatzierte HC La Chaux-de-Fonds trotzdem auf. Ebenfalls ein Spezialfall ereignete sich in der Saison 2003/04, in der die Ligaqualifikation vom NLA-Team Lausanne HC gegen das NLB-Team EHC Biel gewonnen werden konnte. Aufgrund der Reduktion der Plätze musste Tabellenschlusslicht, der EHC Basel, den Gang in die NLB antreten.

Saison

Ligaquali gewonnen:  NLA oder NLB?

Aufsteiger Absteiger
1989/90 NLB HC Sierre HC Ajoie
1990/91 NLB EHC Chur HC Sierre
1991/92 NLB HC Ajoie EHC Olten
1992/93 NLB HC Davos und EHC Olten HC Ajoie und EHC Chur
1993/94 NLB EHC Biel EHC Olten
1994/95 NLB Lausanne HC EHC Biel
1995/96 NLB HC La Chaux-de-Fonds Lausanne HC
1996/97 Keine SC Herisau -
1997/98 NLB SC Langnau SC Herisau und HC La Chau-de-Fonds
1998/99 NLA Keiner Keiner
1999/00 NLA EHC Chur und HC La Chaux-de-Fonds Keiner
2000/01 NLB Lausanne HC HC La Chaux-de-Fonds
2001/02 NLB Genève-Servette HC EHC Chur
2002/03 Keine EHC Basel -
2003/04 NLA Keiner EHC Basel
2004/05 NLB EHC Basel Lausanne HC
2005/06 NLA Keiner Keiner
2006/07 NLA Keiner Keiner

Den Gründen auf der Spur

Die Flaute der Ligaqualifikation ist also definitiv ein Phänomen der Neuzeit und zusätzlich hausgemacht. Denn die Sportverantwortlichen der National League Teams sitzen bequemen im Oberhaus und geniessen die Ruhe, schliesslich muss man mittlerweile so gut wie keine Angst vor einem möglichen Abstieg haben. Unter dem Deckmantel der "gemeinsamen Vision" schützen die NL-Klubs ihre Eigeninteressen. Wir sammelten aus der weiten Welt der Medienlandschaft einige Stimmen zum derzeitigen Model zusammen - die Erkenntnisse daraus sind prekär.

"Die Liga-Qualifikation scheint auf den ersten Blick für den Miserabelsten der Miserablen am Schluss der Saison kein Problem zu sein."

Klaus Zaugg, Watson, 10.04.2022

 

"Die National League hat sich verbarrikadiert und mit hausgemachten Regeln und Vorschriften gegen einen möglichen Abstieg abgesichert, für einen Aufstieg müsste der Meister der mittlerweile in jeder Hinsicht abgehängten zweiten Liga nicht nur diverse Vorschriften erfüllen, sondern auch noch einen Vertreter der National League in einem Direktduell über vier Gewinnspiele bezwingen."

Dino Kessler, Blick Sport, 11.09.2024

 

"So muss ein ambitionierter Swiss Ligist mittlerweile mehrere Hürden (sportlicher, finanzieller und infrastruktureller Art) überspringen, um den Aufstieg realisieren zu können. Scheitert er auch nur an einer, ist der grosse Traum geplatzt. Eine enorme Herausforderung, die seit dem Entscheid, die National League auf 14 Teams auszuweiten, noch einmal grösser geworden ist."

Patrick Y. Fischer, Sky Sport, 19.03.2024

 

"Eine andere Konsequenz der NL-Erweiterung ist die Aushöhlung der Swiss League (SL). Die zweite Liga umfasst nur noch zehn Teams, zuletzt zogen sich Martigny und Langenthal mangels Perspektiven ins Amateurhockey zurück. Die Situation ist so prekär, dass in der Stimme von Sébastien Pico ein Mix aus Konsternation und Entschlossenheit liegt. Der Geschäftsführer des EHC Visp sagt: «Die Grösse der Ligen muss auf je zwölf Teams angepasst werden. Und es braucht eine Durchlässigkeit, die diesen Namen auch verdient. Die Probleme sind allen bekannt. Aber sie sind den Vertretern der National League schlicht egal.»"

Nicola Berger, NZZ, 20.04.2024

Wie stehen also die Chancen für den EHC Visp?

Bekanntlich wurden in der laufenden Saison nur zwei Aufstiegsgesuche eingereicht. Einerseits vom HC La Chaux-de-Fonds, welcher bereits im Viertelfinal am EHC Olten scheiterte, sowie vom EHC Visp, welcher sich souverän zum Swiss-League-Schweizermeister kürte. Somit kommt es zu einer Ligaqualifikation zwischen den Walliser und dem Verlier des Playout-Finals, dem HC Ajoie.

Trotz des erschreckenden Blicks in die Statistik der letzten Jahre bleibt der EHC Visp ein ernstzunehmender Gegner. In den Playoffs dominierte das Team von Trainer Heinz Ehlers mit 12:2 Siegen. Dennoch ist der HC Ajoie der haushohe Favorit, so auch die Ansicht in Visp.

"In der Ligaqualifikation dürften wir eigentlich keine Chance haben. Aber man weiss trotzdem nie, was in einer solchen Serie geschieht. Da trifft eine Mannschaft, die viel verloren hat, bei der dadurch auch das eine oder andere kaputtgegangen ist und die über wenig Selbstvertrauen verfügt, auf eine Mannschaft, die nur noch gewonnen, eine Riesenfreude und Euphorie hat. Gelegentlich kommt es dann vor, dass sich der Underdog durchsetzt."

Heinz Ehlers, Blick, 09.03.25

Die Ajoulots müssen somit nach 2023 zum zweiten Mal ihren Platz im Oberhaus verteidigen. Die Jurassier zeigten während der Saison einige gute Spiele, profitierten jedoch meist nur von der Punkteausbeute der Import-Spieler. Gleich sechs ausländische Spieler gehören dabei zu den absoluten Leistungsträgern: Anttoni Honka, Jonathan Hazen, Pierre-Édouard Bellemare, T.J. Brennan, Philip-Michaël Devos und Oula Palve sorgen in Porrentruy für Musik. Zum grossen Glück für den EHC Visp, dass Jerry Turkulainen und Julius Nättinen verletzungsbedingt fehlen.

Doch genau da liegt auch der Hund begraben, da eine Regel für einmal auch dem Swiss-League-Vertreter in die Karten spielen könnte. Denn in der Ligaqualifikation dürfen lediglich noch vier Ausländer zum Einsatz kommen.

Die jüngste Vergangenheit zeigte jedoch kein sonderlich ermutigendes Bild für das unterklassige Team. Der HC Ajoie ist auf dem Papier das deutlich bessere Team und der EHC Visp kann nur von Spiel zu Spiel versuchen dem Oberligisten die Stirn zu bieten. Es dürfte ein schwieriges Unterfangen werden. Visp scheiterte bereits in den Saisons 2010/11 und 2013/14 im Kampf um den Aufstieg in der Ligaqualifikation. Im dritten Angriff soll es nun endlich wieder klappen mit der Mission "National League".

Nichtsdestotrotz müssen die Partien nun erstmal ausgespielt werden und wer weiss, vielleicht schafft es der EHC Visp, dass nach sieben Jahren wieder ein Aufsteiger über den sportlichen Weg triumphiert.

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2025-03-27 10:00:20