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Miro Aaltonen und Dominik Kahun im direkten Vergleich

Ein schlauer Schachzug des Lausanne HC und eine zweite Chance für den Finnen

Transfer-Karussell auf dem höchsten Niveau in der National League. Miro Aaltonen wechselte vorzeitig zum SC Bern, kurz darauf gaben die Berner den langjährigen Topshot Dominik Kahun zu Ligakonkurrenten HC Lausanne ab. Wir ziehen einen Vergleich der beiden Import-Cracks und gehen darauf ein, was die beiden Spieler ihrem neuen Team bringen können.

Spielertyp

Dominik Kahun

Der deutsch-tschechische Doppelbürger ist seit Jahren einer der begnadetsten Edeltechniker der National League. Doch neben der ausgezeichneten Technik und dem Auge für die Mitspieler war Kahun auch ein "Chrampfer", welcher stets in jedem Spiel das Beste herausholen wollte. Von Verletzungen geplagt, kam der deutsche Nationalspieler jedoch diese Saison nicht mehr scoringmässig an sein Niveau aus den vergangenen überragenden Saisons heran und mühte sich oftmals unglücklich auf dem Eis ab. Oftmals war der Center beim SC Bern in den vergangenen Jahren jedoch die Lebensversicherung.

In seiner ersten Saison beim SCB 2021/22 konnte Kahun fast doppelt so viele Scoringpunkte sammeln (44) wie der zweitbeste Importspieler Kaspars Daugavins (25). Eine Saison später wurde der Deutsche von Verletzungen geplagt, ehe er in der Saison 2023/24 unglaublich stark auftrumpfen konnte und mit 18 Punkten Abstand auf Marco Lehmann (zweitbester Scorer des Teams) locker die Topscorer-Krone der Berner ergatterte.

Betrachtet man also den Spieler im Detail, so lässt sich festhalten, dass Kahun wohl einer der besten Techniker auf Schweizer Eis ist, leider oftmals Verletzungen zu kämpfen hatte. Wenn er jedoch in Form ist, kann er ein ganzes Team tragen. Er ist aber auch ein Spieler, der seine Freiheiten auf dem Eis braucht, was zuletzt nicht mehr in das Spielkonzept von Trainer Jussi Tapola passte und die vollständige Entfaltung Kahuns hemmte.

Miro Aaltonen

Vom Spielertyp sind die beiden Hockeykünstler ziemlich ähnlich, denn auch Aaltonen ist gesegnet mit einer starken Stocktechnik, gutem Stickhandling, sowie Vorlagen- als auch Abschlussqualitäten. Beide Spieler sind mit 1,80 Meter genau gleich gross, Kahun mit 79 kg noch einen Tick schwerer als Aaltonen. Sie sind nicht die Spieler, welche durch Speed oder durch ein knallhartes physisches Spiel glänzen, sondern mit ihrer Hockey-Intelligenz brillieren. Von dem Finnen mag man halten, was man will, aber er ist und bleibt ein kompletter Center / Stürmer, der ordentlich Scorerpunkte liefern kann. Aaltonen kann eine ganze Linie führen und sticht in jedem Shift heraus.

Der 31-Jährige befand sich vor seiner Sperre in bestechender Form und führte den EHC Kloten als Topscorer an. In Bern kann er erneut die Rolle des Spielgestalters übernehmen und könnte mit dem finnischen Teamkollegen Waltteri Merelä eine einmalige Symbiose auf Schweizer Eis eingehen. Die Top-Linie rund um das Sturm-Trio Marco Lehmann, Victor Ejdsell und Liga-Topscorer Austin Czarnik wird wohl kaum auseinandergebrochen, womit eine zweite Linie mit Merelä und Aaltonen wohl zu den besten der Liga avancieren könnte.

Scoringausbeute

Dominik Kahun

Schlussendlich wird ein Offensivspieler neben der harten Arbeit aber oftmals an seiner Produktion gemessen. Der Deutsche war, wenn fit, immer der beste Scorer seines Teams. In der Saison 2021/22 war Kahun mit 44 Scorerpunkten aus 42 Spielen der überragende Mann bei den Mutzen und zeigte, dass er ein wertvoller Punkt-pro-Spiel-Spieler sein kann.

Die Saison 2022/23 verlief unglücklich, aber er war trotzdem, wenn einsatzbereit, immer noch ein Punktegarant. Am Ende der Regular Season stand Kahun bei 21 Scorerpunkten aus 23 Spielen. Danach folgte seine beste Saison im Trikot der Berner, konnte der Linksschütze doch 15 Tore und 35 Assists liefern und war somit zusammen mit Michael Spacek vom HC Ambri-Piotta der drittbeste Scorer der gesamten Liga.

In der laufenden Spielzeit kam Kahun lediglich auf 24 Einsätze für den SCB und erzielte dabei, trotz unermüdlicher Arbeit, nur neun Zähler. Zu wenig für einen Spieler seines Formats, der sich zunehmend in Bern nicht mehr wohlfühlte.

Insgesamt stehen auf seinem Leistungsnachweis nach seiner Zeit in Bern 136 Regular-Season-Spiele, in denen Kahun 124 Scorerpunkte sammelte. In den Playoffs kommen nochmals 16 Spiele dazu, wobei bei ihm sechs Tore und vier Assists zu Buche stehen.

Miro Aaltonen

Der finnische Topshot wusste von Beginn weg zu überzeugen. Als die Klotener auf die Saison 2022/23 in die höchste Schweizer Spielklasse aufgestiegen sind, verstärkte man sich aus der KHL mit Miro Aaltonen. In seiner ersten Saison konnte er direkt mit dem besten Scorer des Teams, Jonathan Ang, mithalten. Beide kamen auf 49 Scorerpunkte am Ende der Saison - für Aaltonen sein persönlich bester Wert in der National League bis heute.

In der darauffolgenden Saison durchlebte der EHC Kloten eine kleine Baisse, so auch Miro Aaltonen. Am Ende reichte es "nur" für 23 Scorerpunkte, wobei das gesamte Team nicht mehr an die Leistungen aus der Vorsaison anknüpfen konnte.

Doch auf diese Saison hin explodierten die Scoringwerte Aaltonens in einem überraschend starken Klotener Team. Beeindruckende 20 Tore und 15 Assists aus 36 Spielen sorgten dafür, dass der Finne in jedem Spiel das Flammen-Trikot tragen durfte und der EHC Kloten phasenweise ganz oben in der Tabelle angesiedelt war. Ehe er sich selbst mit einer unüberlegten Aktion aus dem Verkehr gezogen hat und wegen eines Dopingtests für einen Monat gesperrt wurde.

Im direkten Vergleich kommt Aaltonen, trotz einer Saison weniger Spielzeit, auf 133 Spiele in der Regular Season. Damit hat er lediglich drei Spiele weniger als Dominik Kahun auf seinem Konto. Der Scoringausbeute von 124 des Deutschen stehen 107 des Finnen gegenüber. Aaltonen erreichte dabei während seiner Zeit beim EHC Kloten immerhin einmal die Playoffs und konnte sich dort noch zwei Scorerpunkte aus drei Spielen gutschreiben lassen.

Es lässt sich festhalten, dass sowohl der Spielertyp, als auch die Scoringausbeute der beiden begnadeten Hockeykünstler erstaunliche Ähnlichkeiten aufweisen. Gesamthaft gesehen ist der Punkteschnitt von Dominik Kahun mit 0,88 dennoch leicht höher als jener von Miro Aaltonen mit 0,79.

Was bringt Miro Aaltonen dem SC Bern?

Der SC Bern verfügt nun mit Adam Reideborn, Austin Czarnik, Victor Ejdsell, Waltteri Mereläs, Lukas Klok, Anton Lindholm, Patrik Nemeth, Hardy Häman Aktell und Miro Aaltonen über neun Import-Spieler. Sechs Spieler dürfen nominell auf dem Matchblatt stehen, weswegen drei Spieler zuschauen müssen. Lindholm fehlt derzeit längerfristig verletzungsbedingt, während auch Lukas Klok noch auf der Verletztenliste steht. Somit gibt es drei Möglichkeiten für den SCB: Entweder man ersetzt Reideborn auf der Goalie-Position, man stabilisiert die Defensive und lässt einen offensiven Topshot auf der Ersatzbank oder aber unter dem Verteidiger-Duo Nemeth / Aktell wird einer zuschauen müssen.

Nichtsdestotrotz bringt Aaltonen vor allem nach dem Abgang Kahuns wieder Tiefe in den Kader und könnte als Spielgestalter und mit seiner Form zur wichtigen Teamstütze der Berner mit Blick auf die Playoffs avancieren. Für den finnischen Offensivmann selbst ist es eine zweite Chance und er kann bereits diese Saison wieder zeigen, warum er zu den Besten der Liga gehört. Ganz nebenbei verfügt er mit dem SCB auch über realistischere Titelchancen als noch mit dem EHC Kloten. Vom Finnen darf man derweilen erwarten, dass er weiterhin Scorerpunkte am Laufband produziert und seine Sturmlinie nochmals besser machen kann.

"Welchen Einfluss er auf das Spiel einer Mannschaft hat, zeigt sich unter anderem daran, dass Kloten seit seiner Sperre dem Ende der Qualifikation entgegentaumelt und womöglich die lange Zeit sicher geglaubte Direktqualifikation für die Playoffs doch noch verspielt."

Klaus Zaugg, watson, 12.02.25

Was bringt Dominik Kahun dem Lausanne HC?

Für den LHC war es ein überaus schlauer Schachzug, sich mit einem der besten Spieler auf Schweizer Eis kurz vor den Playoffs zu verstärken. Kahun gehörte in Bern zu den absoluten Leistungsträgern und war zwei Saisons lang der Topscorer. Das Risiko birgt sich einzig und allein darin, dass der Deutsche zu verletzungsanfällig ist und in dieser Saison noch nicht auf Touren kam. Dennoch haben die Lausanner sowieso schon einen starken Kader mit guter Tiefe. Der Leidtragende dürfte wohl Lauri Panjuniemi sein. Mit Michael Raffl ist der Captain nach seiner Rückkehr höchstwahrscheinlich gesetzt und auch die anderen Import-Spieler rund um Superstar Antti Suomela sind aus dem Spiel des LHC nicht wegzudenken.

Für Lausanne könnte Dominik Kahun zum fehlenden Puzzle-Teil für den Meistertitel avancieren. Der Deutsche bringt ein aussergewöhnliches Skillset mit, um sich nahtlos beim Tabellenleader einzugliedern. Für Kahun ist es zwar keine zweite Chance wie bei Aaltonen, sondern viel mehr ein Befreiungsschlag, um sich beim Meistertitel-Kronfavoriten wieder vollends entfalten zu können.

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2025-02-20 16:00:13