Das Trainer-Karussell dreht sich in der National League munter weiter. Bereits bei fünf Teams kam es auf dem Chefposten zu Veränderungen und auch im Tessin scheint der Stuhl zu wackeln. Wir werfen einen chronologischen Blick auf die Trainer-Situationen der NL-Teams.
Die Jurassier haben diese Saison den Stein als Erstes ins Rollen gebracht. Nach dem miserablen Saisonstart sah man sich schon früh in der Saison gezwungen, die Reissleine zu ziehen und entliess Christian Wohlwend. Lediglich ein Sieg aus 13 Partien gelang unter Wohlwend.
Mit Greg Ireland lief es deutlich besser, denn der HCA wurde schon für das eine oder andere Team zum Stolperstein. Nichtsdestotrotz befindet sich Ajoie auf dem letzten Tabellenplatz und wird wohl oder übel kein Wörtchen um die Playoffs mitreden können. Ob Ireland auch in Zukunft an der Bande stehen wird, ist noch unklar, denn der 59-Jährige besitzt derzeit in Ajoie nur einen Vertrag bis zum Saisonende. Fakt ist, dass dank Ireland die Jurassier einer Blamage in der höchsten Schweizer Spielklasse entgehen, da ihnen der Trainerwechsel bisher zu einem deutlichen Umschwung verholfen hat.
Für die laufende Saison weniger von Brisanz, erstaunte doch die Nachricht, dass nach sieben Jahren in Zug Dan Tangnes den EV Zug verlassen wird und der 45-Jährige nach dieser Saison zu seiner Familie nach Schweden zurückzukehren wird. Der Entschluss kam auch für Sportchef Reto Kläy überraschend, dennoch wollte man dem Erfolgstrainer (zweimal Schweizer Meister und einmal Cupsieger) keine Steine in den Weg legen und akzeptierte seinen Abgang.
Kurz vor Weihnachten präsentierten die Zuger Tangnes' Nachfolger. Auf der Suche nach einem geeigneten Kandidaten wurde man mit Michael Liniger in den eigenen Reihen fündig. Der derzeitige Assistenztrainer wird auf nächste Saison zum Chef befördert. Obwohl mit Wohlwend, Dubé und Co. andere interessante Möglichkeiten auf dem Markt zu finden wären, entschied man sich beim EVZ für den Mann, der die Organisation und die Philosophie des Klubs bestens kennt. Im Coachingstaff der Zuger war man stets von einer attraktiven, mutigen und offensiven Spielweise überzeugt - dies dürfte nächste Saison auch unter Liniger der Fall sein. Erstmals ist jetzt Ruhe eingekehrt nach der Schocknachricht, nun müssen es die Spieler auf dem Eis richten - mit Rang sechs hinken sie noch etwas den Erwartungen hinterher.
Um den kriselnden Lakers neue Impulse zu verleihen, zog man nach sieben Niederlagen in Serie anfangs Dezember die Reissleine und entliess Stefan Hedlund. Nach einem starken Saisonstart kamen die St.Galler immer mehr ins Strudeln und stürzten unter Hedlund auf den 13. Rang ab. Der Schwede war während dreieinhalb Jahre am Obersee tätig und hat die Mannschaft bis auf Platz drei zum Ende der Qualifikationsphase geführt. Zweimal waren die Lakers gar Teilnehmer an der Champions Hockey League.

Obwohl man mit Johan Lundskog, ebenfalls vom Assistenten zum Cheftrainer befördert, eine Lösung bis zum Ende der Saison gefunden hat, stehen beim SCRJ dennoch viele Fragen im Raum. Wer nächste Saison an der Bande stehen wird, ist derzeit noch unklar, dazu bangen die Lakers auf Platz zehn weiterhin um die Qualifikation für die Play-Ins - ein harter Kampf zeichnet sich ab.
Kurz vor Weihnachten gab der HC Fribourg-Gottéron die Entlassung von Patrick Emond bekannt. Da das Team vor allem zu Beginn der Saison nicht vom Fleck kam und sich in der unteren Tabellenhälfte wiederfand, musste eine Veränderung her. Bei Gottéron besteht stets der Anspruch, oben mitzureden und mit Bestimmtheit die direkte Playoff-Quali zu erreichen. Aus diesem Grund war eine solche drastische Massnahme nötig, ehe es zu spät ist und die Vereinsziele verpasst werden.
Mit Lars Leuenberger fand man direkt eine optimale Lösung, denn der neue Chef an der Bande kann schon einen Meistertitel vorweisen nach seinem sensationellen Gewinn der Meisterschaft mit dem SC Bern 2016. Und die Veränderung brachte frischen Wind in die Katakomben der BCF Arena und zeigte direkt Wirkung, denn der HCFG gewann mit Leuenberger fünf von sechs Partien, inklusive des grossen Erfolgs am Spengler Cup in Davos. Innert wenigen Tagen sorgte der 49-Jährige für den ersten Titel der Vereinsgeschichte und einen spürbaren Umschwung.
Doch damit ist das Kapitel noch nicht geschrieben, denn Leuenberger wird trotz seines guten Einstands in Fribourg auf nächste Saison zum Assistenten "degradiert". Aus Schweden wird Roger Rönnberg neu das Team übernehmen. Für die Zukunft ist man also im Trainerteam bestens besetzt. Doch zuerst muss Fribourg nun Plätze gut machen, um die durchzogene laufende Meisterschaftssaison etwas positiver zu gestalten.
Es ist die vierte und jüngste Entlassung der National League, welche in Genf vor der Festtags-Pause vollzogen wurde. Jan Cadieux fiel den gesteigerten Erwartungshaltungen in Genf zum Opfer, lediglich Platz zwölf ist den Verantwortlichen zu wenig. Der 44-Jährige wurde somit auch zum Opfer seines eigenen Erfolges, konnte er doch mit Genève-Servette 2023 den erstmaligen Meistertitel der Vereinsgeschichte feiern und ein Jahr darauf gleich den überragenden Titel in der Champions Hockey League ergattern.

Die Entlassung von Cadieux war eine notwendige Massnahme, kam aber dennoch etwas überraschend. Vor allem wen man sich vor Augen führt, dass er den GSHC erneut in den CHL-Halbfinal coachte. In der Liga reichen die Bemühungen jedoch nicht aus, auf die direkten Playoff-Plätze weist man derzeit zehn Punkte Rückstand auf. Einen "Turnaround" traute man dem gebürtigen Davoser nicht mehr zu, deshalb übernehmen Yorick Treille und Rikard Franzén übergangsmässig die Leitung bei den Grenats. Unter ihnen soll es mit dem Klub auch national wieder bergauf gehen.
Einen Turnaround braucht es in Zürich definitiv nicht, befindet sich doch der amtierende Meister bereits wieder an der Tabellenspitze. Dennoch kam für die Lions-Fans zum Jahresende die traurige Nachricht, dass Marc Crawford seinen Posten aus persönlichen Gründen freigibt.
Neu übernimmt Marco Bayer das Erfolgsteam. Es wird keine einfache Aufgabe sein für den neuen Chef an der Bande, denn die Fussstapfen von Crawford sind gross und diese Lücke muss erstmals gefüllt werden. Dennoch sind die Bedingungen für einen neuen Trainer bei keinem Klub besser als in Zürich. Wie die Zürcher schlussendlich unter Marco Bayer auftreten werden, wird sich zeigen, doch alles andere als ein erneuter Meistertitel wäre für die Lions eine Enttäuschung.
Während die Erwartungen an den HC Ajoie relativ gering sind, so sieht es doch schon deutlich anders aus beim Zweitletzten der Tabelle, dem HC Lugano. Die Tessiner haben den Anspruch auf eine direkte Playoff-Qualifikation, hinken jedoch zurzeit meilenweit hinterher. 39 Punkte aus 31 Spielen ist schlichtwegs ein ungenügendes Abschneiden. Die wenig zufriedenstellende Ausbeute könnte demnächst zum nächsten Köpferollen in der National League führen, denn Luca Gianinazzi scheint nicht mehr so fest im Trainerstuhl zu sitzen wie auch schon.

Schon vergangene Saison kam Stimmen auf, die eine mögliche Entlassung Gianinazzis forderten, ebenfalls nach einem miserablen Saisonstart. Während man in Lugano am Cheftrainer festhält, stellt man sich die Frage: Wie lange kann das noch gut gehen? Denn nun scheint das Fass langsam überzulaufen, sollten es die Luganesi nicht schaffen, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Mögliche Trainerkandidaten wären wie bereits erwähnt vorhanden, gerade Christian Dubé zeigte sich zuletzt einem Engagement bei den Tessiner gegenüber nicht abgeneigt.
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