Vom NL-Rekord, über einen ungewöhnlichen Debütanten bis hin zu verrückten Personalentscheidungen oder sportliche Erfolge und Misserfolge; die National League hatte einiges zu bieten im Monat November. Wir präsentieren euch unsere High- und Lowlights des vergangenen Monats.
Dank acht Siegen aus den letzten zehn Partien übernahm der HC Davos, zumindest vorläufig, die Tabellenführung. Der HCD hat jedoch zwei Spiele mehr auf dem Buckel als direkter Verfolger ZSC. Die Bündner grüssen nun zu Beginn des Dezembers von der Tabellenspitze, aufgrund konstant starker Auftritte im vergangenen Monat. Einzig gegen Ambri-Piotta (nach Overtime) und Fribourg-Gottéron musste man sich geschlagen geben, ansonsten überzeugten die Bündner mit Siegen gegen Top-Teams wie die ZSC Lions, den EV Zug, den SC Bern oder den Lausanne HC.

Und in jenem 6:2-Erfolg gegen den LHC schrieben die Davoser sogar ein Stück National-League-Geschichte mit dem schnellsten Doppelpack in Unterzahl. Innerhalb von zwölf Sekunden stellte das Team von Headcoach Josh Holden im Boxplay das Score von 1:1 auf 3:1 zugunsten der Davoser. Beim HCD läuft es aktuell prächtig, sodass man auch den Vertrag von Head Coach Josh Holden um zwei weitere Jahre verlängert hat. Ein persönliches Highlight erlebte auch Filip Zadina, der den HCD beim 3:1-Sieg gegen den EHC Biel mit seinem Hattrick an die Tabellenspitze beförderte.
Der Genève-Servette HC konnte zum Monatsende gleich deren fünf der letzten sechs Spiele gewinnen. Zwar konnte man vier Siege erst in der Zusatzschlaufe feiern, doch es zeigt das Konzentrationsvermögen und die Durchschlagskraft der Genfer in der Extrazeit. Und solange der GSHC weiterhin die Spiele gewinnt, so sammeln sie fleissig Punkte und werden die Tabelle von hinten aufrollen. Die Genfer befinden sich zudem immer noch bis zu vier Spiele im Rückstand auf einige Teams in der Liga, weshalb die Mannschaft von Trainer Jan Cadieux nach Verlustpunkten sogar noch weiter oben in der Tabelle stehen könnte.
Auch beim HC Fribourg-Gottéron machte sich eine Leistungssteigerung bemerkbar. Mit Siegen gegen den EV Zug oder den HC Davos schöpften die Saanestädter erstmals ihr volles Potenzial aus. Den Schwung aus zwei Siegen zum Monatsende will man nun mitnehmen in den Dezember und den Rest der Saison, um noch ein Wörtchen mitzureden im Kampf um die direkten Playoffplätze. Mit ihrer Punkteausbeute aus dem November konnte man sowohl Genf, Langnau, Ambri-Piotta, Rapperswil-Jona, Lugano als auch Ajoie hinter sich lassen und steht mittlerweile auf dem neunten Tabellenrang.
Nach verschlafenem Saisonstart zeigten die Jurassier im November erstmals, was in ihnen steckt, überzeugten teilweise mit starken Auftritten und waren zum ersten Mal auch wirklich konkurrenzfähig. Ein unerwartetes Ausrufezeichen setzte der HC Ajoie mit dem 2:1-Heimerfolg gegen die ZSC Lions. Aber auch mit Siegen gegen die SCL Tigers, den HC Ambri-Piotta oder den HC Lugano konnten die Jurassier endlich mal überzeugen. Im vergangenen Monat konnte der HCA zudem mit vier Siegen mehr partien für sich entscheiden als Lugano (2), Ambri-Piotta (2), die SCL Tigers (3) oder die SCRJ Lakers (2).
Bei Ajoie stechen vor allem die Import-Leute rund um Jerry Turkulainen, Julius Nättinen und Neuzugang Pierre-Édouard Bellemare heraus. Letzterer kommt auf zwölf Scorerpunkte aus sieben Spielen seit seinem Engagement in Ajoie. Der 39-Jährige, welcher als NHL-Free-Agent nun in Pruntrut landete, ist ein echter Glücksgriff für das Team von Greg Ireland, dem neuen Chef an der Bande.

Wie einst der viermalige Davoser-Meisterheld kam es küzrlich auch in Biel zu einem National-League-Debütanten im Alter von 15 Jahren. Jonah Neuenschwander, der Stürmer des EHC Biel mit Jahrgang 2009, kam im Spiel gegen den Lausanne HC vom 26. November, zu seinem allerersten Einsatz in der höchsten Schweizer Spielklasse. Und lieferte zugleich einen Assist beim 6:1-Kantersieg. Der 190 Zentimeter grosse Flügelspieler überzeugte zuvor in der U20-Elit mit 24 Scorerpunkten aus 26 Spielen.
Neuenschwander wurde als Reaktion auf die Verletzungsmisere bei Biel in den A-Kader befördert. Neben dem 15-jährigen Sturmtalent konnten sich übrigens auch die Junioren Niklas Blessing (18), Gäel Christie (20), Livio Christen (19) und Nolan Cattin (18) über ein Aufgebot freuen.
Des einen Leid ist des anderen Glück, denn obwohl das NL-Debüt von Neuenschwander eine schöne Geschichte ist, so wird es doch von einem Schatten umhüllt. Denn bei den Seeländern fehlen derzeit gleich sieben namhafte Spieler. Im Sturm fallen Luca Cunti, Jérémie Bärtschi, Lias Andersson, Gaëtan Haas und Damien Brunner, sowie in der Verteidigung Yanik Burren und Viktor Lööv aus. Und die Verletzungen sind teils schwerwiegend und sorgen für längerfristige Ausfälle, weswegen sich der EHCB gezwungen sah, den Kader mit Junioren aufzufüllen. Doch ob der sportliche Erfolg so in absehbarer Zukunft nachhaltig gesichert werden kann, bleibt abzuwarten.
Der SC Bern befindet sich im sportlichen Höhenflug. Nach Jahren, in denen man nicht den Erwartungen der Meistersaisons gerecht werden konnte, stellt der SCB diese Saison endlich wieder einen Kader, der als ernstzunehmender Titelkandidat agieren kann. Doch nun folgt ein Transfer-Schock nach dem anderen und zahlreiche elementare Teamstützen verlassen den Klub. Neben Goalie Philip Wüthrich (zu Ambri-Piotta), wechselt auch Abwehrchef Patrik Nemeth (zu Fribourg-Gottéron) und Liga-Topscorer Austin Czarnik (wohl zu Lausanne) die Fronten.
Und das ausgerechnet zu Ligakonkurrenten, was grosse Fragezeichen über die Transferpolitik der Hauptstädter aufwirft. Des Weiteren wird mit Yanick Sablatnig ein weiterer Spieler weiterziehen, währenddessen die ZSC Lions die Verpflichtung von Thierry Bader bekannt gegeben haben. Man kann fast von einer "Now or Never"-Saison sprechen in Bern, bevor durch die ganzen Abgänge ein erneuter Umbruch eingeleitet werden muss. Doch Sorgen machen sich die Verantwortlichen rund um CEO Marc Lüthi, sowie General Manager Patrick Bärtschi und Sportdirektor Martin Plüss keine.
Der Stürmer Chase de Leo wurde aus der KHL als Ersatz für den verletzten Rudolfs Balcers geholt, wobei Klub und Spieler die Idee einer langfristigen Zusammenarbeit hatten. Es war sogar davon die Rede beim US-Amerikaner, dass er sich vorstellen könne, für immer in der Schweiz zu bleiben und er nach seiner Flucht aus Kasachstan endlich im Paradies gelandet sei. Doch nach nur rund vier Wochen ist sein Abenteuer in der Schweiz bereits wieder vorbei und der Vertrag in Zürich wurde in gegenseitigem Einvernehmen aufgelöst.
Der Stürmer meldete sich zu Wort, dass er sich bei den Lions wenig wertgeschätzt gefühlt hatte und er keine faire Chance auf eine rotierende Ausländerposition erhalten hätte. Die ernüchternde Bilanz von einem Scorerpunkt aus sechs Einsätzen, entsprachen nicht den Erwartungen von Klubseite, sowie auch von Seiten des Spielers selbst, welcher sich über mangelnde Einsatzzeiten beklagte. Ein Engagement von Ausländern ist also nicht zwingend immer von Erfolg gekrönt in der Schweiz.
Nach 24 Spielen befindet sich der HC Lugano auf dem zweitletzten Tabellenplatz und das mit einer Torbilanz von -20. Lediglich zwei mickrige Siege konnten die Tessiner im Monat November einfahren, eine Ausbeute, die ganz und gar nicht den Erwartungen den HC Lugano entsprechen. Da nützte auch die langersehnte Rückkehr von Captain und Topscorer der letzten Saison, Calvin Thürkauf, nicht viel.

Zu reden gab auch die verschobene Ehrung von Klublegende Régis Fuchs, welcher eigentlich im Spiel gegen Gottéron in die Hall of Fame hätte aufgenommen werden sollen. Doch der HCL beschloss, dass es aufgrund der sportlichen Misere nicht der richtige Zeitpunkt wäre, eine solche Zeremonie abzuhalten. Kurz darauf verlor man auch diese Partie mit 3:5 und rutschte noch tiefer in die Krise.
Die NZZ fasst die aktuelle Situation des HC Lugano in wenigen Worten aufschlussreich zusammen:
"Lugano sprengt in diesem Winter in vielerlei Hinsicht immer wieder aufs Neue die Vorstellungskraft. Die Darbietungen der letzten Wochen hatten oft die Schaurigkeit eines Stephen-King-Romans. Lugano hat fünf der letzten sechs Spiele verloren und blamierte sich mit teilweise desillusionierenden Auftritten. In der Tabelle ist das Team auf Platz 13 abgerutscht, ein Frevel angesichts der Tradition und vor allem des Budgets dieser Organisation."
Nicola Berger, Neue Zürcher Zeitung, 01. Dezember 2024
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