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Nach der Nati-Pause soll die Leistungssteigerung her

Eine erste Zwischenbilanz des HC Fribourg-Gottéron

Der HC Fribourg-Gottéron erlebte einen Saisonstart weder nach seinen Wünschen noch den Erwartungen. Nach einer starken letzten Saison kommt der HCFG diese Saison noch überhaupt nicht in die Gänge. Im Anschluss an die Nati-Pause soll der Knoten platzen.

Nach 19 Spieltagen steht der HC Fribourg-Gottéron zur ersten längeren Pause, aufgrund des Zusammenzugs des Nationalteams für den Karjala Cup, auf dem elften und somit viertletzten Tabellenplatz. Lediglich der Genève-Servette HC, die SCL Tigers und das Schlusslicht HC Ajoie stehen noch schlechter da. Zeit also ein erstes Fazit über den enttäuschenden Saisonstart der Fribourger zu ziehen und den Gründen auf die Spur gehen.

Zahlen lügen nicht

Am besten kann man die Performance eines Teams anhand von Statistiken belegen, weswegen wir einen Blick auf die Zahlen werfen, ob Fribourg denn wirklich zu den schlechtesten Teams der Liga gehört. Fangen wir damit an, dass die Offensive einfach noch nicht ins Rollen gekommen ist, denn mit 42 erzielten Toren befinden sich die Fribourger Stürmer statistisch auch auf dem verdienten elften Rang. Doch dass das Toreschiessen alleine nicht alles sein kann, beweist der EHC Biel, denn mit lediglich einem Treffer mehr stehen die Seeländer hingegen auf dem vierten Tabellenplatz. Etwas besser, aber dennoch nicht rosig, sieht es in der Defensive aus, denn da befindet sich der HCFG laut den Werten (53 Gegentore) auf dem neunten Rang, sogar vor dem aktuellen Top-Team Lausanne HC. 

Der HC Fribourg-Gottéron rund um Topscorer Marcus Sörensen gehören diese Saison zu den aktivsten Teams in der gegnerischen Zone, kennzeichnen sich aber derzeit durch Ineffizienz vor dem Tor

Betrachten wir die Torausbeute im Detail, so können wir festhalten, dass Fribourg vorne zwar zu den aktivsten Teams der Liga gehört, aber die Spieler wohl ihr Visier einfach nicht präzise genug eingestellt haben. Denn mit 588 Torschüssen haben sie am drittmeisten Schüsse abgegeben, stehen aber mit einer schwachen Torquote von 7,14 Prozent als zweit-ineffizientestes Team der Liga da. Somit nützt es leider nur wenig, wenn man den gegnerischen Kasten zwar voll ballert, aber die Scheibe den Weg einfach nicht ins Tor findet. Mit sagenhaften 225 Schüssen neben das Tor führen die Drachen die Liga in dieser unrühmlichen Statistik sogar an.

Bezüglich der Special-Teams muss man auch festhalten, dass es erneut nicht an der defensiven Leistung liegt, weshalb man die Spiele zurzeit nicht gewinnt, denn mit einer Quote von 81,48 Prozent im Penaltykilling, also im Boxplay, spielt man überdurchschnittlich gut und liegt auf Platz sechs der Liga. Doch auf der anderen Seite findet man im Powerplay, also in Überzahl, so gut wie keine Lösungen, um ein Tor zu erzielen, denn mit 14,29 Prozent teilt man sich den zweitletzten Platz der Liga mit den ZSC Lions. Werte, die halt durchaus spielentscheidend werden können und sicherlich die eine oder andere knappe Partie auf die Siegerstrasse hätte führen können.

Leistungsträger performen nicht

Die Ausrede der Verletzungshexe kann in Fribourg nicht als Begründung für den schwachen Saisonstart hervorgebracht werden, denn die Drachen sind bislang grösstenteils von schwerwiegenden Verletzungssorgen verschont geblieben. Alle Leistungsträger haben jedes der 19 Spiele absolviert. Die derzeit einzigen Ausfälle sind Marco Dufner und Nathan Marchon. 

Doch viel mehr ein Problem ist, dass die Leistungsträger nicht an ihre Pace und ihr Niveau der vergangenen Saison herankommen. Fangen wir an mit dem letztjährigen Ligatopscorer Marcus Sörensen. Der Schwede, der letzte Saison überragende 63 Scorerpunkte gesammelt hat, steht derzeit als teaminterner Topscorer bei 16 Zähler. Dies ist zwar kein schlechter Wert, unter allen Topscorern dennoch nur Platz elf und macht er in dem Tempo weiter, so käme er am Ende der Saison hochgerechnet lediglich auf 44 Punkte. Eine andere Sphäre im Vergleich zur Vorsaison.

Nati-Torhüter Reto Berra kann man diese Saison keinen Vorwurf machen, mit einer Fangquote von 90,36 Prozent spielt er eine genügende Saison, dennoch keine überragende um den HCFG von Sieg zu Sieg zu hexen

Center Lucas Wallmark war ein echter Glücksgriff für Gottéron, konnte er doch eine enorme Leistungssteigerung vollbringen nach seinem Abgang aus Zürich in der vergangenen Saison. Mit 47 Scorerpunkten war er der Zweitbeste in Fribourg, doch diese Saison kommt der Schwede erst auf mittelmässige 12 Punkte und ist auf dem Weg lediglich 33 Punkte einzusammeln. Auch er kommt also noch nicht an sein eigentliches Können heran.

Einen Transfer, den keiner auf dem Schirm hatte, war der plötzliche Abschied von Chris DiDomenico. Die wichtige Teamstütze aus der vergangenen Spielzeit mit 41 Punkten, kam erst auf neun Zähler, als er noch in 16 Spielen im Dress der Drachen zum Einsatz kam. Da auch er unter seinen Erwartungen blieb, konnte man wohl seinen plötzlichen Abgang zum HC Ambri-Piotta etwas besser verkraften.

Auch von Christoph Bertschy muss nach der Nati-Pause mehr kommen. Ein Grund, weshalb der Romand wohl eine Verschnaufpause von Nati-Trainer Patrick Fischer für den Karjala Cup bekommt, ist um sich voll und ganz zu erholen und sich auf seinen Klub zu konzentrieren. Denn mit zehn Punkten aus 19 Spielen konnte auch der WM-Silberheld noch nicht annähernd sein volles Potenzial ausschöpfen.

Die letzte Personalie ist Import-Verteidiger Ryan Gunderson. Der US-Amerikaner kommt ebenfalls erst auf neun Scorerpunkte und ist somit auf dem Weg, wenn er so weiter macht, seine bisher schlechteste NL-Saison zu absolvieren seit seinem Engagement in der Schweiz. Und das in seinem sechsten Jahr in Fribourg soll was heissen.

Vollgepackter Spielplan

Dies soll keine Ausrede sein, schliesslich sind das alles Vollprofis, doch die Mannschaft von Trainer Patrick Emond steht als eines von nur fünf Teams da, die bereits 19 Liga-Spiele absolviert haben. Zusätzlich zur Meisterschaftsbelastung kommen noch die Einsätze in der Champions Hockey League. Alleine im Oktober spielten die Drachen zwölf Spiele in der Meisterschaft und zwei Spiele in der CHL.

Und auch in absehbarer Zukunft werden die Spieler von Fribourg einiges mehr zu tun kriegen, da man in der CHL-Ausscheidungsphase noch gegen die Växjö Lakers antreten muss und im Dezember am prestigeträchtigen Spengler Cup teilnehmen wird. 

Der Coaching-Staff rund um Headcoach Patrick Emond muss nun während der Nati-Pause an den richtigen Schrauben drehen, um den Knoten bei seinen Jungs platzen zu lassen

Das Licht am Ende des Tunnels

Nicht alles lief schlecht im Spiel des HC Fribourg-Gottéron, denn viele Spiele hat man nur knapp verloren oder man hatte einfach auch wenig Spielglück auf seiner Seite. Viermal musste Gottéron in die Overtime und viermal verlor man das Spiel, verlorene Punkte, die schmerzen. Mit mehr Konstanz über die volle Länge kann man wohl solche Begegnungen in Zukunft für sich entscheiden. Oft war Fribourg, wie wir gesehen haben, das aktivere Team und besetzte die gegnerische Zone, aber die Scheibe wollte einfach nicht den Weg ins Tor finden. Mit der erfolglosen Abwärtsspirale kommt dann auch noch das fehlende Selbstvertrauen hinzu und so kommt es, dass viele der Spieler bisher noch nicht ihr volles Potenzial ausschöpfen konnten. Aber mit harter Arbeit, dem Ziel vor Augen und steigendem Selbstvertrauen, können sich die Drachen definitiv aus dem Tabellenkeller befreien. 

Aber was heisst den befreien? Denn punktemässig befinden sie sich auch gar nicht mal so tief in der Krise. Mit 22 Zählern steht man punktgleich mit dem HC Lugano (HCFG trotzdem auf Rang elf, weil sie mehr Spiele absolviert haben), welcher sich auf Platz 10 schon auf einem Play-In-Platz befindet. Auf die direkten Playoffs-Plätze fehlen lediglich sieben Punkte, ein schliessbare Lücke, bedenkt man wie lange die Regular Season noch gehen wird. Kein Grund zur Panik also, sondern ein Ansporn, um jetzt an den richtigen Schrauben zu drehen. Und so ist es dem HC Fribourg-Gottéron durchaus zuzutrauen, dass sie nach der wohltuenden Nati-Pause eine ordentliche Leistungssteigerung an den Tag legen werden. Die grandiose Unterstützung der Fans werden sie auf jeden Fall an jedem Spiel spüren, denn trotz schlechtem Saisonstart ist die BCF Arena an jedem Heimspiel restlos ausverkauft.

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2024-11-04 10:00:12