Wir stellen euch in unserer Serie zu den Legenden der National League in unregelmässigen Abständen jeweils einen aussergewöhnlichen Spieler etwas genauer vor. Heute an der Reihe ist der Simon Gamache!
Der Kanadier aus Thetford Mines in der Provinz Quebec zeigte seine Qualitäten bereits in der Juniorenliga QMJHL. Für Val-d'Or Foreurs erzielte er in seiner letzten Saison 184 Scorerpunkte in 72 Spielen und liess in den Playoffs weitere 57 Zähler folgen. Am Ende konnte er mit seinem Team die Trophäe in die Höhe stemmen. Wer nun denkt, für Gamache ging es direkt in die NHL, hat sich schwer getäuscht.
Der heute 43-Jährige wurde nie gedraftet, erhielt aber einen Vertrag bei den Chicago Wolves. Dabei wurde er aber auch in die ECHL abgeschoben.In der zweiten Saison blieb ihm das verwehrt und er konnte sogar seine ersten beiden NHL-Spiele für die Atlanta Trashers absolvieren. Er wurde noch während der Spielzeit getradet und stand für die Nashville Predators in sieben Partien im Einsatz. Gamache erzielte seinen ersten Treffer in der besten Liga der Welt. Er wechselte noch bis 2006 zwischen NHL und AHL hin und her. Dann holte ihn der SC Bern in die Schweiz.
John Van Boxmeer, der damalige Coach der Mutzen, setzte voll auf Simon Gamache und forcierte ihn regelmässig. Gamache schlug so richtig ein. Die Regular Season dauerte damals noch 44 Partien. Dabei kam er auf 66 Scorerpunkte. Bei den Bernern war er natürlich sogleich ein Fanliebling. Wenig überraschend führte der Kanadier auch die Topscorerliste in der gesamten Liga an. Alexandre Daigle, der damals für den HCD auflief, lag an zweiter Stelle mit 61 Zählern. Davos gewann auch die Regular Season mit einem Punkt vor den Mutzen.
In den Playoffs kam es dann auch zum Finale, das alle erwartet hatten. Gamache kam in 16 Partien auf 16 Zähler, konnte die Mutzen aber nicht zum Titel schiessen. Der HC Davos gewann das siebte Spiel zu Hause mit 1:0.
Simon Gamache hat mit seinen Leistungen die Toronto Maple Leafs beeindruckt und erhielt einen Vertrag. Er kam in elf NHL-Spielen zum Einsatz, schoss zwei Tore und kam auf ebenso viele Assists. 17 Partien absolvierte er in der AHL und dann folgte die Rückkehr zum SCB. Der befand sich noch in der Regular Season und Gamache wusste in den verbleibenden 17 Spielen zu überzeugen. Die Playoffs wurden aber zur Misere und der SCB verlor als überragender Qualifikationssieger den Viertelfinal gegen den HC Fribourg-Gottéron mit 2:4 in der Serie. Der Albtraum wiederholte sich für die Berner gleich noch einmal. 2008/09 wurden sie wieder Qualifikationssieger und scheiterten in den Playoffs direkt am EV Zug.
Es kam zum Trainerwechsel. John Van Boxmeer wurde durch Larry Huras ersetzt und das hatte auch Folgen für Simon Gamache. Der Publikumsliebling sagte in einem Interview gegenüber der Berner Zeitung: "Unter Larrys Vorgänger John Van Boxmeer wurde ich viel stärker forciert, erhielt mehr Eiszeit, war fix in die «Special Teams» integriert. Aber es gehört zum Eishockey, dass ein neuer Trainer neue Ideen bringt. Ich schaue immer, auf welche Weise ich dem Team am meisten bringen kann." In nur 30 Spielen kam Gamache auf 22 Scorerpunkte. Erstmals blieb er unter einem Zähler pro Spiel.
Die Methoden von Huras funktionierten aber, denn für den SCB lief es wieder besser. Qualifikationssieger wurden die Mutzen erneut und in den Playoffs wurden Lugano und Kloten gleich mit 4:0 in der Serie aus dem Weg geräumt. Im Final wartete der Genève-Servette HC und es wurden viele Geschichten geschrieben. Zum Beispiel das Airhook-Tor von Thomas Derungs. Simone Gamache kam in den Playoffs in zehn Spielen zum Einsatz und sammelte zehn Scorerpunkte. Dann war da aber noch die eine Szene. Im zweiten Finalspiel hielt ihm Derungs lange den Handschuh ins Gesicht und schliesslich biss Gamache dem Genfer in den Finger. Larry Huras sagte nach dem Spiel im Interview mit SRF Sport: "Man geht nicht mit der Hand in den Mund, das ist gefährlich. Aber diese Québécois, die sind gefährlich und immer hungrig." Gamache kam ohne Strafe davon und war beim 4:1-Sieg im siebten Spiel noch an einem Tor beteiligt.
Larry Huras blieb nach dem Titel natürlich Trainer des SC Bern und die Situation für Gamache wurde nicht einfacher. Während der Qualifikation wurde er gar für sechs Spiele an den HC Fribourg-Gottéron ausgeliehen. Er sammelte direkt elf Scorerpunkte. In Bern kam er in 26 Spielen auf 25 Zähler. In den Playoffs endeten die Hoffnungen auf den zweiten Titel im Halbfinal gegen den EHC Kloten. Das waren auch die letzten Spiele Gamaches für den SC Bern.
In der Saison 2010/11 wurde Gamache noch an die Saanestädter ausgeliehen, jetzt lief er permanent für sie auf. Gleich in der ersten Regular Season absolvierte er alle 50 Partien und sammelte 45 Scorerpunkte. Ein Unterschied zu den 30, resp. 26 Spielen in Bern. Er hatte wieder eine wichtige Rolle inne und das merkte man ihm an. Gleich in seiner ersten Saison kam es in den Playoffs zum Wiedersehen mit dem SCB. Im Halbfinal gewannen die Mutzen aber klar mit 4:1 in der Serie.
Eine Niederlage, die sicherlich auch für Gamache schwierig abzuhacken war, es sollte aber noch schlimmer kommen. In der darauffolgenden Saison kam Gottéron erneut in die Playoffs und schaffte es bis in den Final. Dort wartete mit dem SC Bern ein grosser Brocken. Über sechs Spiele duellierten sich die beiden Teams und am Ende jubelten die Mutzen. Es sollte die letzte Serie von Gamache im Schweizer Eishockey gewesen sein.
Den Kanadier zog es weiter nach Mannheim in die DEL. 2016/17 absolvierte er seine letzte Saison in der Heimat in Kanada, ehe er seine Karriere beendete. Gerade in Bern und Fribourg wird Gamache aber noch lange in Erinnerung bleiben.
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