Wer das diesjährige Trainingscamp der Montreal Canadiens verfolgt hat, dürfte sich vor dem Saisonstart verwundert die Augen gerieben haben. Die sportliche Führung des kanadischen Traditionsteams hat die finalen Kaderschnitte vorgenommen und gleich zehn Profis zum Farmteam Laval Rocket geschickt.
Das grösste Beben ereignete sich auf der Torhüterposition. Die Eishockey-Fachwelt ging den gesamten Sommer über fest davon aus, dass Montreal mit dem Duo Jakub Dobeš und Jacob Fowler in die Saison starten würde. Die Position des tschechischen Goalies Dobeš ist nach der vergangenen Spielzeit unantastbar.
Als umjubelter Rückhalt führte er die „Habs“ bis ins Finale der Eastern Conference (90,8 % Fangquote in 19 Playoff-Partien), nachdem er bereits in der regulären Saison beachtliche 43 Einsätze absolviert hatte. Das Management belohnte ihn im Sommer mit einem lukrativen Dreijahresvertrag über 5,35 Millionen US-Dollar pro Saison.
Fowler war eigentlich als verlässlicher Backup eingeplant. In der vergangenen Saison hatte er den strauchelnden Samuel Montembeault in 17 NHL-Partien (90,8 % Fangquote) erfolgreich von der Nummer-zwei-Position verdrängt. Doch der erfahrene Kanadier gab sich nicht kampflos geschlagen: Montembeault präsentierte sich im diesjährigen Camp in glänzender Form, eroberte seinen Platz hinter Dobeš im Eiltempo zurück und schickte den überraschten Fowler damit direkt ins Farmteam.
Ein ähnlich unerwartetes Szenario spielte sich in der Defensive ab. Österreichs Toptalent David Reinbacher lieferte eine herausragende Vorbereitung ab und schien vollkommen bereit für die NHL. Der renommierte Experte Craig Button zeigte sich überzeugt, dass der Youngster schon jetzt in die Eröffnungsaufstellung gehört.
Selbst General Manager Kent Hughes lobte die Verfassung des jungen Verteidigers öffentlich und verriet, dass die Anerkennung direkt von den Führungsspielern der Kabine kam – aus dem Mund eines Club-Chefs ein bemerkenswertes Kompliment. Das harte Profigeschäft forderte jedoch seinen Tribut im direkten Duell um den letzten freien Kaderplatz in der Abwehr, den sich letztlich Jayden Struble sicherte.
Aus Sicht ihrer weiteren Entwicklung ist die Versetzung von Fowler und Reinbacher in die AHL keineswegs ein Rückschlag. In Laval wartet viel Eiszeit auf die beiden – Minuten, die sie im voll besetzten NHL-Kader der Canadiens kaum bekommen hätten. Bleibt der österreichische Verteidiger verletzungsfrei und hält sein Niveau, ist seine Berufung ins NHL-Team nur noch eine Frage der Zeit.
Zudem sendet dieser Schritt ein deutliches Signal an die Konkurrenz: Montreal verfügt mittlerweile über eine derart enorme Kaderbreite und Qualität, dass man es sich leisten kann, Akteure in der AHL reifen zu lassen, die bei anderen Organisationen ohne Weiteres in der NHL auf dem Eis stünden.
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