Nach der Saison stellt sich immer wieder die Frage, ob es ein Schweizer aus einer europäischen Liga zu einer NHL-Organisation ziehen könnte. Zuletzt haben diesen Schritt unter anderem Connor Hughes, Leon Muggli, Gregory Hofmann und Pius Suter oder mit David Reinbacher, ein Österreicher aus dem Nachwuchs des EHC Kloten, geschafft. In diesem ersten Teil wollen wir drei Spieler genauer unter die Lupe nehmen.
Beginnen müssen wir mit Torhüter Stéphane Charlin. Er absolvierte eine herausragende Saison bei den SCL Tigers und wird in der kommenden Saison höchstwahrscheinlich für den Genève-Servette HC auflaufen. Bis zum 15. Juni hätte er alle Dings noch die Möglichkeit, einen Vertrag bei einer NHL-Franchise zu unterzeichnen. So stellt sich die Frage: Hat Charlin das Zeug zum NHL-Goalie?
Um diese Frage zu beantworten, müssen wir mehrere Faktoren beachten. Der erste Faktor ist die Grösse. Gerade bei Torhütern spielt die Grösse eine entscheidende Rolle. Mit 1.91 Metern passt diese bei Charlin. Der zweite Faktor ist der Vergleich mit Connor Hughes, der im letzten Sommer nach Nordamerika gewechselt ist. Der schweizerisch-kanadische Doppelbürger kam auf eine Fangquote von 94 Prozent in der Regular Season und 93.3 Prozent in den Playoffs. Diese Werte erreichte er beim zweitbesten Team der Liga. Stéphane Charlin war mit ein Grund, weshalb die SCL Tigers eine der besten Defensiven der Liga stellten und die Qualifikation für die Playoffs schafften. Seine Fangquote in der Regular Season war mit 94.6 Prozent überragend. In den Playoffs wies er 92.3 Prozent abgewehrte Schüsse auf und das gegen den späteren Finalisten.
Alleine von diesen Vergleichen her, hat Stéphane Charlin das Zeug dazu, einen Vertrag bei einer NHL-Franchise zu unterzeichnen. Da der Schlussmann wohl noch an der Weltmeisterschaft im Einsatz stehen wird, werden die NHL-Scouts noch einmal ganz genau hinschauen. Die Erkenntnisse werden an die Organisationen weitergegeben und dann wird entschieden, ob Charlin verpflichtet wird.
Spiel Charlin eine gute WM, ist ein Wechsel nach Nordamerika nicht unwahrscheinlich. Er wird sich aber wohl, wie Hughes, durch die Mühlen der AHL kämpfen müssen.
Der Schweizer Nationalspieler wechselte auf die vergangene Saison hin nach Schweden, wo er sich Frölunda angeschlossen hatte. In seiner ersten Saison kam der 26-Jährige auf sieben Tore und 20 Vorlagen in 50 Partien, inklusive der Playoffs. In Schweden ist das Spiel laut diversen Aussagen von Spielern deutlich defensiver eingestellt. Das wird auch Egli die Möglichkeit gegeben haben, sein Defensivspiel zu verbessern.
Im Endeffekt könnte das ein entscheidender Punkt sein, weshalb es für den Verteidiger endlich für eine Weltmeisterschaft reich. In den Jahren zuvor standen ihm jeweils andere Offensivspieler vor der Sonne. Aus Schweden schaffen es deutlich mehr Spieler in die NHL, als aus der Schweiz. Entsprechend werden auch deutlich mehr Scouts mal einen Blick auf Egli werfen. Im Mittelpunkt stehen aber in der Regel die vielen jungen Spieler in der SHL.
Das grösste Problem für Egli dürfte in erster Linie seine Grösse sein. Auf dem kleinen Eisfeld in der NHL geht in der Defensive noch immer viel über die Härte. Ob Egli mit seinen 1.74 Metern Körpergrösse mithalten kann, darf infrage gestellt werden, ohne seine Klasse auf dem Eis zu schmälern.
Deshalb wäre es durchaus eine Überraschung, sollte der Schweizer Verteidiger den Schritt in eine NHL-Organisation schaffen.
Der dritte und letzte Spieler, den wir in diesem Teil unter die Lupe nehmen, ist Théo Rochette vom Lausanne HC. Der Stürmer mit Jahrgang 2002 fiel im dritten Playoff-Finalspiel mit einem Hattrick auf. In der Regular Season kam Rochette auf 31 Scorerpunkte in 38 Partien. In den Playoffs konnte er mit 17 Zählern in 19 Spielen überzeugen. Gregory Hofmann kam vor seinem Schritt in die NHL auf über einen Punkt pro Spiel, sowohl in der Regular Season als auch in den Playoffs. Pius Suter in der Regular Season 2019/20 ebenfalls.
Von den Scorerpunkten her ist Rochette also noch nicht ganz da, wo Hofmann und Suter zum Zeitpunkt waren, als die NHL-Franchises ihnen einen Vertrag unterbreitet hatten. Bei Rochette war zudem eine Überraschung, dass er im NHL-Draft übergangen wurde. Ein Grund dafür war die Grösse des Stürmers. Mit 1.80 Metern gehört er zu den kleineren Spielern in der NHL und die Grösse ist auch heute noch sehr relevant. Weiter hatte er das Pech, dass sein Draftjahrgang auf die COVID-Pandemie gefallen war. Er konnte entsprechend nicht ganz so viel von Scouts beobachtet werden. Zudem explodierte er in der QMJHL erst nach seinem Draftjahrgang.
Bei Rochette dürfte zudem ein wichtiger Punkt sein, ob er in einer der Offensivlinien spielen kann. Wird ihm das verwehrt, ist ein Durchsetzen in der NHL unwahrscheinlicher. Steigert er sich in der National League aber weiter, dann wäre es eine Überraschung, sollte er nie einen NHL-Vertrag erhalten. Wir glauben aber, dass es in diesem Sommer noch nicht der Fall sein wird.
Dominik Egli Eishockey Frölunda HC Genève-Servette HC Lausanne HC Maic Frieden National League NHL SCL Tigers Stéphane Charlin Svenska Hockeyligan (SHL) Théo Rochette