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Das noch offene Rätsel um Moser und zwei Debütanten lassen den SCB erneut in die Röhre gucken

Analyse zum Schweizer WM-Team

Die Heim-WM rückt immer näher. Elf Tage vor dem ersten Spiel gegen die USA hat Nati-Trainer Jan Cadieux ein weiteres Roster-Update gegeben. 29 Spieler umfasst das Aufgebot zurzeit, vier bis sechs Spieler werden noch abreisen müssen.

Alternativlos im Tor

Die Schweiz hat viele gute Goalies. Dies zeigt sich beispielsweise bei Stéphane Charlin, der so vielseitig und stark veranlagt ist, aber trotzdem die Heimreise antreten muss und die WM vor dem Fernseher verfolgen wird. Eine Lösung mit Charlin gab es allerdings nicht wirklich.

Zu gut waren Reto Berra und Sandro Aeschlimann in den Playoffs. Berra hat in seiner letzten Saison den HC Fribourg-Gottéron zum Meistertitel gehext, war die grosse Figur. Dies soll etwas heissen, denn auch Aeschlimann brachte die Freiburger mehrfach zur Verzweiflung, wurde aber eben von seinem Gegenstück ausgestochen.

Die Form der beiden ist derzeit derart gut, dass es sogar fraglich ist, ob Leonardo Genoni tatsächlich als Nummer 1 ins Turnier gehen wird. Der 38-Jährige hat nicht die beste Saison hinter sich, konnte sich für einmal auch in den Playoffs nicht wirklich steigern. Trotzdem weiss man: Im Nati-Trikot ist und bleibt Genoni eine Macht.

Einzig Akira Schmid hätte an der Rangordnung dieser drei Goalies noch etwas ändern können. Dieser ist aktuell allerdings mit den Vegas Golden Knights noch in den NHL-Playoffs vertreten. So oder so muss man aber sagen: Ein Goalie-Problem haben die Schweizer definitiv nicht.

Gewichtige Ausfälle in der Defensive

Gemeinsam mit Kanada hatte die Schweiz an der vergangenen WM die beste Defensive, obwohl die Nati zwei Spiele mehr absolviert hat. Dies lag einerseits natürlich an Genoni, andererseits aber auch an der extrem sattelfesten Defensive.

Nach den Verletzungen von Roman Josi und Nico Hischier trug plötzlich Andrea Glauser das C auf der Brust, und füllte die Rolle mit grösster Souveränität aus. Der Fribourg-Verteidiger verletzte sich allerdings in den Playoff-Viertelfinals und musste die Saison vorzeitig beenden.

So wären die Hoffnungen – neben Roman Josi, der in diesem Jahr wieder Teil des Aufgebots ist – natürlich auch auf Jonas Siegenthaler geruht. Allerdings muss auch der Verteidiger der New Jersey Devils verletzt passen. So stellt sich die Frage, wer dem Team die nötige defensive Stabilität verleihen soll.

Kommt auch der Glauser-Ersatz vom Meister?

Für einige kam womöglich das Aufgebot für Simon Seiler überraschend. Der Ostschweizer musste während der Regular Season teilweise gar zusehen, kam durchschnittlich nur auf 10:55 Minuten Eiszeit. Ganz anders in den Playoffs: Nach der Verletzung von Glauser wurde Seiler zu einer der grossen Entdeckungen, stand über 18 Minuten pro Spiel auf dem Eis und nahm unter anderem Matej Stransky grösstenteils aus dem Spiel.

Natürlich gibt es für Glauser keinen 1-zu-1-Ersatz. Eine ähnliche Rolle könnte aber nicht nur Seiler einnehmen, sondern auch jemand vom Final-Gegner HC Davos. Sven Jung meldete seine Ambitionen auf einen fixen Platz in der Nationalmannschaft mit starken Leistungen an. Gar noch besser lief es in den vergangenen Monaten für Lukas Frick. Dieser wäre wohl aufgrund seiner Postur aber eher ein Ersatz für Jonas Siegenthaler.

Fix sind wohl nur drei Verteidiger – kommt Moser?

In den vergangenen Jahren trat die Nati die Reise zu Weltmeisterschaften meist mit acht Verteidigern an. Zurzeit sind im Aufgebot zehn Verteidiger. Mit Janis Moser ist zudem erst in der Nacht auf Montag ein weiterer Schweizer aus dem Rennen um den Stanley Cup ausgeschieden, er dürfte wohl noch dazustossen.

So dürfte der Traum von drei derzeit aufgebotenen Verteidigern bereits bald wieder zu Ende sein. Fix ist sicherlich Roman Josi, auch Dean Kukan und Lukas Frick haben sehr gute Chancen. Gehen wir von diesen drei und Moser aus, so wären für die restlichen sieben Verteidiger noch vier Plätze zu vergeben.

Für die Romandie-Vertreter dürfte es eng werden

Besonders bitter könnte es für Sven Jung werden, der im vergangenen Jahr so lange mit dabei war, schlussendlich aber nicht für die WM registriert wurde. Sein grosser Vorteil sind die Playoffs, wo er wirklich brillieren konnte und immer noch im Schuss sein dürfte. Trotzdem ist eine weitere Enttäuschung nicht ausgeschlossen.

Eigentlich immer Teil der Nati war in den vergangenen Jahren auch Christian Marti, der zuletzt – wie die Mehrheit der ZSC Lions – aber nicht mehr ganz so überzeugend aufgetreten ist. So dürfte er sich in diesem Jahr nicht mehr ganz so sicher sein, gerade weil Seiler ähnliche Qualitäten vorzuweisen hat.

Bei den weiteren vier Verteidigern gibt es einen harten Kampf. Einen Favoriten auf den WM-Platz zu erküren, gestaltet sich zwischen Dominik Egli, Tim Berni, Fabian Heldner und Giancarlo Chanton eher schwierig. Dominik Egli hat die schwedische Härte als leichten Vorteil, Chanton seine Unerfahrenheit womöglich als leichten Nachteil.

Playoff-Finalisten machen die Wahl schwierig

In der Offensive kann Jan Cadieux mit Nico Hischier, Nino Niederreiter, Timo Meier und Pius Suter sicherlich auf vier NHL-Spieler zurückgreifen. Bei Philipp Kurashev laufen die Abklärungen noch. Kommt auch der Emmentaler, so wären fünf der wohl 14 Plätze bereits vergeben.

Von den zwölf zurzeit nominierten Nicht-NHL-Spielern müssten so noch drei in den sauren Apfel beissen. Die vier Playoff-Finalisten dürfen sich ihrer Sache also noch nicht sicher sein, auch wenn zumindest bei Christoph Bertschy schwer davon auszugehen ist, dass er bei den Spielen in Zürich mit von der Partie sein wird – gerade auch dank seines exzellenten Box-Play-Spiels.

Simon Knak konnte bei vergangenen Turnieren mit viel Energie überzeugen, dürfte auch an der WM wieder sein Können zeigen dürfen. Ähnliche Fähigkeiten bringt Attilio Biasca mit, der allerdings noch auf seinen ersten Einsatz bei einem Grossturnier wartet. Für den 23-Jährigen dürfte der grosse Moment nun gekommen sein.

Mit Yannick Frehner gibt es auch einen Debütanten in der Nati. Seine Geschichte lässt sich ein wenig mit jener von Simon Seiler vergleichen. Seine Regular Season war keineswegs schlecht, trotzdem überraschte, welch grosse Rolle er in den Playoffs – allen voran im Finale – plötzlich innehatte. Ob er in einem für ihn neuen Team eine ähnlich grosse Rolle einnehmen kann, ist allerdings fraglich.

Der ewig ignorierte Rochette?

Bei den verbleibenden acht Spielern scheinen bereits vier gesetzt. Damien Riat und Ken Jäger sind in der Nationalmannschaft seit mehreren Jahren fester Bestandteil und zeigten auch immer wieder gute Leistungen. Auf einen Mann der Klasse von Denis Malgin kann Cadieux ohnehin nicht verzichten, und auch Tyler Moy wusste in der Nati immer wieder zu überzeugen.

Sicher gesetzt wäre auch Sven Andrighetto. Bei ihm gibt es allerdings ein grosses Fragezeichen: In den Playoffs zog er sich eine Gehirnerschütterung zu, konnte in allen Vorbereitungsspielen bisher nicht mitmachen. Einen nicht komplett fitten Spieler mitzunehmen, wäre für Cadieux ein wohl zu hohes Risiko.

So bleiben noch Calvin Thürkauf, Nicolas Baechler und Theo Rochette. Thürkauf ist eigentlich eine feste Grösse in der Nati, hatte aber zuletzt Ladehemmungen. Für den Lugano-Stürmer spricht, dass er einer der wenigen klassischen Center im Kader ist und mit seiner Physis immer wieder Zeichen setzen kann.

Für Nicolas Baechler und Theo Rochette hingegen dürfte es knapp werden. Baechler bewies sich zwar immer wieder als guter Spieler für die vierte Linie, seine Rolle können aber auch andere einnehmen. Rochettes Potenzial ist unbestritten, so wirklich zeigen konnte er es bisher aber noch nicht. Bei ihm dürfte viel von den Fitnesszuständen von Andrighetto und Kurashev abhängen.

Die Playoffs dienen als Bühne, die Play-Ins kaum

Was bereits jetzt auffällig ist am Kader der Schweizer Nationalmannschaft: Das Abschneiden des Vereins in der National League hat grossen Einfluss auf das Standing in der Nationalmannschaft. 24 NL-Akteure sind derzeit im Aufgebot vertreten, alle davon waren auch in den Playoffs.

2025 war das erste Mal seit 1987, dass der SC Bern bei einer WM keinen Schweizer Spieler als Vertretung hatte. Nun ist es, nach einer schwachen Saison, bereits das zweite Mal in Folge der Fall. Auch das zweite Play-In-Team, das sich nicht für die Playoffs qualifizieren konnte, bleibt ohne Nati-Spieler. Mit Gaetan Haas musste der letzte verbliebene Spieler des EHC Biel-Bienne nach Hause.

Die beiden Gewinnerteams aus den Play-Ins haben es jedoch auch nicht einfach. So steht nur noch Leonardo Genoni vom EV Zug im Aufgebot, bei den SC Rapperswil-Jona Lakers ist es nur Tyler Moy. Die Playoff-Teams haben schon mehr Chancen, doch noch ist nicht klar, ob der Genève-Servette HC und der HC Lugano dann auch wirklich vertreten sind.

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2026-05-04 19:22:55