Die Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft startet in die dritte Phase ihrer Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft. Im Zuge der jüngsten Kaderreduktion mussten acht Spieler die Mannschaft verlassen. Doch das Aufgebot ist noch nicht in Stein gemeisselt: Nach dem Ende des Playoff-Finals werden weitere Spieler zur Auswahl stossen, was zu weiteren Veränderungen führen dürfte. Wir blicken auf potenzielle Wackelkandidaten, mögliche Nachzügler und wagen eine erste Prognose für den finalen WM-Kader.
Mit dem dritten Aufgebot für die WM-Vorbereitung mussten gleich acht Spieler die Schweizer Nati verlassen. Nicht mehr zum Kader gehören Torhüter Ludovic Waeber, die Verteidiger Iñaki Baragano, Tobias Geisser und Ludvig Johnson sowie die Stürmer Marco Miranda, Axel Simic und Jonas Taibel. Attilio Biasca schied zudem verletzungsbedingt aus der WM-Vorbereitung aus. Allesamt wurden sie ersetzt durch folgende Spieler: Torhüter Sandro Aeschlimann, den Verteidigern Michael Fora, Sven Jung und Dominik Egli sowie den Stürmern Andres Ambühl, Simon Knak, Christoph Bertschy, Sandro Schmid und Samuel Walser.
Doch das jüngste Aufgebot entspricht noch bei weitem nicht dem finalen WM-Kader, allen voran, da mit dem Final-Duell zwischen dem Quali-Sieger aus Lausanne und dem amtierenden Meister aus Zürich noch einige Hochkaräter fehlen. Zudem könnte von Übersee immer noch NHL-Verstärkung eintreffen. Derzeit befinden sich zudem 27 Spieler im Aufgebot, für die WM werden jedoch wohl zwischen 24 und 26 Plätze vergeben, mit allfälligen Ersatzmännern in der Hinterhand. Dies ist natürlich auch abhängig von der Geduld von Patrick Fischer bezüglich den NHL-Verstärkungsspielern.
Wir werfen somit einen Blick auf die möglichen Kandidaten, welche einem letzten Kader-Cut zum Opfer fallen könnten. Des Weiteren betrachten wir die Nachzügler, die sich über ein WM-Aufgebot freuen könnten. Zu guter Letzt gibt es immer noch die Möglichkeit, dass Verstärkung aus der NHL eintreffen wird.
Unter den Verteidigern befinden sich im Grunde vier Kandidaten, welche allesamt auf gleich hohem Niveau spielen, jedoch keiner so richtig heraussticht, um im Team von Patrick Fischer gesetzt zu sein. Mit Rodwin Dionicio und Giancarlo Chanton sind derzeit noch zwei junge Verteidiger im Kader, welche beide in dieser Saison ihr Nati-Debüt feiern konnten. Für sie dürfte die WM-Bühne noch ein Schritt entfernt sein, jedoch gelten sie als Versprechen für die Zukunft.
Dario Wüthrich ist zwar ein erfahrener National-League-Spieler, kam in der Nati aber eher selten zum Einsatz. Der HCAP-Verteidiger wird wohl auf sein WM-Debüt warten müssen. Dasselbe Schicksal könnte auch dem 28-jährigen Roger Karrer zuteilwerden. 40 Spiele absolvierte der GSHC-Verteidiger in dieser Saison und durfte schon öfters für die Schweizer Nati auflaufen, doch für die WM reichte es bis anhin noch nie.

Dass Samuel Walser nach zwei Jahren der Abwesenheit wieder das Nati-Trikot anziehen darf, ist zwar eine schöne Geschichte, dass der 32-jährige Stürmer von Gottéron jedoch an der WM auflaufen wird, ist unwahrscheinlich, trotz starker Playoff-Performance.
Mischa Ramel gehört zu den Aufsteigern der Saison im Überraschungsteam aus Kloten. Dass Patrick Fischer jedoch den Jungspund nach seinem Durchbruch direkt ins internationale Haifischbecken werfen wird, wagt man zu bezweifeln.
Marc Marchon, Thierry Bader und Simon Knak werden wohl einfach Opfer der Nachzügler. Allesamt würden sie das Rüstzeug für eine WM mitbringen. Sie stehen jedoch im Schatten der Schweizer Spieler der beiden Löwen-Mannschaften, welche derzeit im Playoff-Finale um den Schweizermeistertitel kämpfen.
Sollte keine Verstärkung aus Übersee eintreffen, so ist es gut vorstellbar, dass die beiden Berner Offensivkräfte Marco Lehmann und Fabian Ritzmann mit nach Dänemark reisen werden. Lehmann ist ein pfeilschneller, abschlussstarker Stürmer und Ritzmann ein grossgewachsener Center, der in der Vorbereitung für Furore sorgte. Sollten jedoch Philipp Kurashev und Pius Suter ihre NHL-Zukunft geregelt haben, so würden sie mit Bestimmtheit ins WM-Lager einrücken. Lehmann und Ritzmann müssten dann wohl Platz machen.

Praktisch alle vier ZSC-Akteure gehören zur Schweizer Hockey-Elite und dürften im Team von Patrick Fischer gesetzt sein. Sven Andrighetto ist mit seinen 22 Scorerpunkten aus 15 Playoff-Einsätzen der Mann der Stunde und in absoluter Topform. Auch Denis Malgin ist unverzichtbar und befindet sich in bestechender Form.
Die beiden Verteidiger Dean Kukan und Christian Marti gehören zu den Besten ihres Fachs in der Schweiz. Kukan ist ein brandgefährlicher Zwei-Weg-Verteidiger, während Marti der Abwehrchef schlechthin ist. Beide wussten bereits im letztjährigen Silbermedaillen-Team zu überzeugen.
Lausannes Goldjunge Théo Rochette erzielte in diesen Playoffs bereits zwei Hattricks, unter anderem im Finale gegen die ZSC Lions. Mit 48 Scorerpunkten in dieser Saison würde der 23-Jährige an seiner ersten WM für ordentlich Firepower sorgen können.
Ken Jäger und Andrea Glauser gehörten ebenfalls zu den Silberhelden des vergangenen Jahres und spielten auch in dieser Spielzeit wieder äusserst souverän. Damien Riat setzte letzes Jahr die WM aus aufgrund einer Vaterschafts-Pause, trotz Karriere-Bestwerten. In dieser Saison setzte der 28-Jährige nochmals einen drauf. Mit 52 Scorerpunkten kommt Nati-Trainer Patrick Fischer nicht darum herum, ihn nach Dänemark mitzunehmen.

Hier fängt das grosse Werweissen an, denn um alle NHL-Sölder kreisen noch grosse Fragezeichen. Pius Suter und Philipp Kurashev sind mit ihren Teams nicht in den Playoffs und stehen theoretisch zur Verfügung. Jedoch nur theoretisch, denn in der Praxis haben beide Stürmer noch keinen neuen Vertrag und wissen noch nicht, wo sie nächste Saison spielen werden. Ohne ihre Zukunft vorher geregelt zu haben, dürften wir wohl beide nicht an der WM sehen. Dennoch gehen wir davon aus, dass sie die beiden wahrscheinlichsten Optionen der NHL-Verstärkungsspieler darstellen.
Bei den "Swiss-Devils" rund um Nico Hischier und Timo Meier wird es darauf ankommen, ob man die erste Runde gegen die Carolina Hurricanes überstehen kann. Nach einem blamablen Playoff-Auftakt deuten die Zeichen schon auf einen frühen Abschied, weswegen Patrick Fischer beide Topshots mit offenen Armen empfangen würde.

Kevin Fiala gewann mit seinen LA Kings die ersten zwei Spiele gegen die Edmonton Oilers und besitzt gute Chancen für einen weiten Playoff-Run. Der Powerflügel wäre ein absoluter Gamechanger, doch die Hoffnungen auf einen WM-Einsatz ist schwindend gering. Auch Janis Moser mit seinen Tampa Bay Lightning hat gute Karten. Für den ehemaligen EHCB-Verteidiger wird es ebenfalls eine Rolle spielen, ob man die erste Runde gegen die Florida Panthers übersteht oder nicht.
Nino Niederreiter ist derzeit keine Option. Mit seinen Jets führt er bereits mit 2:0 in der Serie gegen die St.Louis Blues und könnte es in diesen Playoffs weit schaffen, allen voran, da die Jets die Regular Season als bestes Team abgeschlossen haben. Roman Josi und Jonas Siegenthaler sind derzeit verletzt.
Der Torhüter der Vegas Golden Knights gehörte letztes Jahr zum Silberhelden-Team. Aktuell fungiert der 24-Jährige als Ersatztorhüter der Golden Knights in den Playoffs. Selbst wenn Ilya Samsonov, die nominelle Nummer zwei im Tor und derzeit verletzt, ins Team zurückkehren sollte, dürfte ihn Vegas vorsichtshalber noch zurückhalten. Vor allem, solange man sich in den Playoffs befindet und ein erneuter Ausfall nicht ausgeschlossen werden kann.
Connor Hughes ist derzeit ebenfalls verletzt und steht sowieso noch mit den Laval Rocket in den AHL-Playoffs. Derweilen kursieren Gerüchte, dass auch der Playoff-Held des HC Fribourg-Gottéron, Reto Berra, derzeit noch angeschlagen sei. Wie es um seinen Gesundheitszustand derzeit steht und ob er in den Plänen von Patrick Fischer eine Rolle spielt, ist derzeit unklar. Fakt ist hingegen, dass der 38-Jährige eine starke Saison spielte und mit seiner 93,3% Fangquote ein WM-Aufgebot durchaus verdient hätte.
Verdient hätte es auch Kevin Pasche, der erst 22-jährige Torhüter des Lausanne HC, der seinen Verein als Nachfolger von Connor Hughes in seiner ersten Saison als Stammtorhüter direkt zum Quali-Sieg und bis in den Playoff-Final hexte. Wahrlich gibt es auf die Frage nach dem geeignesten Goalie-Trio keine einfache Antwort für Patrick Fischer.
In unserer WM-Prognose setzt sich der Kader mehrheitlich aus gestandenen und erfahrenen Spielern zusammen, welche sich grösstenteils schon im vergangenen Jahr bis ins WM-Finale vorkämpfen konnten. Im finalen Cut würden nach unserer Rechnung gleich elf derzeitige Nati-Spieler den Weg nach Hause antreten müssen, derweilen werden zehn Spieler aus den Final-Teams oder aus Übersee dazustossen. Fett markiert sind jene Spieler, welche noch mit einem Aufgebot rechnen dürfen, falls fit und verfügbar.
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