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Dieser einstige NL-Dominator und Meisterheld würde den Genfern guttun

Linus Omark auch mit 37 Jahren noch in Topform

Sagenhafte 69 Scorerpunkte sammelte Linus Omark einst in der National League für den EV Zug und kürte sich somit zum Ligatopscorer. Meister wurde der linke Flügelspieler jedoch mit dem Genève-Servette HC. Im Alter von 37 Jahren spielt Omark immer noch auf höchstem Niveau und würde einem kriselnden Genf derzeit guttun.

Kaum ein Import-Spieler brauchte so wenig Angewöhnungszeit in der National League wie einst Linus Omark. In seinem Falle benötigte der Stürmer sogar überhaupt keine, denn in seiner ersten Saison in der Schweiz lieferte Linus Omark direkt hochgradig ab. Nach seinem zwischenzeitlichen KHL-Abenteuer kehrte der Hockeykünstler in die Schweiz zurück und schrieb Geschichte. Wie es dem 37-jährigen Schweden mittlerweile ergeht, betrachten wir hier im Detail. Werfen dabei auch einen Blick darauf, welche Lücke der Punktegarant bei Genf hinterlassen hatte.

Das schwedische Wunderkind

Aus der kleinen Ortschaft Övertorneå mit knapp mehr als 4000 Einwohnern reiste einst ein junger Hockey-Fanatiker ins zwei Stunden entfernte Luleå, um seinen Traum vom Profihockey zu verfolgen. In den Junioren-Abteilungen des Luleå HF erlernte Linus Omark die Hockeykünste. Nach der U18 liess er in der U20 sein Können aufblitzen. In seiner letzten Saison für das Juniorenteam konnte der Flügelspieler mit 46 Scorerpunkten auftrumpfen und sich für die erste Mannschaft empfehlen. Nachdem Omark sich in seiner ersten Saison noch an das "Erwachsenen"-Hockey herantastete, wusste er doch bereits in seiner zweiten Saison mit 32 Scorerpunkten aus 55 Spielen zu überzeugen.

Innerhalb von drei Saisons wuchs Omark zum Nationalspieler Schwedens heran. Mit einem Wechsel in die KHL wagte der Jungspund einen nächsten Karriereschritt. Bei Dynamo Moskau konnte er sich innerhalb einer Saison für einen NHL-Vertrag empfehlen, weswegen ihn die Edmonton Oilers nach Übersee holten, wo er zwei Jahre zuvor gedraftet wurde. Es folgten zwei Jahre der Wechselspiele zwischen der NHL und der AHL. Derweilen holte Omark bereits zweimal die Bronzemedaille an der Weltmeisterschaft mit Schweden. Grund genug, dass die National-League-Teams auf den trickreichen Stürmer aufmerksam wurden.

Einstieg nach Mass in der Schweiz

Auf die Saison 2012/13 krallte sich der EV Zug die Dienste des linken Flügelspielers, wo er regelrecht explodierte. In 48 Regular-Season-Spielen holte sich Omark mit 69 Scorerpunkten die Ligatopscorer-Krone. In den Playoffs reichte es für zusätzliche sechs Punkte - der grosse Teamerfolg mit dem Gewinn der Meisterschaft blieb jedoch aus.

Es folgten regelrechte Wechseljahre, denn zwischen 2013 und 2020 lief Omark für sechs verschiedene Teams auf aus den unterschiedlichsten Ligen. Erneut in Nordamerika, stand er sowohl für die Edmonton Oilers und die Buffalo Sabres, als auch in der AHL für die Oklahoma City Barons auf dem Eis. Als er sich weigerte erneut in die AHL abgeschoben zu werden, kam Omark kurzzeitig wieder bei seinen Heimatverein Luleå unter, ehe es ihn in die KHL zog. Nach seiner 55-Punkte-Saison bei Jokerit Helsinki folgte ein längeres Engagement bei Salavat Yulaev Ufa, wo er in 346 Einsätzen 338 Scorerpunkte sammeln konnte. Dort avancierte er zum Topscorer und Leistungsträger, nahm zudem mehrfach am KHL All-Star-Game teil.

2017 kürte sich Omark mit seinen schwedischen Teamkollegen zum Weltmeister und erlebte somit sein erstes grosses Karriere-Highlight. Kein Wunder waren die Genfer heiss auf den Virtuosen und lotsten ihn in die Westschweiz.

Erneutes Engagement in der National League

So kam es, dass Linus Omark erneut den Weg in die Schweiz fand. Auch in Genf fühlte sich der Stürmer pudelwohl und lieferte Scorerpunkte am Laufband. 61 Punkte aus der Regular Season und 10 Punkte aus den Playoffs standen nach einem Jahr in Genf auf seinem Leistungsnachweis. Doch erneut fehlte der Meisterpokal in seinem Résumé. Mit zwei Punkten weniger als Jan Kovar, wurde er in der Scorerwertung nur vom Tschechen geschlagen.

Für eine Saison zog es den Punktegaranten danach zurück in die Heimat. Bei Luleå zerlegte er mit 75 Scorerpunkten die Abwehrreihen der schwedischen Liga. Doch Servette klopfte erneut an der Haustür des Schweden und brachten ihren einst besten Stürmer zurück in die "Les Vernets". Eine erneute Verpflichtung auf die Saison 2022/23 für die Geschichtsbücher des GSHC. Omark knüpfte direkt an seine starken Leistungen an, bildete mit Teemu Hartikainen ein ligaweit gefürchtetes Traum-Duo und gewann schlussendlich zum ersten Mal in Genfs Vereinsgeschichte die Schweizer Meisterschaft. Der damals 35-Jährige leistete einen massgeblichen Beitrag in Form von 68 Scorerpunkten. Zum Erstaunen vieler Fans wurde sein ursprünglicher Zweijahresvertrag vorzeitig aufgelöst, weswegen es den Linksschützen ein weiteres Mal zu seinem Stammverein Luleå HF zog.

Der verlorene Sohn kehrte in die Heimat zurück

In der vergangenen Saison ging der Schwede somit als Assistenz-Captain Luleås erneut in der SHL auf Punktejagd. Dort zeigte er eindrücklich, dass er auch in fortgeschrittenem Alter das Hockeyspielen nicht verlernt hatte. Omark kam auf 43 Scorerpunkte, scheiterte jedoch mit seinem Team in den Playoffs.

Und wie läuft es ihm derweilen? Im Alter von 37 Jahren ist der Schwede noch so frisch wie eh und je. Nach 36 Spielen steht er in der laufenden Spielzeit bereits wieder bei 25 Scorerpunkten. Derweilen grüsst sein Team in der schwedischen Liga vom komfortablen dritten Tabellenplatz.

Die hinterlassene Lücke ist bis heute spürbar

Währenddessen vermisst man den begnadeten Scorer in der National League, denn Linus Omark war nicht nur für die Genfer ein Gewinn, sondern aufgrund seiner spektakulären Spielweise auch für die ganze Liga und den neutralen Zuschauer. Der linke Flügel zeigte Hockeykünste, wie es selten auf Schweizer Eis gesehen werden konnte. Nicht ohne Grund wurde Omark von allen Mitspielern auf und neben dem Eis geschätzt.

"Offensiv ist er ein Künstler, ein Zauberer. Er ist ein super Typ und auch ein Lustiger. Die ganze Mannschaft staunt manchmal. Es gibt Leute, welche Tricks nur im Training machen, aber er macht es auch am Match."

Marco Miranda, 06.02.2021

Nach Omarks Abgang zu Luleå und dem Titelgewinn, brachen die Genfer ein. Hartikainen punktete zwar weiterhin ordentlich, verlor jedoch mit Omark seinen kongenialen Partner. Zusammen bildeten sie den X-Faktor, um jedes knappe Spiel an sich zu reissen. Mittlerweile fehlen die Unterschiedsspieler im Team der Genfer. Obwohl sowohl Teemu Hartikainen, Sakari Manninen und Markus Granlund ihre zu erwartenden Scorerpunkte sammeln, fehlt es im Team an Spielern, welche in den entscheidenden Momenten den Sack zugunsten der Aigles zumachen können.

Die jüngste Niederlage nach Verlängerung gegen den EV Zug bekräftigt dies. Konnten die Grenats doch eine 1:0-Führung und zeitweise Dominanz nicht in drei dringend benötigte Punkte ummünzen. In der Liga droht man auf dem schwachen zwölften Tabellenplatz die Play-Ins zu verpassen. Es wäre nach einer durchzogenen letzten Saison ein weiterer Tiefschlag. Gerade im Offensivspiel fehlt es an Kreativität à la Linus Omark. Ein Spieler, welcher aus dem Unmöglichen das Mögliche machen konnte. Ein Spezialist im Powerplay und im Penaltyschiessen, der die engen Spiele an sich reissen konnte. Denn in Genf läuft vieles gut, verfügt man doch über starke Imports, Schweizer Nationalspieler, Meisterhelden und aufstrebende junge Talente - doch am Ende zählen im Hier und Jetzt nur die Punkte. Seit Linus Omark das Team vor zwei Jahren verlassen hatte, fehlt dem Team das unberechenbare Kalkül. Von den Abgängen von Henrik Tömmernes und Valtteri Filppula mal ganz zu schweigen.

Cyrill Brandenberg Eishockey Genève-Servette HC Linus Omark Lulea HF National League

2025-01-26 10:00:25