Dominic Lobalu gehört zu den grössten Medaillenhoffnungen der Schweizer Leichtathletik in Hinblick auf die Olympischen Spiele. Doch obwohl der Langstreckenläufer bei internationalen Meisterschaften für die Schweiz antreten darf und Swiss Athletics ihn gezielt auf die Olympischen Spiele 2028 vorbereitet, ist seine Teilnahme in Los Angeles alles andere als gesichert.
Sportlich ist Dominic Lobalu längst ein Aushängeschild der Schweiz. Der Langstreckenläufer gewann bei den Europameisterschaften 2024 und 2026 Medaillen und verpasste bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris als Vierter nur knapp das Podest. Auch für Los Angeles 2028 zählt der 28-Jährige zu den Schweizer Hoffnungsträgern.
Swiss Athletics hat Lobalu deshalb als einen von acht Athletinnen und Athleten ins Projekt "Next Level" aufgenommen und unterstützt seinen Weg bis zu den nächsten Sommerspielen mit zusätzlichen Mitteln. Doch ob Lobalu in Los Angeles überhaupt als Schweizer Athlet an den Start gehen darf, ist derzeit gemäss dem Tagblatt offen. Der Welt-Leichtathletikverband hat ihm bereits 2024 die Startberechtigung für die Schweiz erteilt. Das IOC stellt sich dagegen auf einen anderen Standpunkt.
Für die Olympischen Spiele gilt gemäss Regel 41 der Olympischen Charta grundsätzlich die Staatsangehörigkeit als Voraussetzung. Lobalu besitzt den Schweizer Pass noch nicht. Frühestens im Herbst 2031 könnte er diesen beantragen. Eine Ausnahme wäre eine Heirat mit einer Schweizerin: In diesem Fall würde sich die notwendige Wartefrist auf drei Jahre verkürzen.
Bereits in Paris 2024 sorgte die Situation für Diskussionen. Swiss Athletics hatte beim IOC eine Starterlaubnis für Lobalu beantragt – ohne Erfolg. Der Läufer durfte zwar im olympischen Dorf mit der Schweizer Delegation wohnen, musste gemeinsam mit seinem Trainer Markus Hagmann jedoch die Kleidung des IOC-Flüchtlingsteams tragen.
Ob sich diese Geschichte 2028 wiederholt, ist derzeit unklar. Swiss-Athletics-Präsident Christoph Seiler stellt sich jedenfalls klar hinter seinen Athleten. "Dominic Lobalu ist ein Schweizer Athlet. Er ist komplett integriert und akzeptiert", sagt Seiler gegenüber dem Tagblatt und kritisiert die Haltung des IOC.
Doch selbst wenn das IOC seine Position ändern sollte, wartet bereits das nächste Problem. Lobalu wurde im heutigen Südsudan geboren. Für Menschen aus dem afrikanischen Land gelten derzeit in den USA Einreisebeschränkungen. Damit könnte selbst eine Startberechtigung für Los Angeles noch keine Garantie dafür sein, dass Lobalu tatsächlich in die USA einreisen kann.
Auch Lobalu selbst macht sich offenbar keine grossen Illusionen. Bei einer Diskussion mit Trainer Markus Hagmann über seine mögliche Distanz in Los Angeles wünschte er der Konkurrenz bereits viel Glück beim Kampf um die Medaillen.
Dominic Lobalu Leichtathletik Soraya Sägesser