Wenige Tage vor Beginn der Europameisterschaften steigt die Spannung im Schweizer Team. Drei Schweizer Leichtathleten sprechen über ihre Erwartungen, ihre Form und ihre Ziele für Birmingham – und zeigen dabei, wie unterschiedlich die Ausgangslage vor dem Saisonhöhepunkt ist.
Die Europameisterschaften sind für viele Athletinnen und Athleten der wichtigste Wettkampf dieses Sommers. Entsprechend gross ist die Anspannung im Schweizer Lager. Während die einen mit viel Selbstvertrauen anreisen, stehen bei anderen eher die Tagesform und die Erfahrung auf internationaler Bühne im Vordergrund.
Ihr ist bewusst, dass sie damit nicht nur zu den Favoritinnen gehört, sondern auch die Gejagte unter den Sprinterinnen ist. "Ich habe es noch gar nicht ganz verarbeitet. Das ist ein grosses Umdenken", sagt sie. Dennoch freut sie sich auf ihre neue Rolle.
Simon Ehammer startet im Weitsprung und nicht im Zehnkampf. Angelica Moser geht als Titelverteidigerin im Stabhochsprung an den Start und Géraldine Di Tizio-Frey über 100 Meter. Gut möglich, dass die 29-Jährige auch in der Staffel startet.
Es gibt nicht nur eine Frauenstaffel, sondern in diesem Jahr auch eine Neuheit: "Wir haben zum ersten Mal eine Mixed-Staffel bei einer Europameisterschaft. Sie haben das neu eingeführt, und ich finde es eine coole und spannende Disziplin", sagt sie.

An den Start können zwei Schweizerinnen und zwei Schweizer gehen. Diese Disziplin hat Di Tizio-Frey erst einmal an einer Vereinsmeisterschaft und einmal mit dem Nationalteam bei einem Testwettkampf bestritten. Die Mixed-Staffel an einem Grossanlass wäre für sie eine Premiere. Gut möglich, dass die schnellste Europäerin dort startet.
Für die schnellste Europäerin Di Tizio-Frey ist eine Medaille nach ihren bisherigen Saisonleistungen möglich. Doch sie hat es bislang noch nie in ein Finale eines Grossanlasses geschafft.
"Seit 2022 bin ich an fast jedem Grossanlass gewesen und habe es in der Einzeldisziplin nie in den Final geschafft. Darum ist mein grosses Ziel, das Finale zu erreichen." - Géraldine Di Tizio-Frey
Ein Finalplatz wäre für die Sprinterin bisher immer ein Exploit gewesen, sagt Di Tizio-Frey und ergänzt: "Jetzt ist es fast schon das Mindeste, was man erreichen muss." Ihr Ziel ist es deshalb, den Final zu erreichen. Wenn sie den Final schafft, ist für sie alles möglich. "Wir sind alle so nah zusammen. Ich mache mir gar nicht den grossen Druck, werde mein Bestes geben und freue mich hauptsächlich darauf."
Auch Simon Ehammer könnte im Weitsprung überraschen. Der Appenzeller wartet schon lange auf einen Gold-Exploit an der EM. Er fühlt sich nach der Verletzung fit. "Ich kann völlig frei auflaufen und habe nichts zu verlieren. Zwei riesige Erfolge durfte ich dieses Jahr schon feiern, alles, was jetzt noch kommt, ist pure Zugabe", sagt Ehammer.
Er träumt vom Europameistertitel und von einem neuen Schweizer Rekord. "Aber seien wir ehrlich: Bei einem Grossanlass zählen vor allem die ersten drei Plätze, die reine Weite ist da zweitrangig. Wenn ich mit einer Medaille nach Hause fahre, bin ich glücklich. Wenn dann auch noch die Leistung gepasst hat, umso besser."

Angelica Moser geht als Titelverteidigerin im Stabhochsprung an den Start. Sie sagt: "Das ist für mich eine neue Situation, aber ich fühle mich in hervorragender Form."
Géraldine Di Tizio-Frey reist am 7. August nach Birmingham, also genau drei Tage vor ihrem Wettkampf. Am Samstag erholt sie sich und sieht sich vor Ort um. "Am Sonntag gehen wir ins Stadion zum offiziellen Startertraining. Der Starter vom Wettkampf kommt ins Stadion, damit man sich – weil jeder das Startkommando etwas anders gibt – wie bei einem Wettkampf einwärmen und ein, zwei Starts mit dem Starter absolvieren kann, um sich ans Kommando zu gewöhnen." Da sie direkt für das Halbfinale qualifiziert ist, muss sie keinen Vorlauf bestreiten.
Géraldine Di Tizio-Frey (100 m): Montag, 10. August / Frauenstaffel: Freitag, 14. August bis Sonntag, 16. August
Angelica Moser (Stabhochsprung): Dienstag, 11. August / Final: Donnerstag, 13. August
Simon Ehammer (Weitsprung): Montag, 10. August / Final: Dienstag, 11. August
Nach dem Halbfinale und dem Finale hat Di Tizio-Frey vier Tage Pause. Danach steht die Frauenstaffel an. "Da können wir relativ viel erreichen, und das könnte eine coole Geschichte werden."
Die Vorfreude ist bei allen drei Athletinnen und Athleten sowie bei den übrigen 64 Schweizer Athletinnen und Athleten gross. Die 28-jährige Stabhochspringerin Moser liebt solche Events:
"Ich starte extrem gerne an Grossanlässen, weil das genau das ist, worauf man das ganze Jahr hinarbeitet und wo man zeigen kann, worauf es ankommt." - Angelica Moser

Ähnlich sieht es Simon Ehammer. "Ich muss mich vor niemandem verstecken. Die Form stimmt und ich bin extrem fit – daran ändert auch die kleine Verletzung nichts", sagt er. Der 26-Jährige will seine Lockerheit in den Sand bringen. Sein Erfolgsrezept: "Wenn man mit Freude und ohne Verkrampfung an die Sache herangeht, rufen sich die Leistungen fast von alleine ab."
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