HC Lugano hat auf dem Transfermarkt nochmals zugeschlagen und mit Nick Shore einen erfahrenen Center ins Tessin geholt. Ein Mann mit der Routine aus über 300 NHL-Spielen, reichlich Europa-Erfahrung und der Ausstrahlung eines verlässlichen Zwei-Wege-Stürmers. Ein Porträt über den neuen US-Import der Bianconeri.
Sportchef Janick Steinmann beschreibt den 33-jährigen US-Amerikaner als verlässlichen Spielmacher, der dem Kollektiv in allen Phasen des Spiels Stabilität verleiht und das Team an erste Stelle setzt. Doch blickt man auf die Karriere des Centers aus Denver, wird rasch klar: Hinter der unaufgeregten Spielweise von Nick Shore verbergen sich spektakuläre Kapitel, prägende Familienbande und bemerkenswerte Entscheidungen abseits des Eises.
Nick Shore wurde am 26. September 1992 in Denver, Colorado, geboren. Die Leidenschaft für den Eishockeysport wurde ihm und seinen Brüdern gewissermassen in die Wiege gelegt. Auch seine Brüder Drew und Quentin schafften den Sprung ins Profieishockey - Drew Shore ist den Schweizer Fans zudem aus seinen Stationen beim Kloten, ZSC Lions und EV Zug bestens bekannt. Mit den ZSC Lions wurde Drew Shore in der Saison 2017/18 sogar Schweizer Meister.
Nach seinen ersten Schritten im Juniorenbereich durchlief Nick Shore das angesehene US National Team Development Program (USNTDP), ehe er für die University of Denver in der NCAA auflief. Dort entwickelte er sich rasch zu einem kompletten Center, der sowohl defensiv verlässlich agierte als auch offensive Akzente setzen konnte.
Diese Qualitäten blieben den NHL-Scouts nicht verborgen. Im NHL Entry Draft 2011 sicherten sich die Los Angeles Kings in der dritten Runde an 82. Stelle die Rechte an dem rechtsschiessenden Stürmer.
Shores Visitenkarte liest sich wie das Tagebuch eines vollendeten Eishockey-Globetrotters. Zwischen 2013 und 2020 absolvierte er 304 NHL-Einsätze für die Los Angeles Kings, Ottawa Senators, Calgary Flames, Toronto Maple Leafs und Winnipeg Jets. Den grössten Titel in Nordamerika feierte er 2015, als er als absoluter Leistungsträger mit den Manchester Monarchs den Calder Cup in der AHL gewann.
Auch das Trikot der USA trug er mit Stolz: Nach dem Gewinn der U18-Weltmeisterschaft 2010 erfüllte sich Shore 2022 in Peking den Traum von den Olympischen Winterspielen, wo er mit der US-Auswahl auflief.
Als sich die Türen in Nordamerika allmählich schlossen, wagte Shore den Schritt über den Atlantik. Sein Europa-Abenteuer begann zunächst in der Slowakei, doch nach fünf Spielen und zehn Scorerpunkten suchte der US-Amerikaner eine grössere Herausforderung, weshalb es ihn zum EV Zug zog. In der Schweiz erlangte Nick Shore in der Saison 2020/21 Kultstatus. Als Nachverpflichtung mitten in der Spielzeit geholt, um den Abgang von Ryan McLeod und den Ausfall von Calvin Thürkauf zu kompensieren, benötigte Shore keinerlei Anlaufzeit.
Mit traumwandlerischer Sicherheit fügte er sich in das Spielsystem der Zentralschweizer ein. Seine Bilanz geriet makellos: In 35 Qualifikations- und Playoff-Spielen sammelte der Center exakt 35 Scorerpunkte. Er war das entscheidende Puzzlestück, das dem EV Zug nach 23 Jahren Wartezeit wieder den Schweizer Meistertitel bescherte.
In der Saison 2021/22 war Nick Shore in der KHL beim russischen Klub Sibir Novosibirsk einer der wichtigsten Spieler. Mit 26 Punkten in 49 Spielen war er der Topscorer seines Teams und stellte seine Klasse auf grossem Eis unter Beweis. Doch die bedeutendste Schlagzeile dieser Phase schrieb er nicht mit Toren.
Als Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine angriff, zögerte Shore nicht lange. Am 1. März 2022 löste er seinen laufenden Vertrag bei Sibir Novosibirsk vorzeitig auf und verliess das Land umgehend. In einer Liga, in der viele ausländische Akteure zögerten oder die Saison zu Ende spielten, setzte Shore ein klares Zeichen für seine persönlichen Werte und ordnete sportliche sowie finanzielle Vorzüge moralischen Prinzipien unter.
Nach Stationen in der schwedischen SHL bei HV71 und Linköping schliesst sich für Nick Shore in der Schweiz ein Kreis - allerdings mit einer gehörigen Prise Derbypressure. In der Saison 2022/23 stand er noch in 18 Partien für den Leventiner Rivalen HC Ambri-Piotta auf dem Eis. Bei seinem zweiten Engagement in der Schweiz enttäuschte der US-Amerikaner jedoch und konnte nicht mehr an seine starken Leistungen in Zug anknüpfen. In 18 Spielen für den HCAP kam er gerade einmal auf zwei Tore und fünf Assists. Möglicherweise ist dies auch der Grund, weshalb Lugano ihn vorerst nur mit einem Vertrag bis Oktober ausgestattet hat. Dass er nun das Trikot des HC Lugano überstreift, verleiht den künftigen Tessiner Derbys zusätzliche Würze.

Lugano-Sportchef Janick Steinmann blickt voller Vorfreude auf den Zuzug: "Nick ist ein Playmaker mit grosser Erfahrung in allen Topligen. Er ist ein Spieler, der das Wohl der Mannschaft stets an erste Stelle setzt, was unserer Gruppe in jeder Hinsicht Stabilität verleihen wird. Er wird in allen Spielsituationen sehr wertvoll sein und passt perfekt zu unserer sportlichen Kultur."
Scouting-Analysen stützen diese Einschätzung und beschreiben Shore als Prototyp eines taktisch versierten Zwei-Weg-Centers. Mit seinen 185 cm Körpergrösse, 90 kg Gewicht bringt der US-Amerikaner die nötige physische Substanz für die Mittelachse mit. Auf dem Eis überzeugt Shore vor allem durch seine hohe Spielintelligenz, sein Antizipationsvermögen und eine hervorragende Übersicht. Er erfüllt Defensivaufgaben konsequent, sichert die Mittelzone ab und steuert das Umschaltspiel mit präzisem Passspiel. Durch seine Vielseitigkeit bietet er dem Lugano-Trainergespann sowohl im Powerplay als auch beim Unterzahlspiel ein verlässliches Fundament, das der gesamten Mannschaft Struktur verleiht.
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