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Ist der Trainer zu freundlich, so leiden die Drachen

Interessante Theorie zur aktuellen Krise des HCFG

Der HC Fribourg-Gottéron ist in dieser Saison bislang das grösste Krisenteam in der National League, liegen die Drachen nach bereits neun gespielten Partien auf dem zweitletzten Rang. Nach dem missglückten Saisonstart drohen die Verantwortlichen bereits, die Geduld zu verlieren. 

HCFG-Sportchef Gerd Zenhäusern hat ob der bislang schwachen Leistungen seiner Mannschaft gegenüber vom Blick bereits Tacheles geredet und dabei in erster die Spieler in die Verantwortung genommen:

Auch Headcoach Patrick Emond, der gemäss dem Sportchef nicht zur Diskussion stehe, betont, dass die "Spieler in den Spiegel schauen und erkennen müssen, was schiefläuft." Schliesslich seien alle verantwortlich für die aktuell missliche Lage des letztjährigen Zweiten der Regular Season. 

An der Qualität kann es nicht liegen 

Zum gleichen Zeitpunkt der letzten Saison hatte der HCFG zwölf Punkte mehr auf dem Konto. Dazu erzielte man zwölf Treffer mehr und kassierte neun weniger. Da die Mannschaft bis auf Neuzugang Yannick Rathgeb quasi gleichgeblieben ist, kann es nicht an der Qualität liegen. Schliesslich war der Wechsel von Christian Dubé zu Pat Emond die grösste Veränderung, wobei der heutige Headcoach in der erfolgreichen letzten Saison bereits zu den Assistenten von Dubé gehörte. Präsident Hubert Waeber stellt gegenüber watson deswegen zurecht fest, dass es eigentlich nicht am Talent noch an der Taktik liegen kann, dass es plötzlich nicht mehr läuft. 

Die Spieler selbst hätten den Trainerwechsel begrüsst, weswegen in erster Linie von ihnen eine Reaktion erwartet werden darf. Die Situation sei derzeit aber alles andere als angenehm, wie Leitwolf Chris DiDomenico in einem Interview mit dem Blick sagte. "Es ist im Moment Sch…, ich kann es nicht anders ausdrücken. Wir arbeiten manchmal, aber im Eishockey braucht es 60 Minuten. Es ist im Moment hart und jeder ist unglücklich. Es ist nicht lustig, jedes verdammte Spiel zu verlieren. Aber es gibt nur eine Lösung: Wir müssen noch härter arbeiten und hoffen, um das Blatt früher oder später wenden können." 

Gemäss dem Kanadier sei jeder in der Mannschaft frustriert, wobei es noch nicht zu spät ist, noch den Turnaround schaffen zu können. Doch wie kann er sich selbst diesen krassen Kontrast im Vergleich zur letzten Saison erklären?

"So ist Eishockey manchmal. Du kannst in einem Jahr eine tolle Mannschaft haben und im nächsten Jahr hat die gleiche Gruppe Probleme. Ehrlich gesagt, weiss ich nicht, was ich sagen soll. Ich bin verwirrt. Jeder ist frustriert, auch die Fans. Ich hoffe, dass wir uns wieder fangen werden. Im Oktober haben wir noch zwölf Spiele. Irgendwann muss es drehen, sonst wird es eine sehr lange Saison für uns."

Chris DiDomenico, Blick, 07.10.24

Der Glaube daran, die Wende zum Guten herbeiführen zu können, ist aber definitiv noch vorhanden. "Wenn man sich das letzte Jahr ansieht, ja. Man kann sagen, was man will. Es ist kein Glück, 104 Punkte in einer Saison zu erreichen. Umso unverständlicher ist es, dass es jetzt soweit gekommen ist. Es ist einfach inakzeptabel. Aber das ist unser Job. Eishockey soll Spass machen, aber im Moment tut es das für viele von uns überhaupt nicht. Aber wir müssen den Kopf hochhalten und einen Weg finden, um aus dieser Situation herauszukommen." 

Der Eismeister wirft eine interessante Theorie in den Raum 

Das wohl grösste Problem zurzeit ist, dass noch zu viele Spieler und Schlüsselfiguren ihrer Bestform hinterherlaufen. Von den so wichtigen Import-Spielern kann derzeit nur der letztjährige Topscorer Marcus Sörensen einigermassen zufrieden sein (acht Scorerpunkte aus neun Partien), wobei auch er noch nicht in der Form der letzten Saison ist. Auch die Schweizer Leistungsträger wissen noch nicht zu überzeugen, wartet beispielsweise Christoph Bertschy noch auf sein erstes Saisontor, während Yannick Rathgeb sogar bereits einmal aufgrund seiner unbefriedigenden Leistungen auf die Tribüne verbannt wurde. 

Die Frage muss aber schon gestellt werden, was dazu geführt hat, dass es den Leistungsträgern und insgesamt den Drachen plötzlich nicht mehr rund läuft? Eismeister Klaus Zaugg hat in einer seiner Kolumnen bei watson eine interessante Theorie in den Raum geworfen. So galt Christian Dubé bei Kritikern als einer, welcher ein zu grosses Ego besitze, während Pat Emond in dieser Hinsicht das pure Gegenteil zu sein scheint. 

Im Kader von Gottéron gibt es zahlreiche Spieler, die ebenfalls mit einem grossen Ego ausgerüstet sind, weswegen Zaugg folgende Fragen stellt. "Kann ein Trainer mit einem kleinen Ego wie Patrick Emond eine Gruppe mit grossen Egos befehligen? Mit dieser Ego-Gruppe Tacheles reden? Disziplin durchsetzen?" Das Fazit des Eismeisters fällt deutlich aus. "Nein, kann er nicht." Die Erklärung seiner Zweifel lautet wie folgt:

"Bei Gottéron muss das Ego des Trainers die Kabine füllen. Dazu ist Patrick Emond nicht in der Lage. Erst recht nicht, weil ja jeder weiss, dass der freundliche Kanadier, der Servette 2021 in den Final geführt hat, nächste Saison nicht mehr Trainer ist und durch Roger Rönnberg ersetzt wird. Das ist längst offiziell bestätigt."

Klaus Zaugg, watson, 08.10.24

Diese im Schweizer Eishockey einmalige Situation macht es für Emond derzeit besonders schwierig, sein Team zurück auf die Erfolgsspur führen zu können. Auch wenn der Kanadier zurzeit nicht zur Diskussion steht, kann bei gleichbleibender Baisse nicht ausgeschlossen werden, dass es zur ersten Trainerentlassung in Fribourg innerhalb einer Saison seit dem 4. Oktober 2019 kommen könnte. Damals war es Christian Dubé in seiner Funktion als Sportchef, welcher Mark French von seinen Aufgaben enthob und daraufhin selbst die Doppelfunktion als Headcoach und Sportchef übernahm, bis auch er in diesem Sommer gehen musste.

Damals, als bekannt wurde, dass der langjährige Trainer Christian Dubé durch Pat Emond ersetzt wird und dieser dann wiederum im Sommer 2025 durch Roger Rönngren abgelöst wird, gab es bei einigen Fans bereits Fragezeichen, ob dies gutgehen wird. Mit den bisherigen Leistungen kann durchaus die provokative Frage in den Raum geworfen werden, ob sich die Drachen in einer Art Übergangs- oder Zwischensaison befinden? Davon will Präsident Waeber aber gar nichts wissen, wie er gegenüber watson klargestellt hat. Vielmehr stehe man "am Anfang einer Ära." Momentan sieht es aber nicht danach aus, als wäre es eine Erfolgsära... 

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2024-10-08 16:00:21