Während Manchester United noch heute nach dem Nachfolger von Sir Alex Ferguson sucht, hat der HC Davos nun endgültig den würdigen Nachfolger von Arno Del Curto gefunden. Josh Holden hat es letztlich nur knapp verpasst, mit dem erstmaligen Gewinn des Meistertitels endgültig aus dem gewaltigen Schatten des Legendentrainers herauszutreten.
Vor drei Jahren kam Josh Holden im Landwassertal an. Die Misstöne waren von den Bergen bis in die Restschweiz gut zu hören. Ausgerechnet das Zuger Raubein, das aufgrund der provokanten Spielweise an allen anderen Sportstätten der Schweiz auf grosse Unbeliebtheit stiess, sollte den HC Davos übernehmen. Dazu brachte Holden keinerlei Erfahrung als Headcoach mit.
Gänzlich ein Nobody war Josh Holden bei seiner Ankunft in Davos aber freilich nicht. Vier Jahre lang war er Co-Trainer beim EV Zug und agierte als Sparringpartner für Dan Tangnes. Zwei Schweizer Meistertitel feierte das Duo zusammen – den letzten im Jahr 2022. Nach dem Abgang von Holden beim EVZ, rund ein Jahr später, kam kein weiterer Titel für Zug mehr dazu.
2015 holte der HC Davos den letzten Meistertitel in der Ära Del Curto. Seither fanden alle Playoff-Finalserien ohne Bündner Beteiligung statt. Die erfolgsverwöhnten Davoser durchschritten eine vergleichsweise schwere Phase. Zwar qualifizierte sich der HCD zumeist für die Playoffs, doch schnell wurde den Bündner Titelträumen jeweils ein Ende gesetzt.
Christian Wohlwend führte die Davoser zwar einmal in ein Playoff-Halbfinale, doch gegen den EV Zug (mit Josh Holden an der Bande) war kein Kraut gewachsen. Gleich mit 0:4 ging der HCD unter. Auch im letzten Wohlwend-Jahr verlor der HCD krachend. Die Lions putzten Davos mit 4:1 im Viertelfinale weg. Zu diesem Zeitpunkt war Wohlwend aber bereits entlassen worden und es war klar, dass in der kommenden Saison eine neue Ära starten würde.
Josh Holden führte den intensiven Eishockeystil seiner Vorgänger beim HC Davos nahtlos weiter. Auch unter dem neuen Übungsleiter stellte sich der Erfolg, infolge eines Titelgewinns, nicht sofort ein. Aber die Bündner zeigten sich zumindest in den entscheidenden Saisonphasen wieder kompetitiver. Ein 3:4 in der Viertelfinal-Serie gegen den späteren Finalisten Lausanne und ein 2:4 in der Halbfinal-Serie gegen den späteren Meister aus Zürich waren achtbare Resultate.
Im letzten Sommer formte Holden aus dem HC Davos aber eine nochmals gefestigtere Einheit. Vom ersten Saisonspiel an waren die Landwassertaler die beste Mannschaft dieser Liga. Die Regular Season wurde mit grossem Abstand auf dem ersten Platz abgeschlossen und auch in den Playoffs haben die Davoser zu überzeugen gewusst. Auf ein 4:1 gegen den EV Zug folgte in einer hochklassigen Serie das Weiterkommen gegen Zürich – ebenfalls in fünf Spielen. Wie in der Halbfinalserie sind auch die Spiele gegen den HC Fribourg-Gottéron äusserst umkämpft gewesen. Am Ende mussten sich die Bündner den Drachen jedoch knapp beugen, fiel die Entscheidung in der "Belle" in der Overtime.
Der Weg zum erhofften 32. Meistertitel hätte für die Davoser kaum schwieriger sein können. Als Qualifikationssieger musste der HCD gegen den Achten, den Vierten und den Zweiten spielen. Das geht auf dem Papier nicht komplizierter. Bei einem Blick auf die Gegner wird die Grösse der Aufgabe sogar noch deutlicher.
Der EV Zug war angesichts der Stärke im Team ein überdurchschnittlicher Achter. Die ZSC Lions haben als Titelverteidiger nur aufgrund eines Tiefs, das sich weit in die Saison gezogen hat, die Regular Season auf dem vierten Platz abgeschlossen. Seit dem Frühling waren die Zürcher in Hochform. Die Meisterprüfung hätte dann im Finale gegen das wohl beste Fribourg aller Zeiten erfolgen sollen, stattdessen jubelt das Team von Headcoach Roger Rönnberg über den historisch ersten Titel der Vereinsgeschichte. Klar ist, dass sich auch der HCD den Meistertitel mehr als verdient hätte.
Josh Holden hätte aus dem HCD beinahe eine Meistermannschaft geformt. In der nächsten Saison wird es darum gehen, endlich Titel Nummer 32 zu erobern. Ein Unterfangen, das für die Bündner möglich ist. Einfach wird es aber keinesfalls, schliesslich muss Holden in der nächsten Saison auf den Grossteil seiner jetzigen Mannschaft verzichten. Gleich mehrere Stützen brechen weg.
Matej Stransky wechselt zurück nach Tschechien, Simon Knak wird für die ZSC Lions spielen, Davyd Barandun läuft künftig für den SC Bern auf und Michael Fora zieht es zum Lausanne HC. Damit wird Holden auf einigen Schlüsselpositionen auf neue Leistungsträger setzen müssen.
Es liegt jetzt am Trainer des HCD, aus dieser Gefahr eine Chance zu kreieren. Klar ist, dass der Erfolgshunger nach der bitteren Finalpille gegen Fribourg nochmals grösser geworden sein dürfte. Es liegt nun an Holden, zu beweisen, dass er die langersehnte Antwort auf Arno Del Curto ist. Letztlich zählt bei so einem Vergleich nur eines: Titel.
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