Mit einem deutlichen 10:0-Sieg ist der HC Davos in die Saisonvorbereitung gestartet. Die Bündner nehmen demnächst die dritte Spielzeit unter Josh Holden in Angriff. 2024 reichte es fürs Playoff-Viertelfinale, 2025 stand der HCD im Halbfinale. Folgt nun der nächste Schritt? Ist der Rekordmeister 2025/26 ein Finalanwärter? Die Kaderanalyse soll auf diese Fragen Antworten liefern.
Neuzugänge:
🇨🇭 Laurin Solèr (G - 2o06) - eigener Nachwuchs
Abgänge:
-
Im vergangenen Sommer wurde das Torhüter-Duo des HC Davos neu zusammengestellt. Luca Hollenstein übernahm den Platz neben Sandro Aeschlimann. Der routiniertere der beiden Torhüter konnte sich als Nummer eins behaupten, auch wenn die beiden statistisch auf einem Level ablieferten. Aeschlimann besitzt im Landwassertal noch einen Kontrakt bis 2027. In sein vorerst letztes Vertragsjahr startet Hollenstein. Aus Zug hat der 25-Jährige auch nach Davos gewechselt, um aus dem Schatten von Leonardo Genoni herauszutreten. Leistungsmässig konnte der zweifache Schweizer Meister nahtlos an die Leistungen aus der Zentralschweiz anknüpfen.
In der Vorsaison erhielt Aeschlimann 34 Einsätze in der Regular Season, zudem durfte er in allen zehn Playoff-Partien den Posten zwischen den Pfosten einnehmen. Es wird interessant zu beobachten, ob Hollenstein nach einer guten ersten Spielzeit das Duell um die Nummer eins in der zweiten Spielzeit ausgeglichener gestalten kann. Mit 2.26 Gegentore pro Spiel liess er gar marginal weniger Gegentore zu als sein Teamkollege, Aeschlimann kam auf einen Schnitt von 2.34 zugelassenen Tore pro Partie.

Das definitiv starke Schweizer Duo wird in der nächsten Saison durch eine junge Nummer drei ergänzt. Der 19-jährige Laurin Solèr klopft schon länger an die Tür zur ersten Mannschaft. Von einem Duo wie Aeschlimann/Hollenstein kann ein junger Goalie nur profitieren. Mit einem Einsatz für den EHC Olten feierte Solèr auf Leihbasis sein Profidebüt.
Fazit: 5.5/6 Punkte!
In Bezug auf das Torhüter-Duo muss sich der HC Davos definitiv nicht verstecken. Mit zwei Schweizer Torhütern kann man kaum besser aufgestellt sein. Die zuverlässigen Leistungen beider Torhüter können zum Trumpf werden, vor allem in den intensiven Phasen der Saison können die Bündner sorglos rotieren.
Neuzugänge:
🇨🇭 Lukas Frick (1994) - Lausanne HC
🇨🇭 Simon Müller (D - 2o06) - eigener Nachwuchs
Abgänge:
🇫🇮 Julius Honka (1995) - SC Rapperswil-Jona Lakers
🇨🇭🇳🇱 Guus Van der Kaaij (2007) - Rouyn-Noranda Huskies/QMJHL
🇨🇭 Yanik Lichtensteiger (2005) - EHC Arosa
🇨🇭 Gian Leipold (2005) - EHC Arosa
Für einen der Schweizer Top-Transfers haben die Bündner bereits vor einem knappen Jahr gesorgt. Bereits im August wurde die Verpflichtung von Lukas Frick für den Sommer 2025 fixiert. Einen 88-fachen Schweizer Nationalspieler der eigenen Abwehr hinzuzufügen, muss immer ganz fett herausgestrichen werden. Der Zugang von Frick erlaubt es dem HC Davos vorerst nur mit einem Verteidiger ohne Schweizer Lizenz in die Saison starten. Auf den Abgang von Julius Honka in Richtung Obersee wurde dementsprechend nicht mit einem neuen Import reagiert. Das bedeutet aber auch, dass nur auf die Defensive bezogen, Frick nicht eine Ergänzung ist, sondern auch eine Lücke schliesst.
In der Breite haben sich mit Yanik Lichtensteiger und Gian Leipold zwei junge Abwehrspieler umorientiert. Guus Van der Kaaij steht zudem vor dem Schritt in die QMJHL, beim ersten Testspiel war er aber noch Teil der HCD-Equipe. Es sind nur einzelne Einsätze, welche die drei Spieler in der Vorsaison bestritten haben. Der Altersschnitt in der Davoser Hintermannschaft ist damit deutlich angestiegen. Nur Simon Müller ist in diesem Sommer aus dem Nachwuchs in die erste Mannschaft gestossen. Damit sind Nico Gross und Davyd Barandun aus dem Jahrgang 2000 bereits die zweit-, beziehungsweise drittjüngsten Spieler in der Bündner Verteidigung.
Acht gestandene Abwehrspieler sollten reichen, um ohne Doppelbelastung durch die Saison zu kommen. Auch aufgrund der Vertragssituationen dürften die Abwehrspieler zu Top-Leistungen angestachelt sein. Mit dem Schweden Klas Dahlbeck, Michael Fora, Davyd Barandun, Nico Gross und Enzo Guebey starten gleich fünf Defensivspieler in ihr vorerst letztes Vertragsjahr in Davos.
Fazit: 5/6 Punkte!
Die Defensive des HC Davos ist sicherlich gut, in Kombination mit dem starken Torhüter-Duo gehört die HCD-Hintermannschaft zu einer der stärksten der Liga. Bei der Bewertung der Verteidigung der Davoser lassen wir also etwas Luft nach oben. Trotz des Top-Transfers von Frick hätte es den Verbleib oder die Verpflichtung eines zweiten hochkarätigen Importspielers gebraucht, um noch mehr als fünf von sechs Punkten einzuspielen.
Neuzugänge:
🇸🇪 Rasmus Asplund (C/W - 1997) - Charlotte Checkers/AHL (Florida Panthers/NHL)
🇨🇭 Beni Waidacher (F - 2o06) - eigener Nachwuchs
Abgänge:
🇨🇭 Marc Wieser (RW - 1987) - Karriereende
🇨🇭 Andres Ambühl (W/C - 1983) - Karriereende
🇨🇭 Joël Blaser (C/W/D - 2005) - EHC Winterthur
Bislang klang ziemlich alles nach sehr viel Kontinuität beim HC Davos und das trifft auf die bereits analysierten Mannschaftsteile auch zu. Zwei Rücktritte in der Offensive sorgen aber dafür, dass im Landwassertal gewissermassen eine neue Zeitrechnung beginnt. Es wird die Zeit nach dem "ewigen" Andres Ambühl sein. Mit ihm hat mit Marc Wieser eine weitere grosse Identifikationsfigur seine Karriere beendet. Es werden neue solche schillernde Figuren gesucht. Unweigerlich werden Enzo Corvi und Chris Egli noch mehr in diese Rollen hineinrutschen. Aber auch die anderen Bündner im Team werden gemeinsam ein Erbe antreten, das ihnen eine Bürde auflädt, der eigentlich keiner gerecht werden kann - ohne die Leistungen von irgendeinem Kaderspieler schmälern zu wollen.
Sportlich ist die Lösung schnell erklärt. Ein zusätzlicher Importspieler soll die Lücke schliessen, Rasmus Asplund ergänzt das Team. Der 27-Jährige jagt seinen ersten Karrieretitel. Gemeinsam mit Brendan Lemieux, Simon Ryfors, Matej Stransky, Adam Tambellini und Filip Zadina werden die sechs Importstürmer wohl fleissig rotieren. Womöglich wird man vereinzelt auch alle sechs im gleichen Spiel auf dem Matchblatt finden, sollte in der Defensive Klas Dahlbeck einmal eine Verschnaufpause einlegen. Noch nicht aufs Eishockey gerichtet ist der Fokus von Joakim Nordström, der Schwede hat schon die komplette letzte Saison aufgrund der Folgen einer Hirnerschütterung verpasst.
Anders als in der Defensive gibt es hier mehrere junge Spieler, die in der nächsten Saison noch etwas mehr von ihrem Potential abrufen wollen. Vor allem darf da an die drei gedrafteten Simon Knak, Valentin Nussbaumer und Rico Gredig gedacht werden. Anzumerken ist, dass Gredig im September erneut in die USA reisen und am Rookie-Camp der New York Rangers teilnehmen wird. Sollte er dann den Sprung ins Haupt-Camp schaffen, könnte er den Saisonstart mit dem HCD verpassen.
Im ersten Testspiel traf auch der 17-jährige Lars Steiner. In der letzten Saison spielte das HCD-Eigengewächs bei den Rouyn-Noranda Huskies in der QMJHL, vielleicht ergibt sich in der kommenden Spielzeit die Möglichkeit ihn auch in der National League zu sehen. Es spricht vieles dafür, dass sich die HCD-Fans in der kommenden Saison über die Leistungen der jungen Stürmer freuen dürfen.
Fazit: 5/6 Punkte!
Auch in der Offensive erhalten die Bündner von uns fünf Punkte. Sportlich lässt sich der Doppelrücktritt von Ambühl und Wieser wohl kaschieren. Der HCD verfügt über eine interessante Zusammensetzung der Offensive, in der die jungen Schweizer auch den Imports einheizen können. Oder vielmehr werden wohl alle gegenseitig voneinander profitieren. Um die eingängig gestellten Fragen zu beantworten: Mit diesem Kader wird der HC Davos wie in den anderen beiden Saisons unter Josh Holden zu den Top-Teams gehören. Zumindest auf dem Papier dürfte es aber fürs Playoff-Finale eng werden. Die Davoser müssten über sich herauswachsen. Ein Szenario, das allerdings nicht auszuschliessen ist.
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