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Ambris Skandinavier brauchen dringend Entlastung, sonst droht ein Fehlstart

Kaderanalyse HC Ambri-Piotta

Der HC Ambri-Piotta will die turbulente vergangene Saison endgültig hinter sich lassen. Mit Jussi Tapola an der Bande und Lars Weibel als neuem Sportchef soll im Tessin ein Neustart gelingen. Dabei setzt der HCAP auf eine Mischung aus Erfahrung, neuen Imports und viel Jugend.

Eigentlich kann es beim HC Ambri-Piotta nur besser als letzte Saison werden. Mit dem Verrat des damaligen Präsidenten Filippo Lombardi, dem Abgang von Luca Cereda und Paolo Duca, dem zweifachen Trainerwechsel und dem Playout-Final zum Schluss erlebte der HCAP wohl eine der turbulentesten Saisons seiner Geschichte. Mit Jussi Tapola, der im Januar den Tessiner Club übernahm, soll nun ein Neustart erfolgen.

Der Neustart geschieht nicht nur auf dem Eis, sondern auch neben dem Eis setzen Tapola und der neue Sportchef Lars Weibel neue Akzente. Der ehemalige Direktor des Schweizerischen Eishockeyverbands hat mit einigen Transfers schon angedeutet, wohin er mit dem HCAP will.

Torhüter: Am Duo Senn/Wüthrich wird nicht gerüttelt

Neuzugänge:
-

Abgänge:
-

Die beiden Torhüter Gilles Senn und Philip Wüthrich bilden das Goalie-Duo beim Tessiner Verein. Wüthrich, der vom SCB zum HCAP wechselte, startet in seine zweite Saison in der Leventina, Senn beginnt die dritte Spielzeit in Weissblau. Letzte Saison waren die Einsätze gleichmässig aufgeteilt. Wüthrich kam auf 28 Spiele in der Meisterschaft und sein Teamkollege auf 26. Der Berner durfte schliesslich auch in allen vier Playout-Partien ran.

Was die Statistik angeht, ist auch dort Philip Wüthrich im Vorteil. Der 28-Jährige hatte durchschnittlich eine Fangquote von 90,6 Prozent und während der Playoffs sogar 92 Prozent. Insgesamt dreimal hielt er den Kasten dicht und feierte einen Shutout. Spannender wird es bei den erhaltenen Toren: Wüthrich kassierte pro Partie 2,84 Tore, während es bei Senn 3,35 sind. Der Zürcher Goalie, der schon einen Meistertitel in seiner Karriere gefeiert hat, hatte letzte Saison eine Fangquote von 88,9 Prozent.

Philip Wüthrich und Gilles Senn wechseln sich im Ambri-Tor ab.
(Bild: Claudio De Capitani/freshfocus)

Fazit: 4.5/6 Punkte

Bei den beiden gibt es noch Luft nach oben. Beide kassierten in der letzten Saison immer wieder ein "faules Ei" und brachten ihre Vorderleute in Bedrängnis. Wenn Philip Wüthrich in einen Lauf kommt, so wie im letzten Jahr, als er mehrere Siege aneinanderreihte und kaum Tore kassierte, wird es für die Gegner schwierig. Die Frage bei ihm ist eher, wie lange er noch beim HCAP bleibt. Denn Gerüchten zufolge könnte er, nachdem sein Vertrag im nächsten Sommer ausläuft, zu Biel wechseln.

Verteidigung: Skandinavische Chefs brauchen mehr Unterstützung

Neuzugänge:
🇨🇭 Aris Häfliger (D - 2005) - eigener Nachwuchs
🇨🇭 Elia Scilacci (D - 2006)  - eigener Nachwuchs

Abgänge:
🇨🇭🇨🇦 Jesse Zgraggen (1993) - HC Ajoie

Wenn Jesse Virtanen und Tim Heed letzte Saison nicht so viel auf dem Eis gestanden wären, hätte es für den Tessiner Club wohl noch viel schlimmer ausgehen können. Die beiden sorgten trotz einer schlechten Saison für die einzige Konstanz in der Defensive des HCAP und waren die beiden Spieler, die die meiste Eiszeit in der ganzen Liga hatten. Doch die ständige Präsenz auf dem Eis hatte auch etwas Negatives: Die beiden gerieten immer mehr in die Bredouille und liessen Fehler zu. Gleiches gilt für die Dotti-Brüder, die so manche Minute auf der Strafbank verbrachten und dem Team einen Bärendienst erwiesen.

Mit dem Abgang von Jesse Zgraggen fehlt nächste Saison ein weiterer Verteidiger, der seinen Job in der Defensive stets gut machte und manches Tor verhinderte. Doch der Weg der Leventiner wird auch da wieder deutlich: Sie wollen sich als Ausbildungsclub einen Namen machen. Die beiden Junioren Aris Häfliger (21) und Elia Scilacci (19) erhielten ihren ersten Profivertrag.

Tim Heed braucht in der Ambri-Verteidigung Unterstützung.
(Bild: Michela Locatelli/freshfocus)

Dass es mit den jungen Verteidigern in Ambri nicht schlecht funktioniert, zeigten in den letzten Jahren auch Dario Wüthrich, der dank seiner Leistungen ein Nati-Aufgebot erhielt, oder Luc Bachmann, der trotz seiner erst 21 Jahre fast jede Partie bestritt. Das gibt im Tessin Hoffnung. Mit Heed und Virtanen haben die jungen Spieler hervorragende Lehrmeister im Team.

Fazit: 4.5/6 Punkte

Die Verteidigung braucht dringend Verstärkung. Die beiden Skandinavier können die Defensive nicht allein stabilisieren. Zwar gibt es mit den vielen Jungen frischen Wind, doch sie müssen noch viel lernen, um eine solche Sicherheit auszustrahlen, wie es die beiden Imports tun. Um Heed und Virtanen zu entlasten, soll ein weiterer erfahrener Verteidiger die Tessiner verstärken - dass dies jedoch geschieht, ist eher unwahrscheinlich. Denn Ambri ist für sein tiefes Budget bekannt und hat bekannt gegeben, dass das Kader mit sieben Schweizer Verteidigern vollständig sei.

Sturm: Der Tessiner Lichtblick in der Offensive

Zugänge:
🇨🇿 Petr Kodytek (C - 1998) - HIFK/FIN
🇨🇦 Nate Schnarr (C/RW - 1999) - Kölner Haie/DEL
🇫🇮 Roby Järventie (LW/RW - 2002) - Edmonton Oilers/NHL
🇨🇿 Matěj Pekař (C/W - 2007) - Seattle Thunderbirds/WHL (Leihe nach Chur)
🇨🇭 David Bosson (RW - 2006) - Drummondville Voltigeurs/QMJHL
🇮🇹 Jacopo De Luca (C - 2007) - Baie-Comeau Drakkar/QMJHL
🇨🇭 Jordan Forget (RW - 2006) - Victoriaville Tigres/QMJHL
🇨🇭 Nathan Borradori (F - 2006) - eigener Nachwuchs

Abgänge:
🇨🇦 Chris DiDomenico (C/RW - 1989) - IF Björklöven/SWE
🇨🇦 Christopher Tierney (C - 1994) - Dinamo Minsk/KHL
🇨🇦 Alex Formenton (LW - 1999) - ?
🇨🇭 Dario Bürgler (RW - 1987) - Rücktritt
🇦🇹 Dominic Zwerger (LW - 1996) - EHC Biel-Bienne
🇮🇹 Tommaso Madaschi (RW/LW - 2005) - Milano Hockey Club/ICEHL
🇨🇿 Matej Pekar (C/W - 2007) - EHC Chur (Leihe)

Zwar gibt es wie in der Verteidigung und beim Goalie-Duo auch bei der Tessiner Offensive Luft nach oben. Doch der Ambri-Sturm ist im Vergleich am besten aufgestellt. Mit Alex Formenton (noch kein Vertrag), Dominic Zwerger (EHC Biel-Bienne) und Dario Bürgler (Karriereende) hatten die Leventiner einige Abgänge zu verschmerzen. Kurz vor dem Playout-Final trennte sich Ambri von Topscorer Chris DiDomenico, was der Offensive in der entscheidenden Phase nicht wirklich half.

Auch wenn Michael Joly fünf Partien mehr bestritt, blieb "DiDo" auch nach seinem Abgang der beste Scorer der Leventiner. Vier der zehn besten Scorer spielen kommende Saison nicht in Weissblau. Die vielen Abgänge hat Sportchef Lars Weibel auf dem Papier jedoch bestens kompensiert. Mit Petr Kodytek, Nate Schnarr und Roby Järventie holt er drei Imports, die vor Torhunger nur so sprudeln. Järventie spielte einige Partien in der NHL und wird wohl mit so viel Ehrgeiz spielen, bis er die NHL-Scouts gleich selbst ins Tessin lockt. Und Schnarr durfte die WM-Vorbereitung mit den Kanadiern bestreiten, was ebenfalls für sein Können spricht.

Der Blick auf die Stürmer-Transfers zeigt aber nicht nur erfahrene Kräfte, sondern auch viele junge Spieler, die sich nächste Saison einen Platz in der ersten Mannschaft erkämpfen möchten. Mit David Bosson, Jordan Forget und Jacopo De Luca holte Ambri drei Youngster mit Schweizer Lizenz aus der kanadischen Juniorenliga ins Tessin. Nur Matej Pekar wird wohl die ganze Saison beim EHC Chur in der Swiss League bestreiten, damit er seine Schweizer Lizenz erhält.

Bereits während des ersten Testspiels standen sämtliche Youngster auf dem Eis und bestritten die Partie gegen die Bellinzona Snakes ohne Hilfe der Importspieler. Für Jussi Tapola war es wohl der erste Formtest, um zu sehen, welcher der jungen Akteure am ehrgeizigsten ist. Einer von ihnen hat sich bereits in der letzten Saison bewiesen: Nathan Borradori. Der 20-Jährige kam unter Tapola zu seinem Debüt in der National League und dankte es ihm mit vier Scorerpunkten in elf Partien. In der kommenden Saison darf er stolz das "A" auf der Brust tragen.

Fazit: 4.5/6 Punkte

Natürlich werden ein Dominic Zwerger, ein Chris DiDomenico oder ein Dario Bürgler in Ambri mit ihrer jahrelangen Erfahrung in der National League fehlen. Doch die jungen Spieler sollen in der Leventina nicht nur den Unterschied machen, sondern auch die älteren und erfahrenen Spieler motivieren, mit den Jungspunden mitzuhalten. Dennoch zitterte das Team gegen das schlechter klassierte Bellinzona und musste gegen das Swiss-League-Team Visp eine deutliche Niederlage hinnehmen. Noch passt nicht alles in der Tessiner Offensive.

Ein Kandidat für den letzten Play-In-Platz

In der kommenden Saison gilt beim HC Ambri-Piotta eher das Ziel, die jungen Spieler zu integrieren. Sie sollen Eiszeit und Vertrauen erhalten sowie gleichzeitig Verantwortung übernehmen. Damit will der HCAP als Ausbildungsclub nicht nur Spieler auf ihrem Weg unterstützen, sondern auch selbst profitieren.

Mit vielen jungen Spielern könnte Ambri den internen Konkurrenzkampf ankurbeln und damit längerfristig auf bessere Resultate hoffen. Dennoch ist die letzte Saison noch in einigen Köpfen verankert, als man nach Jahren wieder einmal im Playout-Final um den Ligaerhalt kämpfen musste. Das soll aber Geschichte sein, auch wenn dieses Jahr wieder der Ligaerhalt das oberste Ziel ist - alles, was danach kommt, ist Zugabe.

Dennoch darf man die Leventiner nicht abschreiben. Auch die jungen Spieler wollen erfolgreich sein. Mit einem guten Mix aus erfahrenen Spielern und torhungrigen Imports könnte dies genau der Unterschied sein, der den Tessinern in der vergangenen Saison zum Erfolg fehlte. Ambri dürfte erneut um die letzten Play-In-Plätze kämpfen - ein erneutes Playout-Finale wäre angesichts des neuen Kaders aber eine Enttäuschung.

Gesamtnote: 13.5/18 Punkte

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2026-08-16 12:00:03