Mit Roby Järventie stösst ein ehemaliger Zweitrunden-Draft der Ottawa Senators zum HC Ambri-Piotta. Der 23-jährige Finne galt einst als eines der grössten Offensivtalente seines Jahrgangs und möchte nach mehreren Rückschlägen in der Schweiz neu angreifen.
Dass Roby Järventie einst die Schlittschuhe schnüren würde, war absehbar. Denn der 23-jährige Finne wuchs in einer Hockeyfamilie zwischen Eisfeldern, Eishallen und Umkleidekabinen in Skandinavien auf. Sein Vater war Profi-Verteidiger Martti Järventie, der eine einzige NHL-Partie absolvierte und zweimal finnischer Liiga-Meister wurde.
Vater Martti betonte gegenüber NHL.com, dass er seine Söhne nie zum Eishockeyspielen gezwungen habe. Er habe ihnen erlaubt, sich dem Spiel nach ihren eigenen Interessen zu nähern. Dennoch schlugen alle drei Kinder, Roby, Max und Emil, den Weg als Eishockeyprofis ein. Und sie träumen davon, einst alle drei in einem Team zu spielen.
Roby Järventie begann bei Jokerit Helsinki und durchlief später die Juniorenabteilung von Tampereen Ilves, dem Klub seiner Heimatstadt Tampere. In der verkürzten Covid-Saison 2019/20 debütierte er mit Ilves in der finnischen Liiga. Die meiste Zeit dieser Saison verbrachte er aber in der zweithöchsten Liga Finnlands bei Koovee Tampere. In 36 Spielen kam er auf 38 Scorerpunkte und zeigte damit, dass er definitiv in die höchste finnische Liga gehört. Doch nicht nur das: Mit seinem Torhunger und Talent machte der Flügelstürmer auch in Nordamerika auf sich aufmerksam.

In der folgenden Saison erkämpfte er sich einen Stammplatz bei Ilves. Mit 26 Scorerpunkten in 53 Spielen schien er nicht nur in der Liiga angekommen zu sein, sondern gehörte zu den fünf besten Scorern des Teams. Gleichzeitig wurde er zum Rookie des Monats ausgezeichnet.
Den Namen Järventie kannte man in der NHL bereits dank seines Vaters Martti. 2020 folgte mit Roby der nächste Järventie in die beste Liga der Welt. Er wurde in der zweiten Runde an Position 33 von den Ottawa Senators ausgewählt. Viele Hockey-Experten sahen in ihm sogar einen Spieler mit Potenzial für die erste Runde. Denn seine Mischung aus Grösse, Skating und Schuss machte ihn besonders interessant.
Im April 2021 unterschrieb er einen Dreijahresvertrag bei den Senators. Wie viel ihm dieser Moment bedeutete, zeigt sein persönliches Instagram-Profil. Von 22 Beiträgen ist einer nur diesem Vertrag gewidmet. Nach der Unterzeichnung absolvierte er ein Probetraining beim Farmteam Belleville Senators in der AHL. Dort kam er auf vier Spieleinsätze. Dabei holte er drei Punkte.
In der darauffolgenden Saison startete er in der AHL, wo er in 72 Spielen auf 34 Scorerpunkte, davon 12 Tore und 22 Assists, kam. In der Saison darauf zog er sich zu Beginn eine schwere Knieverletzung zu, die ihn für drei Monate ausser Gefecht setzte. Auch die Saison 2023/24 begann er in der AHL.
Im November 2023 feierte er gegen die Tampa Bay Lightning in Ottawa sein NHL-Debüt. Nach sieben NHL-Spielen kehrte er wieder nach Belleville zurück. Bei den Ottawa Senators konnte er einen Assist verbuchen. Ausgerechnet seinem künftigen National-League-Gegner Dominik Kubalik gab er die Torvorlage.
Weil die Knieverletzung zurückkehrte, musste er sich unters Messer legen und die Saison vorzeitig beenden. Während seiner Rehabilitation wurde er von Ottawa nach Edmonton getradet. Fast wäre er danach nach Finnland zurückgekehrt. Denn 2025 unterschrieb er bereits bei Tappara Tampere, erhielt dann aber nochmals eine Chance in Nordamerika und löste den Vertrag wieder auf.
Deshalb startete er die darauffolgende Saison bei den Bakersfield Condors in der AHL. In der vergangenen Saison schien er zu seiner früheren Form zurückgefunden zu haben und kam in 61 Spielen auf 47 Scorerpunkte. Gleichzeitig erhielt er nochmals die Chance, sich in der NHL zu beweisen. Für die Oilers absolvierte er drei Spiele.
Während es in der AHL und NHL nicht nach Plan lief, feierte er mit dem Junioren-Nationalteam grosse Erfolge. Mit der U-20-Mannschaft holte er WM-Silber und WM-Bronze. Im A-Nationalteam kam er aber noch nie zum Einsatz.
Mehrmals schien Järventie kurz vor dem Durchbruch zu stehen – doch immer wieder warfen ihn Knieverletzungen zurück. Unter das Nordamerika-Abenteuer hat er nun einen Schlussstrich gezogen. Er hat im Frühling einen Zwei-Jahres-Vertrag mit dem HC Ambri-Piotta unterschrieben. Die Leventiner können sich auf einen Power Forward freuen. In einem Scouting-Report heisst es: "Finnen gelten oft als eiskalt, doch Järventie hat Feuer im Blut." Das Feuer und die Emotionen in der Gottardo Arena könnten ihn zum besten Scorer des Teams machen.
Der junge Finne wird gerne auch mit dem ehemaligen NHL-Spieler Brett Connolly verglichen. Beide sind für ihre guten Schüsse bekannt und verfügen über eine robuste Spielweise. Auch sein Spiel im Powerplay wird von mehreren Scouts gelobt. Im NHL-Draft-Guide 2020 von EliteProspects heisst es, dass er ein gutes Gespür dafür habe, wo sich der Puck als Nächstes befinden könnte. Wenn seine Knie keine Probleme mehr bereiten, könnte Järventie einer der besten Ambri-Spieler werden, die je im Biancoblu-Dress in der Gottardo Arena aufgelaufen sind.
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