Jussi Tapola hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben und Chris DiDomenico musste den Verein verlassen. Kurz vor Ende der Regular Season hat der HC Ambri-Piotta wegweisende Entscheidungen getroffen. Ob sich diese auszahlen werden, ist mehr als ungewiss.
Am 27. Januar hat Jussi Tapola die Geschicke beim HC Ambri-Piotta übernommen. Sechs Spiele haben die Leventiner seither absolviert und sechs Punkte eingefahren. Trotz dieses bescheidenen Leistungsausweises sind die Verantwortungsträger im Verein vom Kurs Tapolas überzeugt. Gleich für drei weitere Jahre soll der Finne an der Bande des HCAP stehen.
Der Verein sieht im 51-Jährigen die perfekte Person, um die Sportstrategie umzusetzen: "Mit der Vertragsverlängerung des amtierenden Trainers Jussi Tapola um drei Spielzeiten hat der Club die ideale sportliche Führung gefunden, um die im Januar vorgestellte Sportstrategie umzusetzen." Ambri möchte künftig für einen offensiveren, intensiveren und mutigeren Eishockeystil stehen.
Die Idee scheint klar: Ambri will nach den Abgängen von Luca Cereda und Paolo Duca erneut auf Kontinuität setzen. Das neue starke Duo soll Jussi Tapola und Lars Weibel heissen. Langfristige Arbeit ist in aller Regel erfolgreicher als kurzfristige. Aber ob bereits nach sechs Spielen dem Trainer ein Dreijahresvertrag ausgestellt werden muss, noch bevor er die Crunchtime der Saison erfolgreich bewältigt hat, darf angezweifelt werden. Eine gewisse Blauäugigkeit, gepaart mit der Hoffnung, dass es schon funktionieren wird, ist zumindest erkennbar.
Der Dreijahresvertrag ist nicht einmal der einzige Vertrauensbeweis des Vereins an den Trainer in den letzten Tagen. Kürzlich hat der Verein den Vertrag mit Chris DiDomenico aufgelöst, dem Topscorer des Vereins. Gemäss watson hat sich der Kanadier nichts zuschulden kommen lassen. Zudem habe der Trainer das Gespräch mit dem Spieler nicht gesucht, bevor dieser auf die Tribüne musste.

Das Machtspiel gegen den besten Spieler hat Tapola gewonnen, sofern es denn überhaupt ein Machtspiel und nicht viel eher eine Machtdemonstration war. Mit einem Dreijahresvertrag im Rücken wird die Position des Finnen weiter gestärkt. Umso wichtiger wird es für den Verein sein, dass die Mannschaft auch langfristig hinter dem Trainer stehen wird. Dafür ist eine gute Kommunikation von Seiten Tapolas wichtig, denn viele solche Fälle wie bei DiDomenico kann er sich im Tessin kaum erlauben. Die Dichte an Topspielern ist beim HC Ambri-Piotta überschaubar und adäquaten Ersatz zu finden, ist nicht einfach.
Bereits beim SCB hat der Jussi Tapola Dominik Kahun und Austin Czarnik vergrault. Für die Zusammenarbeit zwischen dem Trainer und den Spielern ist nur zu hoffen, dass der Kader der Leventiner charakterlich nun den Vorstellungen Tapolas entspricht. Dann kann der erfahrene Coach durchaus erfolgreich arbeiten, das hat er als vierfacher finnischer Meister und Champions-Hockey-League-Sieger schon unter Beweis gestellt.
Der HC Ambri-Piotta wäre nicht der erste Verein dieser Welt, der attraktiver und mutiger spielen möchte und dabei die eigene DNA verliert. Auch sportlich schlechtere Resultate könnten eine Folge dessen werden. Schlechter? Ambri steht aktuell auf Platz 13 und wird in den nächsten Wochen wohl das Duell mit Ajoie um den letzten Platz der National League austragen müssen.
Das Risiko, das der HCAP mit dem Kurswechsel eingeht, ist aber überschaubar. Die Vereine in der National League können alle noch so waghalsigen Experimente versuchen. Solange keine echte Abstiegsgefahr droht, hat man schliesslich nichts zu verlieren. Im Optimalfall funktioniert das Experiment bei Ambri und die Leventiner entzücken die Liga mit tollem Eishockey, das noch viele Punkte einbringt. Wahrscheinlich dünkt es zwar nicht, aber kentern wird das Schiff dank der Ligastrukturen ohnehin nicht.
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