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Ein Hitzkopf für die heisseste Arena der Schweiz

Chris DiDomenico spielt neu für Ambri-Piotta

Zwischen dem HC Ambri-Piotta und dem HC Fribourg-Gottéron kam es am Montag zu einem Blockbuster-Trade, den wohl nur wenige auf dem Schirm hatten.  Chris DiDomenico wechselt in die Leventina, während Jakob Lilja neu für Fribourg auflaufen wird. Doch was bedeutet die Addition von "DiDo" für Ambri im Hinblick auf Chancen und Risiken?

Situation rund um DiDomenico

Nachdem sich der Kanadier bei den SCL Tigers zum regelrechten Punktegaranten entwickelt hatte, wechselte der aussergewöhnliche Center 2020 nach Fribourg zu Gottéron. Bei den Drachen erlebte er seine produktivsten Jahre, denn in der Saison 21/22 kam der Spektakelspieler auf unglaubliche 54 Scorerpunkten aus 49 Spielen und zusätzlichen 15 Punkten in den Playoffs. Doch sein hitziges Gemüt drückte sich auch in Form von 92 Strafminuten in der gesamten Saison aus. Danach versuchte sich DiDo in der Hauptstadt und trotz erfolgreicher Punkteausbeute konnte man sich in Bern aufgrund seiner schwierigen Persönlichkeit nie richtig mit dem Kanadier anfreunden.

Nach nur einer Saison landete DiDo erneut bei Fribourg und der Spieler wirkte gezähmt. Denn DiDomenico verstand sich ausserordentlich gut mit Trainer und Landsmann Christian Dubé und so kam der Center vergangene Saison auf insgesamt 50 Scorerpunkte (Regular Season und Playoffs) und durfte das Team sogar als Assistenzcaptain anführen. Doch diese Saison, ohne Dubé an der Seitenlinie, ist alles anders.

Denn nun kam es zum Bruch zwischen Chris DiDomenico und dem HCFG. In einem Tauschgeschäft schickt man den Kanadier in die Leventina zu Ambri-Piotta. Eine Einigung, mit der wohl alle Parteien zufrieden sein dürften, denn sowohl Lilja als auch DiDomenico können noch einmal einen Neustart in die Saison wagen in einem völlig anderen Umfeld. Hauptgrund für den Wechsel war, dass DiDomenico laut Blick mit der Spielweise des neuen Trainers Pat Emond nicht im Reinen war und forderte somit selbst eine Änderung seiner Vertragssituation herbei.

Chancen für Ambri-Piotta und DiDomenico

Fakt ist, DiDo ist trotz seines Alters von 35 Jahren ein ausgezeichneter Eishockey-Spieler. In jeder einzelnen National-League-Saison konnte er mindestens 38 Scorerpunkte verbuchen und auch in der aktuellen Saison kam der Center in Fribourg auf zwei Tore und sieben Assists. Doch Ambri erhält nicht nur einen begnadeten Scorer, sondern auch einen Leitwolf mit einem Kämpferherz. Sportchef Paolo Duca gibt gegenüber RSI zur Auskunft: "Ich hoffe, er bringt uns etwas positive Energie, offensiven Schwung und auch ein bisschen Persönlichkeit"

Denn der 35-Jährige lässt in jedem Spiel das Herz auf dem Eis und ist Feuer & Flamme für das Hockey. Und genau diesen Antrieb erhofft sich Duca vom Neuzugang, denn der Funke soll auch auf das Team und die Fans überspringen, oder mehr noch, in gegenseitiger Symbiose gedeihen. "Sein Motor speist sich aus Emotionen, und an solchen mangelt es hier sicherlich nicht"

DiDomenico steht gerne im Scheinwerferlicht, der Unterschiedspieler lebt von diesen Emotionen

Da Chris DiDomenico in Fribourg nicht mehr zufrieden war und sich mit Trainer Emond nicht auf einer Wellenlänge befand, wird es auch für ihn persönlich eine Erlösung sein, nicht mehr an den Ort gebunden zu sein, wo man sich nicht mehr wohlfühlt. In Ambri kann er nun neben Topshot Dominik Kubalik wieder zum grossen Star werden.

Das Gute ist, dass man in Ambri den Abgang von Jakob Lilja ohne weiteres verkraften kann, denn der Schwede kam überhaupt nicht auf Touren und trug mit einem mickrigen Punkt so gut wie nichts zur Saisonleistung bei. Auf vielen Ebenen scheint der Austausch für Ambri also Sinn zu ergeben und auf den ersten Blick auch wenig risikobehaftet.

Risiken für Ambri und DiDomenico

Doch der Transfer birgt auch Gefahren, denn ausgerechnet Ambri ist ein Ort, wo der Teamgedanke seit jeher im Zentrum der Identität steht. Für einen Egozentriker wie DiDo ein riskantes Umfeld, vor allem dann, falls er sich nicht unterordnen kann. In Bern und nun Fribourg klappte das Engagement nicht, weil vieles nicht nach seinem Gusto lief, somit bleibt es fragwürdig, ob sich dies in Ambri ändern wird, denn dort muss sich DiDo auf jeden Fall ins Teamgefüge eingliedern. Er darf der Star sein, aber sollte sich selbst auch nicht zu wichtig nehmen und seinen eigenen Kopf durchsetzen wollen, ansonsten könnte er schnell einmal die Fans gegen sich aufbringen. Der Klub steht immer an erster Stelle in der Leventina und wie Trainer Luca Cereda einst gegenüber dem SRF sagte: "Ambri gehört den Leuten".

Man kann schon sagen, dass sich der Kanadier nach seinem rauen Bern-Abenteuer etwas beruhigt hat (lediglich 30 Strafminuten vergangene Saison) und ein ausgeglichener Hockey-Profi geworden ist, doch Ambri ist ein Ort, wo der Sport von den Emotionen lebt. Ein heisses Pflaster für einen "Hitzkopf". Denn es ist auch gut vorstellbar, dass in schlechten Tagen (und es wird schlechte Tage geben) den Emotionen auf beiden Seiten freien Lauf gelassen wird und das Fass zum Überlaufen gebracht werden kann. 

Luca Cereda wird versuchen den begnadeten DiDomenico schnell ins Teamgebilde einzugliedern

Vor allem Trainer Luca Cereda ist stets mit Leidenschaft an der Bande. Er fördert und fordert dieses Brennen für den Verein und lebt es vor wie kaum ein anderer. Für Chris DiDomenico gilt es, diesen Prozess mitzumachen und sich ins Teamgebilde einzugliedern. Doch sollte er nicht alles für den Verein geben, so könnte er beim Trainer wie auch den Fans schnell im Offside stehen

In Ambri lebt man für das Hockey und genau so spielt auch Chris DiDomenico. Es könnte der Anfang einer wunderbaren, erfolgreichen, gemeinsamen Zeit werden. Denn zusammen mit Dominik Kubalik könnte sich eines der gefährlichsten Duos der National League bilden. Ob DiDo wirklich nochmal seinen zweiten Frühling erleben wird, bleibt hingegen abzuwarten. 

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2024-10-29 12:05:28