Einmal mehr war Ajoie in dieser Saison das abgeschlagene Schlusslicht, und doch kamen die Jurassier einer Ligaqualifikation aus dem Weg. Im Jura steht nun aber eine ziemliche Aufräumarbeit an, und diese könnte nächste Saison endlich einmal Wirkung zeigen. Wir werfen einen Blick auf die Kaderplanung.
Mit ganzen 17 Punkten Rückstand auf den zweitletzten Tabellenplatz waren die Jurassier auch in dieser Saison das klare Schlusslicht. Die Bilanz ist ernüchternd: die meisten Gegentore kassiert, die wenigsten Tore erzielt. In Ajoie ist man sich der Situation bewusst - es muss sich etwas ändern, denn die Konkurrenzfähigkeit ist schlicht zu gering. Entsprechend wächst auch die Kritik, nicht nur intern, sondern auch von vielen Fans der National League.
Da nun auch einige Teams aus der Swiss League aufrüsten, wird Sportchef Julien Vauclair klar, dass es so nicht mehr lange weitergehen kann. Und tatsächlich: Es scheint sich endlich eine Reaktion zu zeigen.
Obwohl in der Playout-Finalserie gegen HC Ambrì-Piotta nur noch ein Spiel auf dem Programm stand, griffen die Verantwortlichen durch. Headcoach Greg Ireland wurde kurz vor Saisonende entlassen. Für die kommende Saison ist damit klar: In Porrentruy wird ein neuer Wind wehen, etwas, das dem Team gut tun dürfte. Auch bei den Assistenztrainern wurde aufgeräumt. Sowohl Juha-Pekka Hytönen als auch Gregory Sciaroni verlassen den Verein.
Doch nicht nur hinter der Bande tut sich etwas. Auch im Kader hat Ajoie zuletzt kräftig ausgemistet. Vor allem ältere Spieler wurden aus dem Weg geräumt, um Platz für junge Kräfte zu schaffen. Lange galt der Klub als Abstellgleis für ältere National-League-Spieler - genau das soll sich nun ändern.
Antoine Keller (2004) - Vertrag bis 2026/27
Noah Patenaude (2002) - Vertrag bis 2027/28
Tim Wolf (1992) - Vertrag bis 2026/27
Yonas Berthoud (2000) - Vertrag bis 2027/28
Gaël Christe (2004) - Vertrag bis 2028/29
Kevin Fey (1990) - Vertrag bis 2026/27
Anttoni Honka (2000) - Vertrag bis 2026/27
Julius Honka (1995) - Vertrag bis 2027/28
Matthew Kellenberger (1999) - Vertrag bis 2027/28
Valentin Pilet (1997) - Vertrag bis 2026/27
Stefano Bottini (2002) - Vertrag bis 2026/27
Christophe Cavalleri (2002) - Vertrag bis 2026/27
Livio Christen (2005) - Vertrag bis 2027/2028 +1
Cole Cormier (2002) - Vertrag bis 2026/27
Philip-Michaël Devos (1990) - Vertrag bis 2027/28
Nolan Diem (1993) - Vertrag bis 2026/27
Lorin Froidevaux (2005) - Vertrag bis 2027/28 +1
Lilian Garessus (2003) - Vertrag bis 2026/27
Titouan Girardin (2005) - Vertrag bis 2027/28 +1
Killian Mottet (1991) - Vertrag bis 2026/27
Julius Nättinen (1997) - Vertrag bis 2026/27
Louis Robin (2003) - Vertrag bis 2026/27
Matteo Romanenghi (1995) - Vertrag bis 2026/27
Kyen Sopa (2000) - Vertrag bis 2026/27
Kristian Tanus (2000) - Vertrag bis 2026/27
Noé Tarchini (2006) - Vertrag bis 2027/28 + 1
Jerry Turkulainen (1998) - Vertrag bis 2026/27
Die Goalie-Situation beim HC Ajoie präsentiert sich - insbesondere mit Blick auf die Zukunft - deutlich stabiler, als es auf den ersten Blick den Anschein machen könnte. Mit Antoine Keller und Noah Patenaude verfügen die Jurassier über zwei vielversprechende Talente im Kader, denen in der kommenden Saison nun vermehrt Einsatzzeit zugetraut wird. Vor allem Keller konnte in der abgelaufenen Spielzeit mehrfach mit starken Paraden auf sich aufmerksam machen und sein grosses Potenzial unter Beweis stellen.
Als dritte Option hat Ajoie zudem Tim Wolf zurückgeholt. Der Routinier soll in erster Linie eine Mentorenrolle für das junge Duo übernehmen, dürfte dabei aber auch selbst zu einigen Einsätzen kommen und dem Team mit seiner Erfahrung wichtige Stabilität verleihen.
In der Defensive hat der HC Ajoie bislang drei Transfers getätigt und diese darf man durchaus als gelungen bezeichnen. Mit Julius Honka hat man kürzlich einen kleinen Transfercoup gelandet. Der Finne, der in der National League bereits durch seine offensiven Impulse von der blauen Linie aufgefallen ist, bringt viel Kreativität mit, ist defensiv jedoch gelegentlich etwas zu offensiv ausgerichtet. Umso spannender ist die Konstellation, dass er nun im Jura gemeinsam mit seinem Bruder Anttoni Honka auflaufen kann. Beide verkörpern einen ähnlichen Spielertyp - die Gefahr aus der Distanz dürfte beim HCA damit deutlich zunehmen.
Mit den beiden weiteren Neuzugängen Matthew Kellenberger und Gaël Christe hat sich Ajoie zudem gezielt in der Defensive verstärkt. Beide gelten als klar defensiv ausgerichtete Spieler. Auch wenn sie in ihren bisherigen Teams nicht immer eine grosse Rolle spielten, könnte sich das im Jura ändern.
Besonders Christe ist dabei ein wichtiger Baustein für die Zukunft, weshalb ihm gleich ein Vertrag bis 2029 gegeben wurde. Ein weiterer Pluspunkt: Kellenberger und Honka kennen sich bereits aus gemeinsamen Zeiten bei den Rapperswil-Jona Lakers, was die Eingewöhnung zusätzlich erleichtert.
Die offensive Breite des HC Ajoie hat sich durch zahlreiche Neuzugänge deutlich vergrössert. Mit Kristian Tanus haben die Jurassier zudem einen neuen Import verpflichtet. Der Finne überzeugte in der vergangenen Saison in seiner Heimat mit starken 67 Scorerpunkten und bringt damit viel offensive Qualität mit ins Jura. Zusammen mit den beiden weiteren finnischen Stürmern Jerry Turkulainen und Julius Nättinen dürfte er für viel Offensivgefahr sorgen.

Neben Tanus hat Ajoie auch auf junge Spieler gesetzt. Besonders Livio Christen und Steffano Bottini dürften dabei im Fokus stehen. Bottini kehrt nach vier Jahren College-Hockey aus der NCAA in Nordamerika in die Schweiz zurück, während Christen trotz erst einem Einsatz in der National League mit starken 68 Punkten in 40 Spielen in der U-21-Elite auf sich aufmerksam machte.
Weitere junge Kräfte stossen ebenfalls zum Kader: Cole Cormier vom HC Lugano, der mit Schweizer Lizenz bereits erste Einsätze für Ajoie absolviert hat, sowie aus dem eigenen Nachwuchs Noé Tarchini, Titouan Girardin und Lorin Froidevaux, die allesamt in den Profikader integriert werden. Ergänzt wird das Ganze durch Nolan Diem, der als langjähriger National-League-Spieler zusätzliche Erfahrung ins Team bringt.
Kevin Bozon (1995) - Vertrag bis 2025/26
Jonathan Hazen (1990) - Vertrag bis 2025/26
Jeremy Wick (1989) - Vertrag bis 2025/26
Marco Pedretti (1991) - Vertrag bis 2025/26
Bastien Pouilly (1996) - Vertrag bis 2025/26
In Ajoie laufen aktuell noch fünf Verträge aus und besonders jener von Jonathan Hazen steht dabei im Fokus. Der Kanadier gehört seit 2015 zu den Ajoulots und wusste über Jahre hinweg zu überzeugen, doch zuletzt konnten seine Leistungen nicht mehr an frühere Zeiten anknüpfen. Da zudem eine Einbürgerung noch länger auf sich warten liesse, spricht derzeit wenig für eine Vertragsverlängerung.

Ebenfalls betroffen sind zwei Spieler mit Schweizer Lizenz: Kevin Bozon und Jeremy Wick. Zwischen den beiden dürfte Wick eher Chancen auf eine Verlängerung haben, auch wenn er mit 36 Jahren nicht mehr der Jüngste ist. Bei Bozon hingegen könnte es zu einem Abschied kommen. Mit lediglich zwei Assists aus 35 Spielen fiel seine Ausbeute zuletzt sehr mager aus - selbst in einer offensiv insgesamt harmlosen Mannschaft. Auch Marco Pedretti und Bastien Pouilly stehen vor ungewisser Zukunft.
Arno Nussbaumer (D, 2002) - SCL Tigers
Jannik Fischer (D, 1990) - Rücktritt
Pierre-Edouard Bellemare (F, 1985) - Rücktritt
Niklas Friman (D, 1993) - TPS Turku
Damiano Ciaccio (G, 1989) - ?
Benjamin Conz (G, 1991) - ?
Frédérik Gauthier (F, 1995) - ?
Elvis Schläpfer (F, 2001) - ?
Reto Schmutz (F, 1992) - ?
Thomas Thiry (D, 1997) - ?
Emils Veckaktins (F, 2004) - ?
Dass in Ajoie kräftig ausgemistet wurde, zeigt sich in der Auflistung der Abgänge deutlich. Abgesehen von Arno Nussbaumer, Jannik Fischer und Pierre-Edouard Bellemare waren die restlichen Abgänge aus Klubsicht kaum schmerzhaft. Am meisten ins Gewicht fällt dabei der Abgang von Nussbaumer. Mit ihm verliert Ajoie einen zuverlässigen Schweizer Verteidiger.
Abgesehen von den drei genannten Abgängen hat sich der Klub von den übrigen Spielern selbst getrennt - ein klares Zeichen für einen deutlichen Umbruch. Auffällig ist dabei insbesondere, dass sich Ajoie auch von mehreren älteren Spielern verabschiedet hat. Die Entscheidungen wirken daher insgesamt nachvollziehbar und konsequent. Mit dem frei gewordenen Platz im Kader und den vielversprechenden Neuzugängen könnte sich in Ajoie nun endlich etwas bewegen.
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