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Hajrovic hätte sich eine GC-Rückkehr gewünscht und wäre einst beinahe in Japan gelandet

Kein krönenedes Ende der Karriere

In der jüngsten Folge "Storytime - Hinter den Kulissen des Fussballs" bot sich eine spezielle Konstellation. Host Sead Hajrovic durfte seinen Bruder Izet Hajrovic begrüssen. Mit einem Beinahe-Transfer aus seiner Karriere gelang es Izet sogar, seinen Bruder zu überraschen.

"Ich war irgendwie doch traurig, dass es nicht geklappt hat", blickt Izet Hajrovic auf das Ende seiner Karriere und eine mögliche Rückkehr zum Grasshopper Club Zürich zurück. Im Sommer 2023 wäre er gerne an seine alte Wirkungsstätte zurückgekehrt. "Möglich war es. Ich wollte es auch. Es war mein Traum, nach dem Griechenland-Abenteuer, beziehungsweise nach neuneinhalb Jahren im Ausland, dass ich nochmals zu GC zurückgehe und dort meine Karriere beende", meinte der Flügelspieler im Podcast "Storytime - Hinter den Kulissen des Fussballs".

Es war damals noch vor dem Einstieg von LAFC beim Grasshopper Club Zürich. Der Schweizer Rekordmeister war in chinesischer Hand. Hajrovic zeigt heute zwar Verständnis, dass die Pläne andere waren, bedauert aber, seine Karriere nicht bei seinem Stammverein beendet zu haben. Er fühlte sich körperlich noch gut, auch wenn er auf Zypern eine längere Zeit nicht gespielt hatte. Am Finanziellen wäre es nicht gescheitert, versichert er. Er wollte in den nicht einfachen Zeiten seinem Jugendverein weiterhelfen: "Ich wäre gerne dahin gegangen. Neben Amir Abrashi noch eine Identifikationsfigur im Club zu haben, ob ich gespielt hätte oder nicht, ich hätte helfen können. Es wäre sicherlich ein positiver Faktor gewesen."

Zwei Brüder aus Birr auf dem Weg zum Fussballprofi

Die beiden Hajrovic-Brüder sind in Birr aufgewachsen und haben dort ihre ersten Schritte im Fussball gemacht. Schon früh wechselten sie zum FC Windisch. Izet Hajrovic wurde bei einem Turnier entdeckt und wechselte dann in die Jugend des Grasshopper Club Zürich. Dass sie nicht von Anfang an im Umfeld eines Profivereins Fussball gespielt haben, finden weder Izet noch Sead wichtig. Izet betont das auch als wichtiger Hinweis für Eltern, dass der Spass für Kinder im Vordergrund stehen soll: "Das Kind muss Freude und Spass haben und glücklich sein. Solche Schritte kommen dann später. Wenn man älter wird, kann man sich das überlegen, ob man zu einem besseren Verein gehen möchte oder nicht."

Die Hajrovics hatten von zu Hause aus nie Druck, eine Profikarriere anstreben zu müssen. Im Nachwuchs des GCZ war dann natürlich mehr Zielstrebigkeit vorhanden. Izet Hajrovic erinnert sich an die Nachwuchsstufen: "Du hattest diese Qualifikationsgespräche am Ende der Saison. Das ist wie das Zeugnis in der Schule, mit dem du die Bestätigung erhältst oder deine Note siehst. Das war bei uns im Nachwuchs auch so. Natürlich hattest du Druck, du wolltest die beste Note auch haben, deswegen musstest du auch performen. Das war bei mir aber nie im Fokus oder im Vordergrund, ich habe Fussball wegen des Spasses gespielt."

Die Verbundenheit zu den Hoppers ist definitiv gross. Izet kommt sofort ins Schwärmen, wenn er an das GC seiner Jugend denkt, allen voran an Richard Nunez zu dem er aufgeschaut hat. Mit grosser Leidenschaft waren die beiden Brüder Balljungen. Es sei ein riesiges Highlight gewesen, diese Rolle im Hardturm zu übernehmen. Schwermütig wird der 35-Jährige auch, wenn er heute an der Hardturm-Brache vorbeifährt: "Es tut schon weh, das war ein richtiges Fussballstadion."

Die Cupsieger-Saison sticht heraus

Sowohl Sead, als Podcast-Host, als auch sein zwei Jahre älterer Bruder Izet sprechen von einer sehr prägenden Zeit im Nachwuchs der Hoppers. Als Nachwuchstrainer seien Sandro Chieffo und Luca Fiorina nicht nur fussballerisch prägend gewesen, sie hätten auch die Persönlichkeit ihrer Spieler gefördert. Die beiden Brüder spielten dann gemeinsam in der U 18, ehe Sead 2009 nach England in die Nachwuchsabteilung von Arsenal wechselte. Izet stieg derweil in die U 21 auf.

In der ältesten Nachwuchsmannschaft verweilte der Offensivspieler nur kurz. Schon früh wurde er in den erweiterten Kader der ersten Mannschaft integriert. Anfänglich spielte er noch mit der U 21. Mit Trainer Ciriaco Sforza bei den Profis verstand sich Hajrovic sehr gut. "Er mochte mich auch. Er hatte die Jungen generell gerne", erinnert sich Izet Hajrovic. Der von Sforza geforderte Pressingstil spielte dem lauffreudigen und offensiv denkenden Nachwuchsspieler in die Karten.

Insgesamt kam Hajrovic bei GC zu 109 Einsätzen in der ersten Mannschaft. Er erlebte Hochs und Tiefs. 2011/12 wäre der Rekordmeister abgestiegen, verhindert wurde das, weil Neuchatel Xamax zwangsrelegiert und der FC Sion mit einem happigen Punkteabzug bestraft wurde. Im Jahr darauf präsentierte sich die Situation ganz anders. Unter Uli Forte stürmten die Hoppers zum Cupsieg und beendeten die Saison als Vizemeister. "Uli hat jedes Mal gesagt, dass wir bodenständig bleiben müssen. Wir wissen, woher wir kommen. Wir sind letztes Jahr fast abgestiegen und müssen den Ball flachhalten. Aber wie hat man Erfolg? Wenn man arbeitet", erinnert sich Izet in der Folge "Storytime - Hinter den Kulissen des Fussballs" an die Worte des Erfolgstrainers. Es hätte in jener Saison alles gepasst, der Kader sei auch mit guten Transfers verstärkt worden.

Izet Hajrovic traf im Cupfinale gegen den FC Basel in der 75. Minute zum 1:1. (Urs Lindt/freshfocus)

Izet Hajrovics Karriere im Ausland begann unerfreulich

Im darauffolgenden Sommer kehrte Sead Hajrovic nach Zürich zurück. Insgesamt spielten die beiden aber nur ein halbes Jahr gemeinsam in der ersten Mannschaft. Nach 14 Jahren bei GC vollzog Izet Hajrovic seinen ersten Transfer ins Ausland. In der Winterpause 2014 wären auch der FC Basel und die ACF Fiorentina mögliche Optionen gewesen. "Von GC zu Basel zu wechseln, wäre für mich natürlich ein guter Schritt gewesen. Basel war damals eine Macht, hatte sehr viele Erfolge - jedes Jahr haben sie Titel gewonnen und Champions League gespielt", bilanziert Hajrovic. Für ihn war allerdings eines klar: "Für mich als Hopper gibt es in der Schweiz aber nur GC." Die Zeit war aber reif für einen Karriereschritt und so erfolgte der Wechsel zu Galatasaray Istanbul.

Es war ein kurzes Intermezzo in der Türkei. Aufgrund von ausbleibenden Lohnzahlungen holte sich Hajrovic Hilfe und liess schlussendlich nach nur einem halben Jahr und zwölf Einsätzen seinen Vertrag in Istanbul auflösen. Als vereinsloser Spieler nahm er die Vorbereitung für die Weltmeisterschaft 2014 in Angriff. Es sei organisatorisch eine Herausforderung gewesen, so hätte man beispielsweise noch eine Versicherung abschliessen müssen. Für Hajrovic erfüllte sich neben den WM-Einsätzen auch ein weiterer Traum. Werder Bremen klopfte an und dann ging es schnell: "Innerhalb von ein paar Tagen war es erledigt, weil einfach alles gestimmt hat. Ich wollte immer in die Bundesliga, das war ein Traum von mir. Als wir jünger waren, haben wir ja nur Bundesliga geschaut, vielleicht noch etwas Premier League."

Als es in Bremen funktionierte, folgte die einzige grosse Verletzung

In Bremen sorgte der bosnische Internationale mit seiner unverblümten Art und dadurch grossen Ansagen für Schlagzeilen. "Du musst dich nicht verstellen, bleib so, wie du bist. So wirst du am meisten Erfolg haben. Wenn du Dinge machst, um anderen zu gefallen, verstellst du dich und bist nicht der gleiche Mensch", setzt Hajrovic auch heute auf eine ehrliche Art. In der Bundesliga sei er vorerst auf die Welt gekommen, habe jedoch auch rasch im athletischen Bereich zugelegt.

Insgesamt 41 Spiele bestritt Izet Hajrovic für den SV Werder Bremen.

Sportlich lief es in Bremen alles andere als einfach. Nach einem Jahr wurde er per Leihe an die SD Eibar. Izet Hajrovic erinnert sich daran: "Im Sommer 2015 hiess es dann, dass ich etwas anderes suchen müsse. Ich wollte nicht von selbst gehen. Ich habe mich mega wohl gefühlt, auch in der Stadt und mit den Leuten." Wirklich viel Spielpraxis konnte er aber auch in Spanien nicht sammeln. Die Erfahrung war es aber auf jeden Fall wert, so stand er beispielsweise gegen Real Madrid oder den FC Barcelona gegen die ganz grossen Namen des Fussballs auf dem Rasen. "Es ist eine coole Erfahrung, solche Spieler live zu sehen und nicht nur am Fernseher. Das war schon etwas Spezielles. Und auch in diesen Stadien zu spielen, so etwas erlebst du nicht jede Woche."

Zurück von der Leihe wollte sich Hajrovic in Bremen durchsetzen. Der Trainerwechsel hin zu Alexander Nouri spielte ihm in die Karten. Auf den Aufschwung folgte allerdings eine Bruchlandung. Eine gravierende Knieverletzung, glücklicherweise die einzige grosse Verletzung in seiner Karriere, warf Hajrovic zurück. Die Saison war vorzeitig gelaufen. Zwar gab er noch in Norddeutschland sein Comeback. In der Winterpause der Saison 2017/18 war es dann an der Zeit für den nächsten Karriereschritt.

Der Beinahe-Transfer, der gar den eigenen Bruder erstaunt

Mit den Ausführungen zu jenem Transferfenster überraschte Izet gar seinen Bruder und Podcast-Host Sead. Der Flügelstürmer hätte beinahe einen Wechsel nach Japan zu den Yokohama F. Marinos gewagt. "Der Transfer wäre beinahe zustande gekommen. Am Ende des Transferfensters hatte sich das an den letzten zwei, drei Tagen alles ergeben. Ich hätte fast bei Yokohama unterschrieben. Ich wollte das auch wirklich machen, ich war offen für etwas Neues. Japan ist ein schönes Land, in dem ich mit dem Nationalteam schon einmal war, da hatte es mir gefallen. Dann dachte ich, weshalb nicht. Auch finanziell hätte es gepasst, sie hätten mir einen Dreijahresvertrag gegeben", plaudert Hajrovic aus dem Nähkästchen.

Die medizinischen Tests in Manchester waren bereits angesetzt. Als sich am Abend vor dem Abflug nach England plötzlich Dinamo Zagreb bei Hajrovics Berater meldete. Es war keine Frage, wie die Entscheidung ausfallen würde. Noch heute meint Hajrovic: "Das ist das Real Madrid vom Balkan!" Vier Meistertitel, zwei Pokalsiege und einen Triumph im kroatischen Superpokal feierte Hajrovic in Zagreb. 87 Partien lief er für den kroatischen Ligakrösus auf. Hier erlebte er die beste Phase seiner Karriere. Im Alter von 30 Jahren verliess er Zagreb als gefeierter Mann. Es zog ihn nach Griechenland zu Aris Saloniki. Was die Lebensqualität angeht, war es ein gelungener Wechsel. Wie schon in der Türkei lief betreffend Bezahlung nicht alles nach Vereinbarung. Hajrovic schaltete die FIFA ein, schlussendlich verliess er den Verein nach zwei Jahren vorzeitig. Weil es nicht mit einer Rückkehr zu den Hoppers klappte, war Griechenland ein nicht gelungener Abschluss einer überaus interessanten Karriere.

Die komplette Folge des Podcasts "Storytime - Hinter den Kulissen des Fussballs" mit dem Gespräch zwischen Sead und Izet Hajrovic findet ihr unter diesem Link. 

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2026-08-11 22:55:36