Am Mittwoch lud der Grasshopper Club Zürich zu einer Medienkonferenz, um über den Besitzerwechsel zur Bridge Football Group zu informieren. Der neue Vereinspräsident Ludovic Delechat teilte dabei seine Vision für den Rekordmeister.
Andras Gurovits, der weiterhin Teil des Verwaltungsrates des Grasshopper Club Zürich bleibt, sprach zur Eröffnung der Medienrunde seinen Dank an den bisherigen Mehrheitsaktionär Los Angeles FC aus. "LAFC hat es ermöglicht, dass wir mit GC weitere zweieinhalb Jahre Profifussball spielen konnten", blickte er zurück. Ihm war es wichtig, nochmals zu betonen, dass der LAFC die finanziellen Verpflichtungen immer erfüllt und die Übernahme aktiv und konstruktiv unterstützt habe.
"Wenn man in komplizierten Fragen schnell auf einen gemeinsamen Nenner kommt, zeigt das zumindest mir, dass die Bridge Football Group die Historie und die Bedürfnisse von GC wirklich respektiert", blickte Gurovits auf die Übernahme zurück. Der Grasshopper Club Zürich ergänzt damit das Portfolio rund um den FC Den Bosch aus den Niederlanden, Pro Vercelli aus Italien und den Shaanxi Union FC aus China. Als Investor steht ein chinesischer Geldgeber hinter der Gruppe, der Grossaktionär bei ByteDance ist, bei einem Technologieunternehmen, das primär für die Videoplattform Tiktok bekannt ist.
"Wir werden nicht tun, was beispielsweise zuletzt zwischen den Wolverhampton Wanderers und dem Grasshopper Club Zürich gemacht wurde."
Ludovic Deléchat, 08. Juli 2026
CEO der Bridge Football Group ist Ludovic Deléchat. Er übernimmt beim Grasshopper Club Zürich die Rolle des Präsidenten. Der in Lausanne geborene Jurist arbeitete unter anderem während neun Jahren bei der FIFA. Seit mehreren Jahren lebt Deléchat in Zürich, wo auch sein Sohn zur Welt gekommen ist. "Es ist mehr als ein berufliches Projekt, es ist auch etwas Persönliches", beschreibt der neue GC-Präsident seinen neuen Job.
Der langjährige GC-Fan kommt sofort ins Schwärmen, wenn er an den Siegtreffer von Murat Yakin im Rahmen der Champions League 1996/97 auswärts gegen Ajax Amsterdam zurückdenkt - es ist Deléchats erste Erinnerung mit GC-Bezug. Es ist jene Begeisterung, mit der er auch den Trainerstab und die Mannschaft sofort von sich überzeugen konnte. "Mit 'Ludo' ist der Kontakt von Anfang an sehr gut gewesen. Der Funke ist übergesprungen, ich habe die Energie bemerkt. Das hat mich nicht nur beruhigt, sondern auch sehr gefreut", beschreibt Cheftrainer Peter Zeidler das Kennenlernen mit dem neuen Präsidenten.

Noch stärker wurde Captain Amir Abrashi von der Vorstellung von Ludovic Deléchat bewegt, der von allen 'Ludo' genannt wird. Im Frühjahr hatte der Routinier seinen Vertrag verlängert, liess aber noch offen, ob er als Spieler oder als Teil des Staffs die kommende Saison absolvieren werde. "Die Präsentation von Ludo war hervorragend, sie ist sehr gut angekommen bei der Mannschaft. Wie Ludo sich präsentiert und direkt das Gespräch mit mir gesucht hat, war auch entscheidend für meine Zukunftsentscheidung", gibt sich Abrashi entschlossen, "nach dem Gespräch mit Ludo bin ich nach Hause gegangen und habe gesagt, dass ich die Saison als Spieler bestreiten möchte."
"Ich habe die Energie gespürt, dass der Grasshopper Club wieder die Nummer eins sein will und das Ego hinten angestellt wird", zeigt sich Abrashi überzeugt. Die erfahrene Wertschätzung habe ihm nach schwierigen Jahren wieder neue Kraft verliehen.
"GC war eine grosse Möglichkeit für uns, aber auch eine grosse Verantwortung", blickt Deléchat auf die neue Herausforderung. Mehrfach betonte der Präsident, dass GC die Rolle des Flaggschiffs in der Bridge Football Group übernehmen werde. Die Resonanz, beispielsweise aus Italien, wo der FC Pro Vercelli in der Serie C engagiert ist, sei ausgesprochen positiv. Deléchat hat klare Vorstellungen, was die Hoppers für ihn ausmachen: "Für mich steht GC für Tradition, Eleganz und Ambition. Das ist, was wir mit der Bridge Football Group erreichen möchten."
Dem neuen Präsidenten liegt viel daran, mit harter Arbeit, Demut und Präsenz im Verein und vor Ort, einiges zu bewegen. "In einem Multi-Club-Ownership ist es immer das Ziel, alle Teams voneinander profitieren zu lassen. Aber immer im Interesse des Vereins. Wir wissen genau, wo wir hier hingekommen sind. Es ist ein Club mit viel Geschichte und Tradition", erklärte Deléchat.
Die Bridge Football Group komme mit einem grossen Plan an. "Wir kommen aus schwierigen Jahren. Dreimal in Folge hat GC die Barrage bestritten. Wir wissen, wo wir sind und wo wir starten werden. Für uns ist klar, dass es ein Jahr null ist. Wir kommen etwas spät an im Prozess, bereits in zweieinhalb Wochen startet die Meisterschaft in Lausanne. Wir müssen alles erst aufbauen. Für uns ist wichtig, ins Management und den Verwaltungsrat Swissness zu bringen", so Deléchat. Ein neuer CEO werde bald starten, es handle sich um eine Schweizer Person mit viel Erfahrung.
Deléchat wollte nicht mit grossen Versprechen aufwarten, vielmehr würden Taten zählen: "Wir haben natürlich grosse Ambitionen. Wir werden den Verein auf und neben dem Platz schrittweise verbessern." Auf dem Rasen reflektiere sich die Organisation des Vereins, führte die neue Vereinsspitze aus. Die Bridge Football Group nehme ihre Projekte jeweils mit vielen finanziellen, aber auch personellen Ressourcen in Angriff. Eine verbindliche Zusage liess sich der Romand dann doch noch entlocken: "Ich weiss, ich wollte keine Versprechen abgeben. Aber das kann ich versprechen: Wir werden nicht tun, was beispielsweise zuletzt zwischen den Wolverhampton Wanderers und dem Grasshopper Club Zürich gemacht wurde."
Nicht nur sportlich wartet eine herausfordernde Phase auf die neuen Mehrheitsbesitzer bei GC: "Wir sind uns des Defizits bewusst. Mit einem klaren Plan, werden wir es reduzieren können. Das Stadion ist ein wichtiger Faktor, an dem wir zusammen mit dem FC Zürich arbeiten müssen. Aus einer kommerziellen Sicht: die Kosten reduzieren, den Umsatz steigern, in der Community präsent sein und mit potenziellen Sponsoren in Kontakt treten", führte Deléchat die angestrebte Vorgehensweise aus. Man sei sich aber bewusst, dass Zeit benötigt werde. Man habe Kenntnis von dem finanziellen Loch, das es in dieser Saison zu füllen gelte. Dennoch zeigt er sich zuversichtlich, dereinst den Break-even-Point zu erreichen.
Der Zeitpunkt der Übernahme sei nicht ganz ideal, bei der Kaderplanung habe sich der Rekordmeister einen Rückstand eingehandelt. "Auf dem Transfermarkt werden wir zwei bis vier Transferfenster benötigen, um ein Team zu haben, das unsere Visionen widerspiegelt", fordert Deléchat auch hier Geduld.
Eine erste personelle Entscheidung hat er aber offiziell gemacht: Sportchef Alain Sutter musste den Verein verlassen, noch sind letzte Details unter den beiden auseinandergehenden Vertragsparteien zu klären. Einen Sportchef in der hierzulande bekannten Form werde es nicht geben. Der Prozess innerhalb der Bridge Football Group gehe etwas anders vonstatten. Das Scouting und die Rekrutierung laufen zentralisiert über die Gruppe. Dries Boussatta ist für die sportliche Seite in der Gruppe verantwortlich. Konkrete Verhandlungen wird bei GC dann der künftige CEO führen. Die Entscheidungen trifft fortan eine sportliche Kommission, in welche auch der Trainer integriert werden wird.
Die Vision gilt ganz klar der eigenen Jugend. "Ich hatte Gänsehaut im Campus", blickt Deléchat auf seinen Besuch in der Vorwoche zurück, "Personen müssen hier arbeiten, auch Spieler, die das fühlen, dass es eine Institution ist." Man werde hart dafür arbeiten, dass dieses Gefühl bei allen zurückkehre, zeigte sich Delchat ambitioniert. Eine personelle Entscheidung aus der eigenen Jugend liess der Präsident sogleich durchsickern. Der 18-jährige Mittelfeldspieler Dominik Papic hat einen Vierjahresvertrag unterzeichnet.
Gleichwohl möchte man mit der ersten Mannschaft besser sein als im Vorjahr. Man befinde sich bereits mit zwei potenziellen Neuzugängen in Gesprächen, meint der neue Präsident. Trainer Peter Zeidler hat seinen Fokus auf den aktuellen Kader gerichtet: "Als Trainer mit ein wenig Erfahrung ist man gut beraten, sich um die Spieler zu kümmern, die im Training sind." Über die laufenden Gespräche sei der Deutsche aber natürlich informiert. Auch er macht klar: "Wir benötigen Amir und noch ein paar andere im mittleren Alter." Auch für Neo-Präsident Deléchat ist es wichtig, auch in der neuen Saison auf dem Rasen auf Abrashi zählen zu können: "Für mich ist Amir GC." Nicht nur der Captain, auch der Trainer geniesst volles Vertrauen der neuen Vereinsführung.
Peter Zeidler nutzt die Zeit, um seine Schützlinge immer besser kennenzulernen. Auf eine Spielphilosophie möchte er sich nicht festnageln lassen. Ihm sei wichtig, dass man nicht nur taktisch als Team auftrete, sondern auch vom Zusammenhalt und jeder für den anderen laufe. Man trainiere derzeit in zwei Systemen, sowohl in einem 4-3-3, als auch im 4-4-2. Zeidler gibt aber zu bedenken: "Oft wird die ganze taktische Sache vom Teamgeist dominiert."
Auch im Kader sieht der Cheftrainer bereits, was auch der neuen Vereinsführung am Herzen liegt: "Wir haben gute Spieler, die wollen und sehr fleissig sind." Das ist eine wichtige Voraussetzung, um besser zu werden. Klar, müssen wir schnell besser werden, um richtig konkurrenzfähig zu sein, das steht auch fest. Mit viel Demut und Bescheidenheit gehen wir das Ganze an, davon können alle ausgehen."
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