Der Grasshopper Club Zürich befindet sich einmal mehr in akuter Abstiegsgefahr, verlor man zuletzt die beiden kapitalen Abstiegskracher gegen den FC Winterthur, wodurch die Eulachstädter nur aufgrund des schlechteren Torverhältnisses noch hinter GC rangiert sind.
Der Trend des Schweizer Rekordmeisters zeigt definitiv nach unten und spätestens jetzt müssen bei den Hoppers sämtliche Alarmglocken schrillen. Für einen möglichen Weckruf haben die Verantwortlichen am 5. Mai gesorgt, wurde doch Sportchef Stephan Schwarz per sofort von seinen Aufgaben entbunden und dafür der seit seinem FCSG-Out vereinslose Alain Sutter installiert.
Auf den 57-Jährigen, der damals in St.Gallen überzeugende Arbeit ablieferte, wartet bei GC eine Mammutaufgabe. Man muss sogar von einer Grossbaustelle sprechen, besitzen doch nur gerade zwölf Spieler im Kader einen Vertrag über den Sommer hinaus. Auch Trainer Tomas Oral ist vertraglich nur noch bis Ende Juni an GC gebunden.
Zwei Torhüter besitzen bei den Hoppers noch einen weiterlaufenden Vertrag und einer davon ist der junge Nicolas Glaus. Der 22-Jährige durfte zwar bereits auf der Ersatzbank Platz nehmen, doch auf einen Super-League-Einsatz muss er noch warten. Sollten die Hoppers tatsächlich den bitteren Gang in die Challenge League antreten müssen, könnte dies für Glaus selbst sogar zur Chance werden. Schliesslich ist derzeit kaum vorstellbar, dass Stammgoalie Justin Hammel trotz eines weiterlaufenden Kontrakts mit GC in die Zweitklassigkeit absteigen würde.
Auf dem Eigengewächs ruhen bei GC grosse Hoffnungen, könnte er doch eines Tages der nächste grosse Exportschlager für die Hoppers werden. In dieser Saison steht der 20-Jährige bei immerhin 25 Super-League-Einsätzen, wobei er regelmässig zwischen Startelf und Ersatzbank hin und her pendelt. Auf ihn dürfte Alain Sutter aller Voraussicht nach auch bei einem Abstieg zählen, könnte der Mittelfeldspieler in dem Fall doch in der Challenge League zu einem wichtigen Puzzleteil einer möglichen Aufstiegsmannschaft werden und sich endgültig als Stammspieler etablieren.
Ein weiterer Youngster, der einen Vertrag bis 2026 besitzt, ist Maksim Paskotsi. Der estnische Nati-Spieler hat in dieser Saison bislang 23 Partien bestritten und dabei einen Treffer erzielen können. Der Verteidiger trägt seit September 2023 das GC-Trikot und bislang hat er es nicht geschafft, sich zum unumstrittenen Stammspieler zu mausern. Gut möglich aber, dass er das sinkende GC-Schiff bei einem Abstieg nicht verlassen würde, um eine Liga tiefer eine Schlüsselrolle einnehmen zu können.
Erfahrung ist in der aktuell schwierigen Situation der Hoppers absolut Gold wert und solche besitzt Dirk Abels definitiv. Der 27-Jährige bestreitet seine zweite Saison für GC, wobei er nicht mehr immer erste Wahl ist. 24 Partien hat der Niederländer bis dato bestritten und ob der rechte Verteidiger den Gang in die Challenge League mitgehen würde, ist absolut offen. Fraglich auf jeden Fall, ob er in seinem besten Fussballeralter nur zweitklassig spielen will, wobei es natürlich auch davon abhängt, welche Perspektiven ihm ein Alain Sutter in dem Fall aufzeigen könnte.
Einer, der die Hoppers auch bei einem Abstieg garantiert nicht im Stich lassen dürfte, ist Captain Amir Abrashi. Der mittlerweile 35-Jährige ist einer von mittlerweile ganz wenigen im Kadern, der genau weiss, was es bedeutet, den Hopper auf der Brust tragen zu dürfen. Der Mittelfeldterrier würde es als persönliches Versagen aufnehmen, falls GC den bitteren Gang in die Challenge League antreten müsste, weswegen er alles dafür tun würde, damit sein Herzensverein sogleich wieder aufsteigen könnte.

Nur gerade sieben Spieler im aktuellen GC-Kader besitzen einen Vertrag bis mindestens 2027 und zu ihnen gehört auch Simone Stroscio. Das Eigengewächs durchlebt jedoch keine einfachen Zeiten bei den Hoppers, besitzt er derzeit kaum Perspektiven, um auf viel Einsatzzeit kommen zu können. In dieser Saison durfte der Mittelfeldspieler gerade einmal drei Joker-Einsätze bestreiten, während er in der 1. Liga Classic siebenmal zum Einsatz gekommen ist. Für ihn könnte ein GC-Abstieg eine Chance sein, um sich bei den Profis zu etablieren.
Der Kanadier wurde im letzten August mit grossen Hoffnungen verpflichtet, doch bislang zeigte der 26-Jährige extrem enttäuschende Leistungen. Choinière kam nur gerade in 15 Spielen zum Einsatz (ein Tor) und dabei musste er sich oftmals mit Joker-Einsätzen begnügen. Die NZZ meint sogar, dass der Kanadier den "Grasshoppers so fremd wie Schwarz selber blieb" und nie den Eindruck machte, mit den "hiesigen Gegebenheiten zurechtzukommen." Der zentrale Mittelfeldspieler besitzt zweifelsfrei Potenzial, doch es ist schwierig vorstellbar, dass er dies in der nächsten Saison in der Challenge League unter Beweis stellen wollen würde. Er würde wohl viel eher die Flucht ergreifen.
Auf dem jungen Angreifer ruhen für die Zukunft grosse Hoffnungen bei GC und auch der neue Sportchef Alain Sutter dürfte wohl darauf bedacht sein, ihn selbst bei einem bitteren Abstieg von einem Bleiben überzeugen zu können. Nikolas Muci besitzt grosse Qualitäten, weswegen es schon ein wenig verwunderlich ist, warum der 22-Jährige nicht häufiger in der Startelf zu finden ist. Der Stürmer weiss, wie man Tore schiesst, wie seine sechs Treffer aus 31 Einsätzen beweisen.
Seine Verpflichtung haben die GC-Fans vor der Saison mit grossem Wohlwollen zur Kenntnis genommen, schliesslich durfte der 30-Jährige in seiner Karriere reichlich Bundesliga-Erfahrung sammeln. Der Deutsche weiss im GC-Trikot aber nicht nachhaltig zu gefallen, wobei die NZZ sogar ein ziemlich vernichtendes Urteil für ihn parat hat: "Benno Schmitz und Sonny Kittel zeigten nie, warum sie in einem früheren Leben in der ersten Bundesliga gespielt hatten." Trotzdem wäre ein Mann seines Kalibers besonders bei einem allfälligen Abstieg extrem wichtig für die Hoppers. Doch ob Schmitz auch für die Challenge League bleiben würde, ist fraglich.
Der Stammkeeper der Hoppers ist einer der wenigen Konstanten bei GC, weswegen es für Alain Sutter umso wichtiger wäre, ihn auch über die Saison hinaus halten zu können. Ein Unterfangen, welches ihm aber nur dann gelingen dürfte, falls der Schweizer Rekordmeister den Klassenerhalt schafft. Den Gang in die Challenge League dürfte Justin Hammel kaum mitgehen wollen, schliesslich gibt es für den 24-Jährigen aufgrund seiner guten Leistungen einen Markt und er will erstklassig bleiben, um sich in Zukunft für grössere Aufgaben empfehlen zu können.
Den geteilten längsten Vertrag bei den Hoppers besitzt Stürmer Young-jun Lee, der als einziger Spieler einen gültigen Kontrakt bis 2028 besitzt. Der Südkoreaner kommt in dieser Saison auf bislang fünf Scorerpunkte (zwei Tore und drei Assists) aus 17 Partien und er konnte in Teilen bereits nachweisen, dass er grosses Potenzial besitzt. Nicht auszuschliessen, dass der neue GC-Sportchef auch bei einem allfälligen Abstieg auf seine Dienste zählen könnte, würde dem 21-Jährigen eine Saison in der Challenge League kaum schaden. Schliesslich könnte er vor allem als Persönlichkeit noch weiter reifen.
Eine der letzten Amtshandlungen von Stephan Schwarz als GC-Sportchef war, dass man Leihspieler Imourane Hassane fest an die Hoppers binden konnte. Dank der gezogenen Kaufoption, konnte der 22-Jährige bis 2028 unter Vertrag genommen werden. Er besitzt damit zusammen mit Young-jun Lee die längste Vertragslaufzeit im GC-Kader und der Mann aus Benin würde dem Schweizer Rekordmeister wohl auch bei einem Abstieg in die Challenge League die Treue halten.
Es ist also klar, dass Alain Sutter sogleich alle Hände voll zu tun haben wird, könnten die Hoppers Stand jetzt gerade einmal eine Startelf für die neue Saison auf den Rasen stellen. Dabei ist jedoch äusserst fraglich, ob sämtliche Spieler, die noch einen gültigen Vertrag haben, auch den allfällig bitteren Gang in die Challenge League mitgehen würden. Der einzige Weg für den Rekordmeister zurück zu alter Stärke sind Investitionen in die erste Mannschaft. Man darf davon ausgehen, dass Alain Sutter kaum bei GC unterschrieben hätte, wenn ihm solche von den amerikanischen Besitzern nicht zugesichert worden wären.
Alain Sutter Amir Abrashi Benno Schmitz Brack Super League Dirk Abels Fussball Grasshopper Club Zürich Imourane Hassane Justin Hammel Maksim Paskotsi Mathieu Choinière Nicolas Glaus Nikolas Muci Simone Stroscio sport.ch Tim Meyer Young-jun Lee