Ein Saisonfazit ist nie einfach, besonders schwierig gestaltet sich diese Aufgabe dieses Jahr jedoch beim Genève-Servette HC. Nach eher schwachem Beginn und Trainerwechsel steigerten sich die Genfer deutlich und zeigten in den Playoffs weitestgehend ihre Klasse. So kann man am Lac Léman positiv gestimmt auf die nächste Saison blicken.
Es war wahrlich kein Traumstart, den der Genève-Servette HC hingelegt hat. Zum Saisonstart taten sich die Genfer erst mit Ajoie schwer, verloren dann gegen den SC Bern und konnten gegen Kloten auch nur relativ knapp gewinnen.
Was anschliessend geschah, könnte eine Saison bereits früh in komplett falsche Bahnen lenken. Nach dem 0:11 im Léman-Derby gegen den Lausanne HC blieben die Verantwortlichen und Marc Gautschi aber erst geduldig.
Die Geduld zahlte sich zu Beginn aus, denn der GSHC gewann anschliessend drei Spiele in Serie. So fing sich die Mannschaft erst gut, musste dann aber ein Wochenende des Verderbens verdauen. 1:5 gegen den HC Lugano, gar ein 0:8 zwei Tage später gegen den EHC Biel-Bienne.
Verdauen konnten es einerseits die Fans nicht, andererseits auch der Vorstand nicht. Nach nur zwölf Spielen sah sich der Club zum Handeln gezwungen und setzte der Amtszeit von Yorick Treille ein Ende. Als Interimscoach wurde Ville Peltonen berufen. Der Finne erhielt anschliessend die Chance, für den Rest der Saison an der Bande zu stehen.
In den Tagen nach der Entlassung von Yorick Treille wurde aber nicht nur spielerisch und moralisch viel angepasst, sondern auch eine wichtige Entscheidung getroffen: Der aktuelle schwedische Nationaltrainer Sam Hallam wird in der Saison 2026/27 bei den "Aigles" an der Seitenlinie stehen, und soll die Genfer wieder in den Playoff-Final führen.
Diesen haben die Genfer ja bekanntlich verpasst. Nach tollem Steigerungslauf und Rang 3 nach der Regular Season war der HC Fribourg-Gotteron im Halbfinale eine Nummer zu gross. Gerade der Torwartwechsel im schlussendlich entscheidenden Spiel 5 zeigte: Der GSHC ist bereit für neue Impulse von der Seitenlinie.
Hinweis: Mit Stern markierte Spieler spielen mit Importlizenz. Fett markierte Spieler stossen zur Saison 2026/27 neu zum Team.
Rein vertraglich besteht auf der Torhüterposition Klarheit. Sowohl Stéphane Charline wie auch Robert Mayer besitzen mindestens für die nächste Saison noch einen Vertrag. Kleine Fragezeichen gibt es allerdings trotzdem: Mayer konnte mit nur 86.8 Prozent abgewehrten Schüssen in der Regular Season nicht wirklich beweisen, dass er eine starke Nummer 2 ist, Charlin dürfte über die Entscheidung nicht gerade glücklich gewesen sein.
Die Verteidigung wirkte nicht immer ganz sattelfest. 147 Gegentore sind nur Rang 9 in der Liga, wobei natürlich vor allem Klatschen wie gegen Lausanne oder Biel die Schwächen voll und ganz aufzeigten. Der Schnitt in den Playoffs war gar noch schwächer, vor allem nach den ersten zwei Verteidigungspaaren sah die Bilanz alles andere als gut aus.
Sechs der zuletzt eingesetzten Verteidiger werden auch in der kommenden Saison für die "Aigles" spielen, sofern es nicht unerwartet noch zu Wechseln kommt. Ein siebter könnte womöglich die fehlende Stabilität bringen. Zur Verteidigung muss allerdings auch gesagt werden, dass in der Regular Season gleich 33 Tore von Abwehrspielern erzielt wurden, in den Playoffs weitere sechs der insgesamt 33.
Trotz der defensiven Anfälligkeit ist es positiv zu sehen, dass mit Jan Rutta und Vili Saarijärvi die beiden Import-Verteidiger auch in der kommenden Saison für die Calvinstädter spielen werden und mit Roger Karrer, Simon Le Coultre und Giancarlo Chanton drei mittlerweile gestandene Spieler erhalten bleiben.
Auch im Angriff gibt es ein grosses Fragezeichen. Jason Akeson ist derzeit der fünfte Offensiv-Import – eigentlich der eine zu viel. Gemäss verschiedenen Medienberichten hätte der Kanadier im letzten Oktober bereits die Schweizer Staatsbürgerschaft bekommen sollen, noch ist diese aber nicht eingetroffen. Ob Servette ihn als überzähligen Import behalten wird und ob sich Akeson ein weiteres Jahr mit wenig Spielpraxis antut, ist aber fraglich.
Die wichtigste Frage ist bereits seit längerer Zeit geklärt. Die vier weiteren Imports haben alle noch weiterhin einen Vertrag und werden auch in der kommenden Saison gemeinsam auf Torejagd gehen. Besonders die "Finnen-Linie" begeisterte. Ein Grund für einen Wechsel ist nicht erkennbar.
Allerdings gibt es auch hier einen Grund zur Unruhe. So soll Jesse Puljujärvi nach einer starken Saison wieder näher an einer Chance in der NHL sein. Der Finne, einst Nummer 4 im NHL-Draft, kam vor der Saison aus Nordamerika.
Ansonsten dürfte es in der Offensive der Genfer nur zu wenigen Wechseln kommen. Neben der angesprochenen schwierigen Situation von Akeson ist die Zukunft der meisten Offensivspieler geklärt. So stehen – Akeson inklusive – in der Saison 2026/27 14 Stürmer bei Genf unter Vertrag. Wirklich zu etwas gezwungen ist Sportchef Marc Gautschi also nicht, trotzdem dürfte es noch ein bis zwei Wechsel geben.
Ins Auge sticht hier natürlich der Name des Urgesteins Marc-Antoine Pouliot. Der 40-Jährige konnte zum Schluss der Playoffs noch einmal seine Klasse unter Beweis stellen, wird den Club nun aber verlassen. Er wird sich nun Zeit lassen, um zu entscheiden, ob er noch einmal wechseln wird oder seine Karriere doch beendet.

Ein Fragezeichen steht hinter der Zukunft von Derick Brassard. Der 38-jährige Kanadier stiess im Dezember zu den Calvinstädtern, konnte jedoch nur ein Spiel absolvieren, bevor er sich verletzte. Gespräche sollen in den kommenden Tagen geführt werden, um eine Zukunftsentscheidung zu treffen.
Ebenfalls auslaufen werden die Verträge der beiden Eigengewächse Loic Fromaget und Alexandre Pugin. Beide kamen in dieser Saison zu ihren Debüts auf höchster Stufe, spielten hauptsächlich aber in der U 21. Während Fromaget in der kommenden Saison den Schritt in den Profibereich machen muss, wohl aber nicht bei Genf, hätte Pugin noch ein Jahr länger Zeit.
Beim Genève-Servette HC gibt es bisher nur zwei bekannte Abgänge. Es sind allerdings zwei, die den Verein noch schmerzen könnten, da sie Einfluss auf die aktuelle Form und die kommenden Jahre haben könnten.
Einerseits verlässt mit Tim Berni ein mittlerweile etablierter Verteidiger den Verein. In der aktuellen Saison trug der 26-Jährige gar das A auf der Brust, übernahm mit 16 Punkten in der Regular Season auch Verantwortung. Trotzdem kehrt er nun zu den Wurzeln zurück.
Eine weniger überzeugende Saison hat Eric Schneller hinter sich. Auch den 20-Jährigen zieht es in die Deutschschweiz zurück, allerdings zum EV Zug. In der für den GSHC abgelaufenen Saison bestritt er 31 Spiele in der National League, war zum Saisonende aber an den HC Thurgau in die Swiss League verliehen.
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