Die neue Saison ist erst wenige Wochen alt, doch mehrere junge Schweizer haben bereits ein dickes Ausrufezeichen gesetzt. Während Alessandro Romano künftig für Italien auflaufen will, bringen sich andere Talente für die Schweizer Nati in Stellung.
Mit Alessandro Romano hat sich zuletzt eines der grössten Schweizer Nachwuchstalente gegen die Nati und für Italien entschieden. Der 20-Jährige hat sich mit starken Leistungen zum Start der neuen Saison in der Serie A ins Rampenlicht gespielt und damit nicht nur in der Schweiz Aufmerksamkeit auf sich gezogen.
Romano ist allerdings längst nicht der einzige junge Schweizer, der in den ersten Wochen der neuen Spielzeit auf sich aufmerksam gemacht hat. Mehrere Talente haben bei ihren Klubs einen Schritt nach vorne gemacht, sich Stammplätze erkämpft oder mit Toren und Assists überzeugt. Einige von ihnen könnten deshalb schon bald auch für Murat Yakin und die Schweizer A-Nationalmannschaft interessant werden.
Der momentan wohl offensichtlichste Kandidat für ein erstes A-Nati-Aufgebot heisst Winsley Boteli. Der 20-jährige Sion-Stürmer ist furios in die Saison gestartet. Nach zwölf Pflichtspielen stehen bereits zwölf Treffer zu Buche. Unter anderem erzielte er in der Conference-League-Qualifikation einen Hattrick bei Ajax und schoss Sion mit einem Doppelpack zum 2:1-Auswärtssieg in Basel.
Auch die Demokratische Republik Kongo, das Herkunftsland seiner Mutter, wurde auf Boteli aufmerksam. Anders als bei Romano dürfte es hier allerdings kein langes Seilziehen geben. Boteli stellte am Dienstag gegenüber SRF klar, dass er für die Schweiz spielen möchte. "Die Nummer 1 war für mich immer die Schweiz", sagte der Genfer, der bereits seit der U 15 für den SFV aufläuft.
Damit könnte alles sehr schnell gehen. Am 17. September gibt Yakin sein Kader für die ersten Nations-League-Partien nach der WM bekannt. In seiner aktuellen Form wäre Boteli alles andere als eine Überraschung.
Noch näher an der A-Nati war Zachary Athekame bereits. Der 21-Jährige wurde im Oktober 2025 von Yakin erstmals aufgeboten, blieb gegen Slowenien allerdings ohne Einsatz. Später gehörte er auch zum erweiterten Schweizer WM-Kader. Sein A-Länderspieldebüt wartet damit weiterhin auf ihn.
Auf Klubebene ging es für den Genfer zuletzt steil bergauf. Nach YB wechselte Athekame im Sommer 2025 zur AC Milan und absolvierte in seiner ersten Serie-A-Saison 27 Partien. In diesem Sommer wurde er ohne Kaufoption an Olympique Lyon ausgeliehen, wo er mehr Spielpraxis sammeln soll. Anfang September erzielte er beim 3:1 gegen Auxerre bereits seinen ersten Ligue-1-Treffer für Lyon.
Für Yakin könnte Athekame schon bald wieder interessant werden. Mit seiner Dynamik, seinem Tempo und seinen offensiven Qualitäten bringt er ein Profil mit, das auf der rechten Seite der Schweizer Defensive zusätzliche Möglichkeiten eröffnet. Setzt er sich in Lyon durch, dürfte ein erneutes Nati-Aufgebot nur eine Frage der Zeit sein.
Auch Sascha Britschgi hat sich mit seinen Leistungen im Ausland in den Kreis der möglichen Schweizer A-Nationalspieler gespielt. Der 20-Jährige schaffte bei Parma innerhalb kurzer Zeit den Durchbruch und etablierte sich in einer der stärksten Ligen Europas.
Vor allem seine Vielseitigkeit macht Britschgi interessant. Der beidfüssige Aussenverteidiger kann auf beiden Seiten eingesetzt werden und überzeugt mit viel Laufstärke und Mut im Spiel nach vorne. Trotz seines jungen Alters hat er bereits zahlreiche Minuten in der Serie A gesammelt.
Der nächste Schritt wäre die A-Nati. Britschgi hat selbst mehrfach betont, dass ein Aufgebot für die Schweiz ein grosses Ziel für ihn ist. Bleibt er bei Parma Stammspieler, dürfte er sich bei Murat Yakin zunehmend aufdrängen - zumal junge Alternativen auf den Aussenverteidigerpositionen besonders wertvoll sind.
Kaum ein Schweizer hat in den ersten Wochen dieser Super-League-Saison einen grösseren Sprung gemacht als Lutfi Dalipi. YB stattete den offensiven Mittelfeldspieler im Frühjahr mit einem Profivertrag bis 2030 aus und verlieh ihn für diese Saison an Aufsteiger Vaduz.
Dort hat sich der 20-Jährige innerhalb kürzester Zeit zu einem der auffälligsten Spieler entwickelt. Mit seiner Übersicht, seinem Spielverständnis und seiner Ruhe am Ball zieht Dalipi im offensiven Mittelfeld die Fäden. Dazu kommt seine direkte Torgefahr: Mit Toren und Assists hat er entscheidenden Anteil am starken Saisonstart der Liechtensteiner.
Besonders beeindruckend ist, wie selbstverständlich Dalipi den Sprung auf Super-League-Niveau gemeistert hat. Während er bei YB bislang kaum eine Rolle bei den Profis spielte, erhält er in Vaduz die nötige Spielpraxis und nutzt diese konsequent.
Für die Schweizer Nachwuchsauswahlen ist Dalipi längst ein Thema. Hält seine Entwicklung an, könnte mittelfristig auch die A-Nationalmannschaft in den Fokus rücken. Gerade sein Profil als kreativer Verbindungsspieler zwischen Mittelfeld und Angriff macht ihn zu einem besonders spannenden Kandidaten für die Zukunft.
Etwas weniger im Rampenlicht steht bislang Samuel Krasniqi. Das könnte sich allerdings ändern. Der 21-Jährige hat sich bei GC in dieser Saison einen Stammplatz erarbeitet und stand in allen sechs bisherigen Super-League-Partien über die volle Distanz auf dem Platz. Dabei gelangen ihm ein Tor und zwei Assists.
Besonders auffällig war sein Auftritt im Zürcher Derby gegen den FCZ. Krasniqi erzielte zunächst das 1:1 und bereitete in der 96. Minute per Freistoss auch noch den späten Ausgleich zum 2:2 vor. Krasniqi besitzt die schweizerische und kosovarische Staatsbürgerschaft und wurde im Frühjahr erstmals für die Schweizer U 21 aufgeboten, kam dort bislang aber noch nicht zum Einsatz.
Auch Alessio Besio ist nach einigen Umwegen wieder auf dem Weg nach oben. Der frühere St. Galler galt schon früh als grosses Talent, verschwand nach seinem Wechsel nach Freiburg jedoch zunächst etwas vom Radar. In der vergangenen Saison gelang ihm beim Drittligisten SC Verl der Durchbruch: 18 Tore und zwölf Assists in 36 Pflichtspielen sorgten dafür, dass Zweitligist VfL Wolfsburg im Sommer zugriff und Besio mit einem Vertrag bis 2030 ausstattete.
Beim ambitionierten Bundesliga-Absteiger muss sich der 22-Jährige derzeit noch mit einer Jokerrolle begnügen. In seinen ersten drei Ligapartien gelang ihm immerhin bereits ein Assist. Besio besitzt neben dem Schweizer auch den spanischen Pass und hat von der U 19 bis zur U 21 für die Schweiz gespielt.
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