sport.ch

Ehemaliger Bundesliga-Schiri Gräfe wettert wegen Embolo-Rot

"Ein Protokollbruch"

Das dramatische Ausscheiden der Schweizer Nationalmannschaft im WM-Viertelfinale gegen Argentinien sorgt für heftige Diskussionen. Im Fokus steht dabei die umstrittene Gelb-Rote Karte gegen Breel Embolo. Nun hat sich der ehemalige Bundesliga-Schiedsrichter Manuel Gräfe zu Wort gemeldet und deutliche Kritik an der Entscheidung sowie dem VAR-Einsatz geäussert.

Gräfe zeigt sich in seiner Analyse zwiegespalten, lässt aber vor allem am Schiedsrichtergespann kein gutes Haar. Einerseits kritisiert er das Verhalten des bereits verwarnten Embolos, der an der Seitenlinie ein Foul hatte schinden wollen: "Wie kann ein Spieler so ungeschickt sein, wenn er schon Gelb hat, einen solchen Täuschungsversuch und dann auch noch an der Seitenlinie zu probieren (...) äusserst ungeschickt."

Viel mehr regt den Ex-Schiedsrichter jedoch die Verhältnismässigkeit der Entscheidung in einem WM-Viertelfinale auf. Während des gesamten Turniers seien zahlreiche Unsportlichkeiten - wie das Blockieren des Balles, Wegschlagen des Spielgeräts oder Missachten der Kapitänshöhe - bewusst tolerant behandelt worden, um das Spiel von den Spielern entscheiden zu lassen. Dass nun hier hart durchgegriffen wurde, stösst bei Gräfe auf Unverständnis.

Klarer "Protokollbruch" des VAR

Besonders scharf kritisiert Gräfe das Eingreifen des Video-Assistenten (VAR) über die neue Regel der "Spielerverwechslung" (Mistaken Identity). Der portugiesische Schiedsrichter Joao Pinheiro hatte fälschlicherweise zunächst dem Argentinier Leandro Paredes die Gelbe Karte gezeigt, ehe der VAR eingriff und Embolo als Schwalbenkönig entlarvte.

Für Gräfe ist diese Anwendung der Regel ein klarer Regelverstoss: "Dieses Mistaken Identity ist ohnehin ein Protokollbruch." Die Regel sei explizit dafür gedacht, eine fälschliche Kartenvergabe an einen falschen Spieler zu korrigieren, "und nicht dafür gedacht, solche Aktionen zu tauschen (...) oder fehlerhafte Tatsachenentscheidungen zu drehen." Er wirft der FIFA vor, die Regel nach einem vorherigen Vorfall beim Spiel USA gegen Paraguay einfach für das laufende Turnier eigenmächtig ausgeweitet zu haben, ohne dass dies vom Regelhüter-Gremium IFAB so vorgesehen war.

"Geschmäckle" zugunsten von Argentinien

Am Ende bleibt für den Experten ein bitterer Beifall für den Weltmeister. Da auch auf argentinischer Seite ähnliche Vergehen wie Ballwegschlagen oder Abwinken ungeahndet blieben, habe die Entscheidung "wieder das Geschmäckle, dass es wieder zugunsten von Argentinien ist." Die Südamerikaner hätten solche Schützenhilfe laut Gräfe gar nicht nötig gehabt, da sie "gut genug sind und wahrscheinlich auch so gewonnen hätten."

Breel Embolo Fussball Fussball A-Nationalmannschaft Fussball International Fussball WM 2026 Gian Menzi

2026-07-12 16:56:52