Zehn Jahre nach seinem Rücktritt meldet sich Sepp Blatter erneut zu Wort. Der ehemalige FIFA-Präsident kritisiert die Pläne seines Nachfolgers Gianni Infantino scharf und warnt davor, mit dem Verkauf von WM-Rechten "ein Stück der Seele des Fussballs" preiszugeben.
Schon zehn Jahre ist es her, dass Sepp Blatter die FIFA verliess. Sein Nachfolger Gianni Infantino stammt ebenfalls aus dem Wallis. Bekanntlich will Infantino die Weltmeisterschaft weiter vergrössern und plant einen Milliarden-Deal. Insgesamt will er kommerzielle WM-Rechte für über vier Milliarden Dollar an Investoren verkaufen. Dies sorgt aktuell für viel Widerstand in der Fussballwelt.
Der 90-Jährige teilt im Gespräch mit 20 Minuten seine Meinung zu den Plänen der FIFA. "Die FIFA stand schon immer im Scheinwerferlicht der Weltpolitik - das bringt die Strahlkraft des Fussballs nun einmal mit sich", sagt Blatter und findet, dass es zu seiner Zeit darum ging, die Türen für Diplomatie zu öffnen, ohne die eigene Souveränität aufzugeben. "Wenn die Politik aber beginnt, die Regie zu übernehmen, wird es bedenklich", sagt er.
Während seiner Zeit bei der FIFA habe gegolten, dass der Verband politisch neutral sein müsse. "Politische Neutralität war für mich in Stein gemeisselt", so der Walliser. Wenn die Grenzen verschwimmen würden und die FIFA als diplomatisches Vehikel für Einzelne diene, begebe man sich auf ein sehr gefährliches Terrain.
Vor allem die geplante Beteiligung von Investoren sieht er kritisch. "Wenn Sie das Tafelsilber an private Investoren veräussern, verkaufen Sie auch ein Stück des Spiels - insbesondere seine Seele", sagt er. Für ihn sei Geld wichtig, aber es dürfe nicht das Ein und Alles sein. Die UEFA habe beschlossen, die FIFA-Wettbewerbe zu boykottieren, solange diese Pläne bestehen bleiben. "Ich unterstütze den Entscheid der UEFA zu hundert Prozent."
Schon in diesem Jahr war die WM so gross wie nie zuvor. "Die Faszination der Weltmeisterschaft lag immer in ihrer Exklusivität und der sportlichen Qualität. Wenn man das Turnier künstlich aufbläht, verwässert man das Produkt", so Blatter. Er findet, dass der Bogen inzwischen überspannt sei. "Wenn man drumherum ein Hollywood-Spektakel inszenieren muss, zeigt das nur, dass man dem eigentlichen Spiel nicht mehr vertraut. Ein gutes Spiel braucht keine Halbzeitshow - es lebt von der Dramatik auf dem Rasen."
Fussball Fussball WM 2026 Gianni Infantino Sepp Blatter Soraya Sägesser