Die Schweizer Nationalmannschaft steht im WM-Viertelfinale. Nach zwölf Jahren kommt es zur Revanche-Möglichkeit. 2014 scheiterte die Nati im letzten Spiel von Ottmar Hitzfeld als Nati-Trainer an Argentinien in der Verlängerung.
Der Blick zwölf Jahre zurück hilft der Schweiz für das Viertelfinale nicht viel. Wir wollen hinsichtlich des nächsten K.-o.-Spiels viel eher darauf blicken, was der Nati gegen die Südamerikaner Mut machen darf. Denn trotz der Favoritenrolle Argentiniens gibt es Faktoren, die für die Schweiz sprechen.
Kap Verde und Ägypten haben Argentinien in der K.-o.-Phase jeweils zwei Tore eingeschenkt. Das deutet auf eine defensive Anfälligkeit hin. Gegen Kap Verde war es noch ein Traumtor, bei dem die Abwehr der Südamerikaner nur bedingt verantwortlich gemacht werden kann, doch gegen Ägypten liefen die Argentinier in mehrere Konter. Das Spiel hätte dabei durchaus vorentschieden werden können.
Paart man diese Verwundbarkeit Argentiniens mit der Schweizer Defensivstärke, könnten sich plötzlich realistische Chancen auf ein Weiterkommen eröffnen. Die Schweiz hat in der K.-o.-Phase in 210 Minuten noch keinen Gegentreffer erhalten. Es ist daher kaum anzunehmen, dass die Nati ähnlich wie Ägypten in der Schlussphase einfach auseinanderfallen würde. Diese Resilienz und das Selbstvertrauen in die eigene Stärke haben sich vor allem die Abwehrspieler in den vergangenen Wochen erarbeitet.
Der Einzug ins Viertelfinale war für die Schweizer Nationalmannschaft immer wieder eine nicht zu erreichende Herausforderung. Auch an den Europameisterschaften tat sich die Nati lange schwer, doch nun hat man im eigenen Kontinentalverband zweimal die entscheidende Hürde genommen. Nun folgte das Meisterstück an der Weltmeisterschaft. Die Trauben, die einst zu hoch hingen, sind jetzt in greifbare Nähe gekommen.
Die grosse mentale Herausforderung hat die Schweiz nun bewältigt. Das grosse Ziel, die beste WM aller Zeiten zu spielen, wurde erreicht. Was jetzt kommt, ist Bonus. Klar, ist die Schweizer Nati noch immer hoch ambitioniert. Gepaart mit dem nachgelassenen Druck könnte die Schweiz auch gegen Argentinien eine herausragende Leistung an den Tag legen und dann ist der Sieg gegen den Titelverteidiger durchaus möglich.
Nach dem 1:1 gegen Katar wurde die Stimmung innerhalb der Schweizer Nati angezweifelt. In Medienberichten war sogar von einem leicht toxischen Umfeld die Rede. Die klare Kritik von Granit Xhaka sei nicht gut angekommen. In den folgenden Tagen widerlegte die Nati diese Vorwürfe eindrücklich. Mehrere Spieler betonten öffentlich, dass Kritik in den richtigen Momenten absolut notwendig sei. Auch Granit Xhaka wurde niemals auch nur annähernd angezweifelt. Der Captain dankte es mit starken Leistungen auf dem Weg ins Viertelfinale.
Durch die vier Siege am Stück, Schweizer WM-Rekord, ist die Stimmungslage mittlerweile natürlich auf einem Höhepunkt angekommen. Selbst Verletzungen wie jene von Shootingstar Johan Manzambi bringt die Nati nicht mehr aus dem Tritt. Jeder kann sich auf jeden verlassen. Sinnbildlich ist auch die Position des Rechtsverteidigers. Murat Yakin suchte nach der Verletzung von Luca Jaquez nach der geeigneten Lösung. Mit Denis Zakaria hat der Nationaltrainer einen Spieler gefunden, der abseits seiner Stammposition glänzen kann.
Zugegeben, es ist nicht irgendein Spieler der bei Argentinien für die Musik sorgt, es ist der beste Spieler aller Zeiten. Lionel Messi scheint die Zeit angehalten zu haben und spielt eine herausragende Weltmeisterschaft. Acht Tore und ein Assist sind dem argentinischen Überspieler bislang gelungen. Das argentinische Spiel wird stark auf Messi zugeschnitten. Auch mit 39 Jahren ist der kleine Künstler der Dreh- und Angelpunkt im argentinischen Spiel. Gelingt es der Schweiz, Messi aus dem Spiel zu nehmen, ist die Siegeschance hoch. Bislang ist das an dieser WM noch keiner Mannschaft über 90 Minuten gelungen, doch Ägypten hat über lange Strecken gezeigt, wie man gegen die Südamerikaner verteidigen kann. Erst in der Schlussviertelstunde ging den Nordafrikanern der Saft aus.
Yann Sommer war über Jahre der Liebling der Nation. Ein herausragender Sommer hat der Schweizer Nati etliche Partien gewonnen. Vor zwei Jahren ist der Rekord-Nationaltorhüter zurückgetreten und Gregor Kobel hat sein Erbe übernommen. Sportlich gesehen gab es eigentlich nie Zweifel, dass Kobel gut genug ist, um Sommer würdig nachzufolgen. An dieser Weltmeisterschaft beweist der Dortmunder das.

Drei Gegentore kassierte Gregor Kobel bislang im Turnierverlauf. An keinem trug die Schweizer Nummer eins eine Mitschuld. Seit der K.-o.-Phase ist der 28-Jährige eine unüberwindbare Wand. Vor allem gegen Kolumbien glänzte der Schlussmann während der 120 Minuten mit einigen ansehnlichen Paraden. Im Elfmeterschiessen wurde Gregor Kobel dann endgültig zum Helden. Er machte sich lang und entschärfte den Versuch von Cucho Hernandez. Gegen Argentinien wird die Schweiz erneut einen herausragenden Kobel benötigen, denn er wird kaum beschäftigungslos sein. Doch es besteht auch kein Zweifel, dass die Schweiz einen Kobel in Bestform bekommen wird.
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