Nach dem Einzug ins WM-Achtelfinale stand am Samstag der erste Schweizer Medientermin auf dem Programm: Pierluigi Tami, Direktor des Schweizer Nationalteams, zog zum zweiten Mal an diesem Turnier eine Zwischenbilanz.
Mit zehn Minuten Verspätung startete die Pressekonferenz in Vancouver - und das aus gutem Grund. Das Nationalteam erhielt am Samstagmorgen Besuch von einer Delegation um Bundespräsident Guy Parmelin und diversen Schweizer Wirtschaftsgrössen.
Während das Schweizer Nationalteam den Freitag bereits für Regeneration und die Analyse des eigenen Sechzehntelfinales nutzte, stand der nächste Schweizer Gegner erst noch im Einsatz. Mit einem 1:0-Sieg gegen Ghana sicherte sich Kolumbien den Platz im Sechzehntelfinale. Obschon der Nati damit nicht der ganz grosse Name gegenübersteht, mahnte Pierluigi Tami: "Auch die Schweiz hat kein grosses Palmarès." Er erinnert daran, dass Kolumbien die südamerikanische WM-Qualifikation vor Brasilien abgeschlossen hatte.
Mit Blick voraus hat der Direktor des Schweizer Nationalteams klare Ansprüche an das eigene Team: "Es braucht sicherlich eine starke und reife Schweiz, wie wir sie gegen Algerien gesehen haben. Dann ist das Spiel offen für beide Seiten. Die Mannschaft hat diese Situation bereits erlebt, diese Erfahrung könnte ein Vorteil sein. Es wird eine 50:50-Entscheidung ums Weiterkommen geben."
Die Videoanalysten hätten sich schon intensiv mit dem nächsten Gegner auseinandergesetzt. Auf dem Rasen beginnt am Samstag die Vorbereitung aufs Achtelfinale, dabei werden die angeschlagenen Michel Aebischer und Luca Jaquez fehlen. Am Dienstag wird die Schweiz dann in Vancouver um den Einzug ins WM-Viertelfinale spielen. Erstmals seit 1954 könnte man unter die letzten acht Nationen an einer Weltmeisterschaft vorstossen.
Auf die Frage, ob dann das Ziel, die erfolgreichste WM aller Zeiten zu spielen, erreicht sei, entgegnete Tami: "Ich möchte das Spiel gewinnen, dann können wir über etwas in dieser Richtung sprechen." Eine vorzeitige Bilanz aus sportlicher Sicht strebt der Nati-Direktor nicht an. Vielmehr betont er, dass im Team, aber auch im gesamten Staff, den er für seine Arbeit hervorhebt, noch viel Ehrgeiz stecke: "Ich, aber auch die Spieler, bin noch hungrig. Wir wollen noch mehr erreichen. Momentan gilt nur das. Es wäre falsch, diese Weltmeisterschaft zu klassieren. Wir sind hier und noch nicht zuhause, es gibt viele Mannschaften, die sind schon in den Ferien. Wir sind hier und wollen hier bleiben. Das muss die Energie jedes Teammitglieds sein."
Aus finanzieller Sicht hat der SFV mit dem Einzug ins Achtelfinale nun Gewissheit, dass man schwarze Zahlen schreiben wird. Medienchef Adrian Arnold meinte, man spiele damit für den gesamten Schweizerischen Fussballverband etwas ein. Bei einem Ausscheiden im Sechzehntelfinale wäre die Reise nach Nordamerika zum Nullsummenspiel geworden. Mittlerweile wird auch vorausgeplant. Im Falle eines Sieges gegen Kolumbien würde das Nationalteam am Mittwoch nach Kansas City reisen.
Um einen Namen kommt man in Bezug auf die Schweizer Nati derzeit nicht herum: Senkrechtstarter Johan Manzambi. Pierluigi Tami erinnerte sich an Manzambis erstes Aufgebot für das A-Nationalteam vor einem Jahr in Salt Lake City: "Schon im Training haben wir sein Potenzial bemerkt." Der 20-Jährige schraubt seinen Marktwert an der WM in Nordamerika immer weiter hoch. "Beim SC Freiburg hat er eine riesige Saison gespielt und jetzt auch im Nationalteam. Ich habe mit ihm gesprochen. Es ist wichtig, dass er fokussiert und ruhig bleiben kann", führte Tami aus.
Und der Nati-Direktor liess es sich im selben Atemzug nicht nehmen, noch auf die Berichterstattung der vergangenen Monate zu verweisen. Im Vorfeld der Weltmeisterschaft standen jene Doppelbürger im Fokus, die sich kürzlich gegen das Schweizer Nationalteam entschieden haben. Mit Leon Avdullahu und Albian Hajdari spielen zwei ehemalige U-Nationalspieler nun für den Kosovo, Ryan Fosso hat sich für Kamerun entschieden. Für Tami ist eines aber klar: "Die richtigen Talente sind bei uns geblieben."
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