Seit Jahren gehört insbesondere die Stürmerposition zu den grössten Baustellen der Schweizer Nationalmannschaft. Zwar verfügt die Nati mittlerweile über mehrere Offensivspieler, die sich auch auf internationalem Niveau behaupten können, Verletzungen und fehlende Spielzeit bei den Klubs sorgen jedoch immer wieder für Rückschläge. Wir zeigen auf, welche Offensivspieler derzeit mit einem Aufgebot für die Weltmeisterschaft rechnen dürfen.
In einer vierteiligen Serie versuchen wir, den derzeitigen Stand im Rennen um die Plätze im 26-Mann-Kader der Schweiz für die Weltmeisterschaft in Nordamerika wiederzugeben. Zu guter Letzt richtet sich der Fokus auf die Offensive. Wir liefern ein Update, welche Stürmer unserer Ansicht nach derzeit die besten Karten auf ein WM-Ticket besitzen.
Dan Ndoye (Nottingham Forest): Vier der sieben Kaderplätze in der Offensive dürften wohl unumstösslich vergeben sein – sofern die entsprechenden Spieler verletzungsfrei bleiben. Einer davon ist Dan Ndoye. Der wendige Flügelspieler kommt in seiner ersten Premier-League-Saison bei Nottingham Forest zwar noch nicht wie gewünscht auf Touren, in der Nationalmannschaft stellte er seine Wichtigkeit in den vergangenen zwei Jahren immer wieder unter Beweis. Aktuell laboriert der 25-Jährige an einer leichten Verletzung, die WM dürfte für ihn hingegen nicht in Gefahr sein.
Ruben Vargas (FC Sevilla): Das Pendant zu Ndoye auf der anderen Flügelposition ist Ruben Vargas. Der Offensivspieler des Sevilla FC steht mittlerweile bei 60 Länderspielen für die Schweiz. Auch Vargas hatte in dieser Saison mit Verletzungen zu kämpfen. Seit Mitte März gehört er wieder zum Kader und hat sich umgehend einen Stammplatz erarbeitet. Mit fünf Toren und drei Vorlagen zählt er beim stark abstiegsgefährdeten Sevilla zu den wichtigsten Offensivkräften.
Breel Embolo (Stade Rennais): Die Position im Sturmzentrum dürfte ebenfalls klar vergeben sein. An Breel Embolo kommt derzeit kein anderer Schweizer Stürmer vorbei. In den zehn Länderspielen im vergangenen Kalenderjahr erzielte Embolo sieben Treffer und traf auch gegen Deutschland zum zwischenzeitlichen 2:1. Der Angreifer gehört neben Granit Xhaka und Manuel Akanji zu den wichtigsten Spielern im Team von Murat Yakin. Auf der Neuner-Position gibt es bislang keine wirkliche Alternative zu ihm. Umso wichtiger ist es, dass der gebürtige Basler in dieser Saison bislang verletzungsfrei geblieben ist und regelmässig treffen konnte.
Fabian Rieder (FC Augsburg): Der vierte Spieler, den wir derzeit als gesetzt betrachten, ist Fabian Rieder. Der ehemalige YB-Zögling ist unter Murat Yakin seit gut zwei Jahren fester Bestandteil der Startelf. Im letzten Testspiel gegen Norwegen kam Rieder sogar im rechten Mittelfeld zum Einsatz – ein klares Zeichen dafür, wie viel Yakin von ihm hält. Aufgrund des bei SC Freiburg stark aufspielenden Johan Manzambi könnte Rieder seinen Stammplatz allerdings verlieren. Dank seiner Polyvalenz dürfte der Nationaltrainer dennoch kaum auf ihn verzichten wollen.
Noah Okafor (Leeds United): Einen schwierigen Stand hatte in der jüngsten Vergangenheit Noah Okafor bei Nationaltrainer Murat Yakin. Nachdem der Offensivspieler 2025 bei keinem Zusammenzug berücksichtigt worden war, kehrte der ehemalige Basel-Junior im März in den Kreis der Nationalmannschaft zurück. Eine leichte Oberschenkelverletzung verhinderte jedoch einen Einsatz. Trotz der zuletzt schwierigen Vorzeichen dürfte Okafor für die WM nominiert werden – auf Spieler mit seinen Qualitäten kann die Schweiz kaum verzichten. Mit acht Toren bei Leeds United stellte er seine Fähigkeiten in der Premier League bereits unter Beweis.
Zeki Amdouni (Burnley FC): Am 1. Mai gab Zeki Amdouni beim Burnley FC sein Comeback nach fast einem Jahr verletzungsbedingter Abwesenheit. Der Genfer Stürmer wäre die designierte Alternative zu Breel Embolo, doch ob Amdouni bis zur WM bereits wieder sein Leistungsmaximum erreichen wird, darf derzeit bezweifelt werden. Einen Platz im Nati-Pre-Camp dürfte er – sofern er verletzungsfrei bleibt – indes auf sicher haben. Ob er schlussendlich auch mit in die USA reisen wird, bleibt abzuwarten.
Joel Monteiro (BSC Young Boys): Den letzten Platz in dieser Liste vergeben wir neu an Joel Monteiro. Murat Yakin schätzt an ihm insbesondere seine Polyvalenz. In den März-Testspielen überzeugte der Offensivspieler bei seinem Kurzeinsatz gegen Deutschland sogar mit einem Treffer. Auf Klubebene läuft es dem 26-Jährigen hingegen nicht nach Wunsch: Vier Tore und drei Assists in 29 Super-League-Spielen sind für einen Spieler seines Formats zu wenig. Trotzdem ist bekannt, dass Yakin bei Kadernominationen für grosse Turniere nur selten experimentiert – ein Umstand, der Monteiro im Vergleich zu den Herausforderern in die Karten spielen könnte.
Alessandro Vogt (FC St.Gallen 1879): Schafft Joel Monteiro den Sprung ins Kader, dürfte Alessandro Vogt wohl zuhause bleiben. Der Shootingstar des FC St. Gallen, der künftig für TSG Hoffenheim auflaufen wird, kam bislang noch zu keinem Nati-Aufgebot – ein klarer Nachteil im Rennen um einen Platz im WM-Kader. Zudem präsentiert sich der Offensivspieler seit dem Frühling nicht mehr ganz so unwiderstehlich wie noch zu Saisonbeginn.
Kastriot Imeri (FC Thun): In dieser Saison stand bislang kein Spieler des frischgebackenen Schweizer Meisters im Aufgebot des Schweizer Nationalteams. Das könnte sich im Sommer ändern. Die naheliegendste Option wäre wohl Kastriot Imeri. Der Offensivspieler kommt beim FC Thun häufig auf der linken oder rechten Aussenbahn zum Einsatz. Sein bislang einziges Länderspiel absolvierte Imeri im November 2021 in der WM-Qualifikation gegen Italien.
Christian Fassnacht (BSC Young Boys): Mit 15 Ligatoren und sieben weiteren Assists hält sich auch YB-Routinier Christian Fassnacht weiterhin im Rennen um einen Platz im WM-Kader. Letztmals stand er im November im Aufgebot und kam in den WM-Qualifikationsspielen gegen Schweden und den Kosovo jeweils zu einem Kurzeinsatz. Wahrscheinlich werden ihm aber jüngere Spieler vorgezogen.
Kwadwo Duah (Ludogorets Razgrad): An der Europameisterschaft 2024 war Kwadwo Duah der Überraschungsmann im Schweizer Team. Gegen Ungarn stand er in der Startformation und traf sogleich. Damals hat seine Form für ihn gesprochen, jetzt steckt Duah derweil in einer verletzungsgeprägten Saison. Seit November steht er aber wieder regelmässig im Einsatz und trifft für Ludogorets Razgrad fleissig. In 23 Einsätzen sind zehn 12 zusammengekommen. Er müsste die Kadenz aber wohl noch mehr hochfahren, um zurück ins Nationalteam zu finden.
Andi Zeqiri (Widzew Lodz): In den letzten beiden Zusammenzügen im Herbst war jeweils Andi Zeqiri im Schweizer Team dabei. Der 26-Jährige kann aber bei seinem Verein kaum Werbung für ein Aufgebot machen. Seit letztem Sommer spielt Zeqiri in Polen und er kommt bei Widzew Lodz bisher nicht in Schwung. In 25 Einsätzen sind erst drei Treffer zusammengekommen. So dürfte er kaum eine Chance auf einen Platz im WM-Kader haben, schon gar nicht, wenn Amdouni ebenfalls wieder vollständig fit wäre.
Cedric Itten (Fortuna Düsseldorf): Auch Cedric Itten hat im Sommer seinen Verein gewechselt. Anders als bei Zeqiri läuft es ihm persönlich richtig gut. Itten hat alleine nach der Winterpause bereits sechs Tore erzielt, dies gleichwohl "nur" bei Fortuna Düsseldorf in der 2. Bundesliga. Womöglich bräuchte der 29-Jährige in der zweithöchsten deutschen Liga mehr, um sich für die Weltmeisterschaft aufzudrängen.
Weil sie nach der Europameisterschaft 2024 noch mindestens einmal im Kader standen, müssen auch Renato Steffen vom FC Lugano und Dereck Kutesa von AEK Athen erwähnt werden. Die WM-Chancen der beiden Offensivspieler dürften verschwindend gering sein. Gerade auf den Aussenbahnen verfügt das Nationalteam derzeit über zahlreiche Optionen. Damit einer der beiden noch auf den WM-Zug aufspringen könnte, müssten wohl mehrere Spieler ausfallen, die aktuell in der Hierarchie vor ihnen stehen.
Im Sturmzentrum sind die Alternativen hingegen deutlich rarer gesät. Filip Stojilkovic spielte bei KS Cracovia eine starke Hinrunde, die ihm schliesslich den Wechsel zu Pisa SC in die Serie A ermöglichte. In Italien wartet der 26-Jährige allerdings noch auf seinen ersten Treffer. Mit Einsätzen in der Champions League machte zudem Marc Giger von Royale Union Saint-Gilloise auf sich aufmerksam. In Belgien kämpft der 22-Jährige derzeit um ausreichend Spielzeit. Entsprechend besitzen sowohl Stojilkovic als auch Giger lediglich Aussenseiterchancen auf ein WM-Ticket.
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