Am Montagmorgen hat Silvan Widmer seinen Rücktritt aus der Schweizer Nationalmannschaft bekannt gegeben. Auf einer Pressekonferenz erklärte der Rechtsverteidiger die Entscheidung, die ihm keinesfalls leicht gefallen sei.
Der Rücktritt aus der Nationalmannschaft traf Silvan Widmer nicht aus einer Laune heraus: "Der Entscheid kam nicht von heute auf morgen. Ich habe mir nach dem letzten Spiel bei der Weltmeisterschaft viele Gedanken gemacht. Ich habe mir aber bewusst viel Zeit für die Entscheidung genommen und viele Gespräche geführt. Vor einigen Tagen bin ich dann zum Schluss gekommen, dass es die richtige Entscheidung ist." Die Entscheidung sei ihm aber keinesfalls leicht gefallen, denn er habe immer sehr gerne für die Nationalmannschaft gespielt.
In den direkten Gesprächen mit Murat Yakin hat Widmer herausgespürt, dass das Interesse vom Nationalmannschaftstrainer vorhanden gewesen wäre, ihn weiter aufzubieten. Auch seine Mitspieler aus der Nati hätten sich nach der Verkündung des Rücktritts zahlreich bei ihm gemeldet. Das sei für Widmer sehr berührend gewesen und habe ihn in seinem Gefühl des Teamverständnisses gestärkt: "Wir waren nicht nur Teamkameraden, sondern wie eine Familie."
Die Entscheidung sei eine für seine letzten Jahre der Karriere: "Ich werde die Jungs und die Nationalmannschaft vermissen. Ich muss darauf zugunsten von mir und meinem Körper verzichten." An der WM verlor Widmer den Status als unangefochtener Stammspieler, doch das habe keinen Einfluss auf seine Überlegungen gehabt.
Wie lange Widmer als Profifussballer weitermacht, weiss der Aussenverteidiger nicht: "Ich möchte, solange ich mag, auf höchstem Niveau Fussball spielen. Wie lange es reicht, kann ich Stand jetzt noch nicht sagen." Eine mögliche Rückkehr zum FC Aarau will der 33-Jährige nicht ausschliessen: "Wenn ich merke, dass es in der Bundesliga nicht mehr reicht, muss ich mir meine Gedanken machen und dann wird der FC Aarau womöglich zum Thema."
Die ersten Jahre in der Nationalmannschaft seien nicht einfach gewesen. Obwohl er schon 2014 sein Debüt gegeben hat, habe er erst 2020 so richtig Fuss fassen können. Das grösste Highlight stammt dann aus der Zeit als Stammspieler in der Nati. Es ist das EM-Achtelfinale 2021 gegen Frankreich: "Das war mit das emotionalste Spiel meiner gesamten Karriere." Auch die WM in Nordamerika mit dem Viertelfinaleinzug nennt Widmer als einen der grossen Eckpfeiler seiner Zeit in der Nationalmannschaft.
Zwischen seinem Debüt und der Derniere liegen zwölf Jahre, in denen Widmer an jeder Welt- und Europameisterschaft seit 2021 teilnahm. Als Stammspieler auf der rechten Aussenbahn hinterliess er bleibende Spuren und reihte sich in den exklusiven Kreis von 23 Schweizer Akteuren ein, die an mindestens vier Endrunden teilnahmen. Insgesamt stand er in 16 WM- oder EM-Spielen auf dem Feld und erzielte fünf Tore.
Nicht nur mit dem Nationalmannschaftstrainer Murat Yakin habe er ein tolles Verhältnis. Im Verein könne er sich ebenfalls regelmässig und gut mit seinem Trainer austauschen: "Ich habe mit Urs Fischer ein fantastisches Verhältnis. Auch mit ihm habe ich über den Nationalmannschafts-Rücktritt gesprochen." Ambitioniert zeigt sich der Rechtsverteidiger auch für die Bundesliga-Saison, die am letzten Wochenende startete: "Unser Ziel ist gleich immer: 'Wir wollen nichts mit dem Abstieg zu tun haben und eine möglichst erfolgreiche Saison spielen.'" Sollte es für mehr reichen, könne man sich dann im Frühling höhere Ziele setzen, so Widmer.
Seit 2021 steht Silvan Widmer beim 1. FSV Mainz unter Vertrag. Beim Bundesligisten reifte der langjährige Schweizer Nationalspieler zum Captain. Auch Urs Fischer zählt regelmässig auf seinen Landsmann. Beim Bundesliga-Auftakt gegen Paderborn kam Widmer in der 73. Minute ins Spiel.
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