Die WM-Gruppenphase ist Geschichte und wir befinden uns bereits mitten in der K.-o.-Phase. Vor dem Turnierstart blickten wir auf jene Schweizer Nationalspieler, die die Weltbühne als Karrieresprungbrett nutzen könnten. Nach den ersten drei Partien der Schweiz ziehen wir eine erste Bilanz: Wer hat seinen Marktwert explodieren lassen - und für wen stockt der Traum vom Grossklub?
Er kam, sah und verzückte die Fussballwelt: Johan Manzambi ist der unbestrittene Schweizer Shootingstar dieser Weltmeisterschaft. Mit drei Toren und einem Assist in der Gruppenphase war der Youngster die Lebensversicherung der Nati-Offensive. Auf dem internationalen Transfermarkt hat diese Leistung eine Lawine ausgelöst. Längst haben finanzstarke Klubs aus der Premier League ihre Fühler ausgestreckt. Setzt Manzambi diesen Lauf in den Achtelfinals fort, dürfte er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zum teuersten Schweizer Fussballer aller Zeiten avancieren.
In seinem Windschatten hat sich auch Ruben Vargas eindrücklich zurückgemeldet. Nach einem unglücklichen Auftakt gegen Katar, als er noch als Chancentod agierte, bewies der Flügelstürmer enorme Nehmerqualitäten. Erst brillierte er als Joker gegen Bosnien (ein Tor, ein Assist), ehe er sich gegen Kanada den Startplatz zurückholte und prompt erneut traf. Vargas hat bewiesen, dass er ein absoluter Turnierspieler ist - seine Aktien stehen höher denn je.
Dass die Schweiz defensiv stabil steht, liegt einmal mehr an Gregor Kobel. Der BVB-Keeper war der gewohnt starke Rückhalt, strahlte eine enorme Ruhe aus und war an den Gegentoren absolut schuldlos. Kobel hat einmal mehr untermauert, dass er die Reife für einen absoluten Weltklasse-Verein besitzt. Vor ihm erledigte Nico Elvedi seinen Job als Nebenmann von Manuel Akanji komplett ohne Fehl und Tadel. Die Gerüchte um ein Interesse von Leeds United dürften nach dieser soliden Gruppenphase an Fahrt aufnehmen.
Etwas pragmatischer präsentiert sich die Situation bei Breel Embolo. Als klassischer Knipser trat er - abgesehen von einem Penalty-Tor gegen Katar - zwar selten in Erscheinung, dafür glänzte er mit zwei Assists und seiner unnachahmlichen Physis als Wandspieler. Embolo hält Bälle wie kein Zweiter im Kader und bleibt damit für internationale Scouts hochattraktiv.

Seit dem 1. Juli sind Remo Freuler, Ricardo Rodriguez und Eray Cömert offiziell ohne Vertrag. Existenzängste muss beim erfahrenen Duo Freuler/Rodriguez jedoch niemand haben. Beide spulten ihr Pensum gewohnt zuverlässig ab. Freuler (34) stabilisierte das Mittelfeld an der Seite von Granit Xhaka, Rodriguez (33) überzeugte primär defensiv. Auch wenn die offensive Durchschlagskraft bei beiden nicht mehr auf dem Niveau früherer Tage ist: Das Duo wird im Sommer problemlos hochkarätige neue Arbeitgeber finden.
Schwieriger ist die Lage für Eray Cömert, der in der Gruppenphase keine einzige Sekunde auf dem Platz stand und keine Eigenwerbung betreiben konnte. Er muss hoffen, dass sich die Gerüchte um einen Wechsel zu Union Berlin auch ohne WM-Minuten konkretisieren.
Wo es Gewinner gibt, gibt es auch Verlierer. Die grösste Enttäuschung aus Transfersicht ist bislang Dan Ndoye. Der Offensivakteur agierte in der Gruppenphase glücklos, wartet noch immer auf seinen ersten Scorerpunkt und liess die nötige Effektivität vermissen. Für einen grossen Karrieresprung konnte er sich so vorerst nicht empfehlen. Eine gute Neuigkeit gibt es für ihn abseits des Rasens, denn Oliver Glasner soll neuer Trainer von Nottingham Forest werden. Mit einem neuen Übungsleiter würden die Karten von Ndoye bei seinem Verein, wo er zuletzt keine Rolle mehr spielte, neu gemischt werden. In seinem Fall braucht es womöglich gar keinen Wechsel, um seine etwas ins Stocken geratene Karriere neu zu lancieren.
Die junge Garde um Ardon Jashari und Zeki Amdouni hat derzeit einen schweren Stand. Beide kamen lediglich im Eröffnungsspiel gegen Katar zu einem kurzen Joker-Einsatz, bei dem Jashari zudem unglücklich agierte. Seither drückten beide die Ersatzbank. Djibril Sow wiederum zeigte Licht und Schatten: Einem starken Joker-Einsatz samt herausgeholtem Penalty gegen Bosnien folgte ein unauffälliger Auftritt in der Startelf gegen Kanada.
Das Fazit: Das "Projekt Karrieresprungbrett" ist für einen Teil des Kaders voll aufgegangen - allen voran für Manzambi und Vargas. Für die Sorgenkinder Ndoye, Jashari und Amdouni bleibt die Hoffnung auf die K.-o.-Phase: In den Finalspielen werden bekanntlich die ganz grossen Heldengeschichten geschrieben.
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