Es ist ein WM-Kader, der keine Angriffsfläche bietet. Der Schweizer Nationaltrainer Murat Yakin hat aber bereits an der Pressekonferenz zur Kaderbekanntgabe durchblicken lassen, dass es im Herbst zum Start der neuen Kampagne an der Zeit ist, junge Spieler einzubauen. So wird die WM wohl die Abschiedsvorstellung für einige verdiente Nationalspieler.
Obschon in den vergangenen zwei Jahren viel getestet wurde, setzt Murat Yakin an der Weltmeisterschaft fast ausschliesslich auf bewährte Kräfte. Und trotzdem hat sich der Kader im Vergleich zur EM-Endrunde 2024 auf neun Plätzen verändert. Mit Yann Sommer, Fabian Schär und Xherdan Shaqiri machten drei absolute Leistungsträger mit ihren Rücktritten aus dem Nationalteam einen Umbruch unumgänglich.
Dennoch wird die Schweiz mit einem der erfahrensten Teams zur Endrunde reisen. Gleich für mehrere langjährige Nationalspieler dürfte es das letzte grosse Turnier werden. Mit dem Start der EM-Kampagne im Anschluss an den grossen Höhepunkt in Nordamerika wird der Umbruch weiter vorangetrieben. Nach dem Abstieg in die B-Liga der Nations League werden gegen Schottland, Slowenien und Nordmazedonien sicherlich wieder neue Gesichter im Nationaldress auftauchen. Gleichzeitig zeichnet sich ab, dass für mehrere verdiente Spieler die Zeit im Nationalteam abläuft.
Während der Saison 2025/26 haben sich mit Albian Hajdari, Leon Avdullahu und Ryan Fosso gleich drei Akteure dazu entschieden, nicht für die Schweizer A-Nationalmannschaft aufzulaufen. Gerade in den Fällen von Hajdari und Avdullahu, die mittlerweile Stammspieler in der Bundesliga sind, ist das doch ein sportlich schmerzhafter Verlust. Auch weil sich diese Szenarien nicht wiederholen sollen, wird der Herbst nach der WM zukunftsweisend.
Vorerst gilt es aber die Frage zu klären, wo sich die meisten Lücken bis zur Europameisterschaft auf den britischen Inseln öffnen werden. In der Abwehr werden wohl die Aussenbahnen zum ernsthaften Thema. Sowohl Ricardo Rodrigues als auch Silvan Widmer wären bei einer EM-Teilnahme bereits 35-jährig. Auf der rechten Abwehrposition sammeln mit Zachary Athekame und Sascha Britschgi zwei Youngster in der Serie A fleissig Erfahrung in einer europäischen Top-Liga. Beide könnten auch für eine andere Nation auflaufen. Athekame hat Wurzeln in Nigeria, bei Britschgi wäre Kamerun eine Option.
Auf der linken Abwehrseite hat sich Miro Muheim als Nachfolger von Ricardo Rodriguez in Position gebracht. Auch er dürfte im Herbst mehr Einsatzzeit erhalten. Gleichwohl ist natürlich nicht ausgeschlossen, dass Rodriguez oder auch Widmer dem Kader weiterhin als Backups angehören werden. Auf der linken Abwehrseite hat der Schweizerische Fussballverband zudem ein Auge auf Nicolas Bosshardt geworfen. Der 19-jährige Brasilianer wäre eine Option für das Schweizer Nationalteam. Derzeit beim FC São Paulo dürfte der Youngster auch mangels Alternativen zur Option auf Links werden.
In der Innenverteidigung sind mit Luca Jaquez und Aurèle Amenda zwei Abwehrspieler des Jahrgangs 2003 im Schweizer Nationalteam an der WM dabei. Sie dürften Nico Elvedi und Manuel Akanji künftig vermehrt im Kampf um die Stammplätze einheizen. Auch hier stehen bereits weitere Kandidaten für das A-Nationalteam bereit. Bruno Ogbus hat gemeinsam mit Shootingstar Johan Manzambi bei Freiburg den Schritt in die erste Mannschaft geschafft. Etwas weniger beachtet ist hierzulande Roggerio Nyakossi. Der Captain des Schweizer U-21-Nationalteams legt in Belgien bei OH Leuven eine steile Entwicklungskurve hin. Auch Ogbus und Nyakossi hätten die Möglichkeit, für andere Nationen aufzulaufen.
Ganz so breit gefächert sind die Alternativen auf den anderen Positionen nicht. Mit Johan Manzambi und Ardon Jashari haben sich zwei Spieler für die Schweizer Zentrale bereits im Nationalteam angemeldet. Sie könnten bereits an der WM ein belebendes Element werden. Vor allem Avdullahus Entscheidung zugunsten des Kosovos schmerzt. Ähnlich wie Remo Freuler ist auch der ehemalige FCB-Junior ein unauffälliger, aber enorm zuverlässiger Arbeiter. Freuler steht bei 86 Länderspielen, ob er die Marke von einhundert Nati-Einsätzen erreichen wird, ist fraglich.
Auch für Christian Fassnacht dürfte die Weltmeisterschaft das letzte grosse Turnier im Nati-Dress sein. Als Torschützenkönig der Super League ist es ihm gelungen, sich fürs Nationalteam aufzudrängen. Vor allem das Momentum dürfte für ihn gesprochen haben, in den langfristigen Plänen dürfte er aber kaum berücksichtigt werden.

Murat Yakin hat an der Pressekonferenz am Mittwoch Alvyn Sanches in Aussicht gestellt, im Herbst weitere Auftritte im Nationalteam zu erhalten. Ob der Kreativspieler des BSC YB sich langfristig im Nationalteam durchsetzen wird, muss sich zeigen. Sicherer scheint, dass Alessandro Vogt im Herbst dann seine Chance im Nationalteam erhalten wird. Nach einer beeindruckenden Saison beim FC St.Gallen greift der vielversprechende Mittelstürmer ab der kommenden Saison in der Bundesliga an.
Vogt dürfte einer von einigen neuen Spielern sein, die im Herbst ins Nationalteam aufrücken. Vorerst sollen aber viele bewährte Kräfte für grosse sportliche Schlagzeilen sorgen.
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