sport.ch

In dieser Verfassung kann Fabian Rieder kein Nati-Kandidat für die WM-Quali sein

Die Schweizer Nati nach der Länderspiel-Pause in der Analyse

Anfang September startet die Schweiz in die WM-Qualifikation in der Gruppe mit dem Kosovo, Slowenien und Schweden. Die kürzlichen Testspiele standen im Zeichen der Evaluation von möglichen Alternativen für Murat Yakin. Wir wollen aufzeigen, was mögliche Erkenntnisse aus der Länderspiel-Pause waren und wie die Schweiz im Herbst in die WM-Quali starten könnte.

Die erste Nati-Zusammenkunft des Jahres stand im Sinne von "neue Sachen ausprobieren." Murat Yakin verlieh diesem Motto gleich Nachdruck und gab etwa zu verstehen, dass man derzeit nicht über Resultate diskutieren müsse, sondern es darum gehe, neue Gesichter kennenzulernen und neue Türen zu öffnen. Vor allem vier Personalien konnten die Nati-Pause nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen.

Die Gewinner:

Die wichtigste Erkenntnis daraus ist, dass Miro Muheim zu gefallen wusste. Der 27-jährige Aussenverteidiger vom HSV spielte frech und abgeklärt. Nicht nur bereitete der linke Verteidiger einen Treffer vor, sondern feierte, wenn auch nicht ganz freiwillig, seine Torpremiere im Schweizer Dress. Muheim wurde von Yakin nach dem Spiel gegen Luxemburg als "bester Mann auf dem Platz" bezeichnet. Somit kann sich der Linksfuss realistische Chancen auf eine erneute Nati-Zusammenkunft machen.

Trotz Patzer im ersten Spiel fiel Stefan Gartenmann danach positiv auf. Der Innenverteidiger agierte stark gegen den Ball und machte seine fehlende Schnelligkeit durch sein smartes Positionsspiel wett. Derweilen bewies er gegen Nordirland, dass er nicht zurückscheut eine Rolle in der Auslösung und als Ballverteiler wahrzunehmen, so war Gartenmann in jenem Spiel der Mann mit den meisten Ballaktionen aufseiten der Schweizer.

Im Mittelfeld wussten sowohl Vincent Sierro als auch Rückkehrer Djibril Sow zu überzeugen. Während Sierro gegen Nordirland sein erstes Länderspieltor schoss, schlüpfte Djibril Sow gegen Luxemburg in die Rolle des Spielgestalters. Beide erledigten ihre Aufgaben und können ebenfalls damit rechnen, erneut in das Schweizer Nati-Dress schlüpfen zu können.

Miro Muheim hat sich nahtlos in die Schweizer Nati eingefügt.

Alternativen:

Im Rahmen des Zusammenzugs konnten auch Cédric Zesiger, Eray Cömert, Isaac Schmidt, Alvyn Sanches und Andi Zeqiri ihr Können unter Beweis stellen. Bei allen Akteuren stellt sich jedoch die Frage, wie es in absehbarer Zukunft weitergehen wird. Innenverteidiger Zesiger spielt derzeit beim FC Augsburg überragend und blieb acht Spiele in Folge ohne Gegentreffer. In der Nati ist seine Rolle noch unklar, er wäre aber auf jeden Fall eine echte Alternative im Abwehrzentrum. Murat Yakin weiss, was er von Cömert bekommt. Der 27-Jährige kann im Defensivverbund so ziemlich überall eingesetzt werden. Seine Nati-Reise dürfte noch nicht zu Ende sein.

Isaac Schmidt zeigte ordentliche Leistungen und konnte eine erste Duftmarke hinterlassen, während Alvyn Sanches in seinem Kurzeinsatz zu gefallen wusste. Derweilen muss er aber einen Kreuzbandriss auskurieren, somit dürfte sein Jahr bereits gelaufen sein und so schnell wird man Sanches nicht mehr im Nati-Dress sehen. Andi Zeqiri musste zwar ebenfalls verletzungsbedingt pausieren im zweiten Testspiel, dennoch wird der Mittelstürmer von Lüttich mit Bestimmtheit in Yakins Zukunftsplänen noch eine Rolle spielen.

Knifflige Situationen:

In den beiden Testspielen wussten aber nicht alle Akteure zu überzeugen und bei einigen Personalien ist man sich im Unklaren, wie es in Zukunft weitergehen könnte. Allen voran Nati-Neuling Lucas Blondel dürfte einen schweren Stand haben, wirkte der Aussenverteidiger von den Boca Juniors doch gegen Luxemburg wie ein überforderter Fremdkörper.

Im Zentrum konnte Michel Aebischer wenige Akzente setzen, dennoch dürfte der 28-Jährige weiterhin in der Nati zum Zug kommen, liebt doch Yakin seine unkomplizierte Art und seine vielseitige Einsetzbarkeit. Vor nicht allzu langer Zeit wurde Fabian Rieder noch hoch geadelt, mittlerweile kommt der junge Mittelfeldspieler weder im Klub noch in der Nati über die Jokerrolle hinaus. Fragezeichen stehen auch rund um Aurèle Amenda und Albian Hajdari im Raum. Sie dürften in der dicht besetzten Abwehr einen schweren Stand haben, sich durchzusetzen. Torhüter Pascal Loretz sass beide Testspiele auf der Bank, dennoch liegt die Zukunft des 21-Jährigen noch vor sich. In absehbarer Zeit dürfte er jedoch wohl nicht an Gregor Kobel oder gar an Yvon Mvogo vorbeikommen.

Wo geht die Reise für Aurèle Amenda im Nati-Dress noch hin?

Wie könnte die Nati also in Zukunft aussehen?

Neben den Absenzen von Nati-Captain Granit Xhaka, Remo Freuler, Manuel Akanji und Zeki Amdouni dürften auch zahlreiche andere Spieler im Team von Yakin gesetzt sein. So etwa Ricardo Rodriguez, Breel Embolo, Rubén Vargas, Dan Ndoye, Denis Zakaria und Gregor Kobel.

Derweilen muss man auch die Personalien Nico Elvedi, Becir Omeragic, Leonidas Stergiou, Silvan Widmer, Simon Sohm, Ardon Jashari, Edimilson Fernandes, Joël Monteiro, Dereck Kutesa, Filip Ugrinic, Kevin Mbabu, Ulisses Garcia und Noah Okafor im Auge behalten. Während einige Spieler wie Omeragic und Stergiou derzeit noch mit einer Verletzung zu kämpfen haben, befinden sich andere Spieler wie Dereck Kutesa oder Ardon Jashari in guter Form. Welche Namen schlussendlich von ihnen im Aufgebot im Herbst auftauchen, lässt sich nur schwer vorherzusagen. Allen voran durch die Ergänzung der Nati-Neulinge oder der Spieler, die sich während den Testspielen ins Rampenlicht befördert haben.

Unsere Startelf Prognose für die WM-Quali:

Murat Yakin überraschte gegen Luxemburg, indem er wieder auf eine Dreier-, bzw. Fünferabwehrkette setzte. Wir gehen jedoch davon aus, dass der Nati-Trainer in der WM-Quali auf sein altbewährtes 4-2-3-1 System zurückgreifen wird.

Im Tor ist Gregor Kobel die unumstrittene Nummer eins. Auch wenn der Nati-Torhüter derzeit eine schwierige Phase mit Dortmund durchmacht, so wird der 27-Jährige als Stammtorhüter ins WM-Rennen steigen.

In der Abwehr ist Manual Akanji im Zentrum gesetzt. Sein Innenverteidigungs-Partner dürfte wohl Nico Elvedi sein. Der 28-Jährige bringt Nati-Erfahrung in Form von 56 Länderspieleinsätzen mit und ist, wenn fit, in Gladbach in der Innenverteidigung gesetzt. Auch auf der Aussenbahn dürfte Yakin auf Altbewährtes setzen, weswegen Ricardo Rodriguez und Silvan Widmer der Vorzug gewährt werden könnte, vor Spielern wie Miro Muheim, Edimilson Fernandes, Ulisses Garcia oder Leonidas Stergiou.

Das zentrale Mittelfeld ist und bleibt das Herzstück der Mannschaft. An Captain Granit Xhaka und Dauerbrenner Remo Freuler gibt es derzeit kein Vorbeikommen. Im offensiven Mittelfeld würden wir nach dem aktuellen Stand der Dinge am ehesten noch Zeki Amdouni hinter der Sturmspitze sehen. Einerseits aufgrund seiner Torgefahr, andererseits, da dort keine gross aufspielende Alternativen bestehen. Michel Aebischer scheint auf Dauer keine Lösung zu sein, während Fabian Rieder sich im Formtief befindet und in der aktuellen Verfassung eigentlich kein Nati-Kandidat sein kann. Er muss sich im Sommer ganz genau überlegen, wo er nächste Saison spielen wird, ist es für ihn eine entscheidende Phase seiner Karriere. 

Apropos Aussenbahn: dort spielte Ruben Vargas zuletzt gegen Luxemburg gross auf. Der schnelle und dribbelstarke linke Flügel des FC Sevilla wird ohne Frage ein Schlüsselspieler im Angriff sein. Auf der rechten Seite ist es gut vorstellbar, dass Dan Ndoye zum Zug kommen wird. Beim FC Bologna konnte Ndoye zehn Torbeteiligungen beisteuern, weswegen der 24-Jährige auch in der Nati zur Waffe werden könnte.

Ruben Vargas wird auch in Zukunft den Nati-Gegnern das Leben schwer machen.

Breel Embolo zeigt viel Licht, aber auch viel Schatten. Manchmal tritt der grossgewachsene Stürmer in Erscheinung, hält die Bälle fest, sorgt für Torgefahr und lässt seine Abschlussqualitäten aufblitzen. Andererseits gibt es Spiele, wo Embolo im Spiel völlig untergeht, keine gelungenen Ballaktionen vorzuweisen hat, träge und lustlos auf dem Feld umherirrt und keine Torgefahr ausstrahlt. Nichtsdestotrotz ist der 28-jährige Mittelstürmer in der Sturmspitze gesetzt. 

Fazit: 

Murat Yakin wird Anfang September vor keiner einfachen Aufgabe stehen. Auf der einen Seite muss sich die Schweiz mit drei starken Mannschaften in der WM-Qualifikation messen, auf der anderen Seite verfügt der Nati-Trainer über einen riesigen Talentpool, von dem Yakin die geeignetsten Spieler in jenem Moment herauspicken muss. Um die Dimension von möglichen Nati-Spielern aufzuzeigen, haben wir hier eine nicht abschliessende Liste von Namen aufgeführt:

Gregor Kobel Yvon Mvogo Jonas Omlin Pascal Loretz
Manuel Akanji Nico Elvedi Ricardo Rodriguez Silvan Widmer
Aurèle Amenda Eray Cömert Miro Muheim Stefan Gartenmann
Isaac Schmidt Edimilson Fernandes Kevin Mbabu Ulisses Garcia
Albian Hajdari Lucas Blondel Gregory Wüthrich Becir Omeragic
Leonidas Stergiou Cédric Zesiger Djibril Sow  Vincent Sierro
Simon Sohm Denis Zakaria Ardon Jashari Joël Monteiro
Michel Aebischer Fabian Rieder Noah Okafor Remo Freuler
Granit Xhaka Dan Ndoye Rubén Vargas Dereck Kutesa
Alvyn Sanches Zeki Amdouni Filip Ugrinic Breel Embolo
Andi Zeqiri Renato Steffen Steven Zuber Kwadwo Duah

Albian Hajdari Alvyn Sanches Andi Zeqiri Ardon Jashari Aurèle Amenda Becir Omeragic Breel Embolo Cédric Zesiger Cyrill Brandenberg Dan Ndoye Denis Zakaria Dereck Kutesa Djibril Sow Edimilson Fernandes Eray Cömert Fabian Rieder Filip Ugrinic Fussball Fussball A-Nationalmannschaft Fussball Nationalmannschaften Granit Xhaka Gregor Kobel Gregory Wüthrich Isaac Schmidt Joël Monteiro Kevin Mbabu Leonidas Stergiou Lucas Blondel Manuel Akanji Michel Aebischer Miro Muheim Mohamed Zeki Amdouni Murat Yakin Nico Elvedi Noah Okafor Pascal Loretz Remo Freuler Ricardo Rodriguez Ruben Vargas Silvan Widmer Simon Sohm Stefan Gartenmann Ulisses Garcia Vincent Sierro Yvon Mvogo

2025-03-27 19:00:51