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Ospelt baut die FIS um und will den finanziellen Turnaround schaffen

Neuer FIS-Präsident setzt erste Reformen um

Alexander Ospelt baut die FIS nach nur 100 Tagen radikal um. Das Präsidentenbüro schrumpfte von zehn auf drei Personen, die CEO-Stelle wurde gestrichen. Bei einem strukturellen Defizit von 5,7 Millionen Franken und massiv geschrumpftem Vermögen. Gleichzeitig treibt der neue Präsident jährliche Weltmeisterschaften ab 2032 und sogar Gespräche mit Netflix nach dem Vorbild von "Drive to Survive" voran.

Gut 100 Tage nach seiner Wahl hat Alexander Ospelt beim Internationalen Ski- und Snowboardverband bereits deutliche Spuren hinterlassen. Im Interview mit Blick berichtet der neue FIS-Präsident wie er Strukturen verkleinert, Führungspositionen überprüft und das millionenschwere Defizit zurückdrängen will. Gleichzeitig treibt der Liechtensteiner Ideen für eine modernere Vermarktung des Wintersports voran.

Präsidentenbüro massiv verkleinert

Besonders konkret sind Ospelts Schritte bei den Finanzen. Die FIS weist laut dem Präsidenten ein strukturelles Defizit von 5,7 Millionen Franken auf. Gleichzeitig sei das Vermögen innerhalb von fünf Jahren von 130 auf 43 Millionen Franken gesunken. Ospelt will deshalb bei den Kosten ansetzen. Im President's Office arbeiteten unter seinem Vorgänger Johan Eliasch zehn Personen. Inzwischen wurde diese Zahl auf drei reduziert. Zudem übernahm Urs Lehmann Aufgaben von Michel Vion, die CEO-Stelle wurde abgeschafft. Weitere Einsparungen bei den Personalkosten werden geprüft. Ospelt zeigt sich überzeugt, dass spätestens im kommenden Jahr der finanzielle Turnaround gelingen kann.

Auch auf der Einnahmenseite sieht er Potenzial. Nach eigenen Angaben erhält die FIS von möglichen Partnern das Signal, dass eine Zusammenarbeit nach dem Führungswechsel wieder eher infrage komme. Höhere Preisgelder für die Athleten sollen langfristig ebenfalls möglich werden, zunächst müsse aber die Qualität der Veranstaltungen steigen und der Weltcup für Sponsoren attraktiver werden.

Nur eine Woche nach Ospelts Wahl kehrte auch Urs Lehmann zur FIS zurück. Ospelt sagt dazu:"Urs hat einen super Job gemacht und geniesst international einen sehr guten Ruf. Seine Rückkehr war kein einseitiges Angebot. Wir haben diesen Weg gemeinsam entwickelt." Der ehemalige Swiss-Ski-Präsident war zuvor CEO des Weltverbands gewesen und im Juni zurückgetreten. Nun arbeitet er vorerst bis März 2027 als Generalsekretär ad interim. Ob diese Struktur Bestand haben wird, ist noch offen. Ospelt lässt derzeit prüfen, ob künftig ein Generalsekretär oder erneut ein CEO das operative Management führen soll. Sollte die Analyse für einen CEO sprechen, würde die Position neu ausgeschrieben.

Mehr Weltmeisterschaften sorgen für Diskussionen

Sportpolitisch sorgt vor allem Ospelts Idee für häufigere Weltmeisterschaften für Gesprächsstoff. Ab 2032 soll grundsätzlich jedes Jahr eine WM stattfinden, ausgenommen Jahre mit Olympischen Winterspielen. Damit käme innerhalb von fünf Jahren eine zusätzliche Weltmeisterschaft hinzu.

Der österreichische Skiverband äusserte bereits öffentlich Kritik. Ospelt hält dagegen, dass zusätzliche Titelkämpfe den Athleten mehr Chancen auf einen WM-Titel bieten und gleichzeitig neue Märkte erschliessen könnten. Als mögliche Austragungsorte nennt er unter anderem Japan oder China. Sogar eine zusätzliche Ausgabe im Jahr 2028 wird geprüft.

Sicherheit und neue Weltcup-Ideen

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Sicherheit. Die Athlete Health Unit soll künftig enger an den FIS-Council angebunden werden. Auch die aktuellen Helmstandards stehen auf dem Prüfstand. Sollten Experten zum Schluss kommen, dass diese nicht ausreichen, kündigt Ospelt Änderungen an. Für ihn sei Sicherheit "nicht verhandelbar". Dabei geht es nicht nur um Helme, Rückenprotektoren oder Airbags. Auch Trainingspisten sollen stärker kontrolliert und sicherer gemacht werden, weil sich viele Verletzungen ausserhalb der eigentlichen Rennen ereignen. Gleichzeitig möchte Ospelt den Weltcup flexibler gestalten. Junge Fahrer sollen schneller eine Chance erhalten, zudem könnten sogenannte Local Heroes leichter zu Starts kommen. Für kleinere Skinationen könnte das besonders interessant werden.

Auch bei der Vermarktung denkt die FIS über neue Wege nach. Gespräche mit Netflix laufen bereits, dazu sagt Ospelt: "Netflix ist auf jeden Fall ein Thema." Ob daraus Porträts einzelner Athleten oder gleich eine FIS-Dokumentarserie entsteht, ist noch offen. Die Formel-1-Serie "Drive to Survive" dient dabei ausdrücklich als Vorbild. Ospelt möchte die Stars des Wintersports stärker ins Zentrum rücken und für das Publikum greifbarer machen. Nach gut drei Monaten im Amt wird damit klar, dass Ospelt nicht nur einzelne Details verändern möchte. Von der Führungsstruktur über die Finanzen bis hin zu Sicherheit, Wettkampfformaten und Vermarktung hat der neue FIS-Präsident gleich mehrere Baustellen gleichzeitig eröffnet.

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2026-10-01 18:04:02